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Frontal 21: Nur Toom stellt sich Verantwortung

Das ZDF Magazin Frontal 21 ist den Praktiken bei der Beschaffung von Naturstein aus den großen chinesischen Steinbrüchen auf den Grund gegangen. Die Lieferketten der Baumärkte erfüllen bei weitem nicht alle die Nachhaltigkeitsstandards.

Dominique Rotondi Toom
Dominique Rotondi: „Toom Baumarkt will Vorbild sein für andere Händler.“
Foto: P. Nierhoff

Ein Großteil der weltweit gewonnenen Natursteine wird in Indien und China produziert. Das Rechercheteam von Frontal 21 hat die Beschaffungswege, bzw. die Praktiken beim Abbau des Materials näher untersucht. Dabei ist herausgekommen, dass in den chinesischen Steinbrüchen schlechte Bedingungen für die Arbeiter vor allem in Hinblick auf Arbeitsschutz vorherrschen. Eine Medizinerin sowie ein Vertreter der Berufsgenossenschaft äußerten sich in dem Filmbeitrag besorgt über die Zustände auf den dortigen Abbaustellen. Das Magazin hatte bei den größten und wichtigsten Baumarktketten Deutschlands nachgefragt, um zu erfahren, wie es dort um die Nachhaltigkeitsstandards bei der Beschaffung von Natursteinen bestellt ist. Bauhaus versicherte schriftlich, dass seine Lieferanten Mindeststandards des Arbeitsschutzes einhielten, wie beispielsweise entsprechender Arbeitsschutz sowie das Verbot von prekärer Beschäftigung und Kinderarbeit. Der Bericht versucht zu belegen, dass zumindest bis 2014 der international geltende Standard-Arbeitsschutz bei der Natursteinbeschaffung in China nicht eingehalten werde.

Von Globus Baumarkt erhielt Frontal 21 keine Antwort, Hornbach teilt mit, man lasse vom TÜV kontrollieren und versichert, dass Verstöße geahndet werden.Für Bauhaus Obi, Toom und Hagebau kontrolliert eine Unternehmensinitiative für soziale Verantwortung (BSCI), deren Kontrollergebnisse für die Entscheidung der Händler, wie und ob mit Lieferanten zusammengearbeitet wird, herangezogen werden können, aber nicht müssen. Frontal 21 zeigt in einem Beispiel, dass Hagebau aufgrund solcher (alarmierender) Kontrollergebnisse einen chinesischen Lieferanten überprüfen lassen, die Geschäftsbeziehung aber fortsetzen wolle.

Vor laufender Kamera äußerte sich allein Dominique Rotondi, Einkaufsgeschäftsführer von Toom Baumarkt. Auch Toom bezieht rund 89 Prozent seiner Natursteine aus China. Aber als erste Baumarktkette in Deutschland hat Toom gemeinsam mit dem unabhängigen Zertifizierer XertifiX e.V. einen Prozess entwickelt, um die Lieferkette von Natursteinen bis in den Steinbruch lückenlos zu verfolgen. Durch regelmäßige Überprüfungen der Produktionsstätten trägt Toom aktiv zur Lösung sozialer und ökologischer Probleme bei der Herstellung und Verarbeitung von Natursteinprodukten bei.

„In der Natursteinproduktion fehlt häufig die nötige Transparenz in der Lieferkette, um Problemstellungen, wie mangelnde soziale Absicherung, unzureichenden Arbeitsschutz oder Kinderarbeit auszuschließen. Als verantwortungsvoll handelndes Unternehmen ist es uns besonders wichtig, die Herkunft der Natursteine, den ausreichenden Schutz der Arbeiter in den Steinbrüchen und die Einhaltung der Menschenrechte bei der Produktion von Natursteinerzeugnissen sicherzustellen“, erläutert Dominique Rotondi. Die Rewe Group setzte unter Federführung von toom bereits in 2014 eine Leitlinie für Natursteinerzeugnisse auf, welche die Anforderungen an die gesamte Lieferkette – vom Großhandel über die Steinverarbeitung bis zu den Steinbrüchen – genau definiert.

Gegenüber Frontal 21 erklärte Rotondi, die Produkte müssten für den Endverbraucher durch die Kontrollen nicht teurer werden. Er setze darauf, dass die Vorbildfunktion, die Toom Baumarkt einnimmt, andere Händler dazu bewegt, bei der Lieferkette aller Baumarktprodukte auf Nachhaltigkeitsstandards zu achten.

17.03.2017