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Wenig Wettbewerb in der Ukraine

In der Ukraine gibt es nur vier Baumarktketten. Stärkste Kraft ist die Epicentr-Gruppe, auf die 85 Prozent der Standorte und 94 Prozent der Fläche entfallen. Einziger westeuropäischer Betreiber, der sich im DIY-Markt halten konnte, ist Leroy Merlin.

Leroy Merlin ist der einzige westeuropäische Betreiber, der in der Ukraine weiterhin Bestand hat.
Leroy Merlin ist der einzige westeuropäische Betreiber, der in der Ukraine weiterhin Bestand hat.
Foto: bmm

Die Nettoumsätze des ukrainischen Einzelhandels für Haus und Garten – dazu gehören Bau- und Gartenmärkte sowie Einrichtungshäuser und Haushaltswarengeschäfte – sind 2017 um nominal 8,5 Prozent auf 59,3 Mrd. UAH (1,87 Mrd. Euro) gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Inflationsbereinigt ist jedoch ein Umsatzrückgang von 2 Prozent zu verzeichnen. Dies geht aus dem jüngsten Report „Home and Garden Specialist Retailers in the Ukraine“ des Marktforschungsunternehmens Euromonitor International hervor. Die Finanzkrise als Folge der anhaltenden kriegerischen Auseinandersetzungen in den östlichen Landesteilen und die starke Währungsabwertung haben das verfügbare Einkommen der meisten Ukrainer geschmälert – die Monatslöhne liegen in den Regionen im Schnitt bei 175 und in Kiew bei 325 US Dollar. Im Hinblick auf langfristige Anschaffungen und Investitionen sind die Verbraucher deutlich vorsichtiger geworden. Der Erwerb einer Immobilie, die renoviert werden muss, ist zu einem unerschwinglichen Luxus geworden. Dennoch sehen die Analysten die weitere Entwicklung des Marktes positiv: Bis 2022 sollen die Nettoumsätze um jährlich 2 Prozent zu konstanten Preisen von 2017 auf 66,5 Mrd. UAH (2,09 Mrd. Euro) steigen.

Riesige Kaufkraft

Für 2018 wird ein nominales Wachstum um 8,5 Prozent auf 64,4 Mrd. UAH (2,03 Mrd. Euro) prognostiziert. Angesichts der geringen Kaufkraft der Verbraucher, sie lag 2017 rund ein Drittel unter dem Niveau von 2013, wird die Branche nur dann punkten können, wenn es ihr gelingt, beste Qualität zu erschwinglichen Preisen bereitzustellen. Das biete laut Euromonitor vor allem kleineren, unabhängigen Händlern sowie regionalen Herstellern mit eigenen Vertriebsstellen die Chance, ihren Marktanteil zu erhöhen, indem sie preiswerte Waren aus schnörkellosen Lagerhallen heraus verkaufen. Die preissensiblen Verbraucher werden sich vor dem Kauf auch stärker bei Onlineshops wie prom.ua informieren.

Die ukrainische Baumarktbranche wird von Alexander Gereg und Galina Gerega dominiert. Dem Ehepaar gehört Epicentr K, die größte DIY-Kette des Landes, mit 45 Standorten und einer Gesamtfläche von über 1 Mio. Quadratmeter. Hinzu kommt die 2013 erworbene Baumarktkette Nova Linia. Sie ist mit 14 Standorten und einer Gesamtverkaufsfläche von 190.000 Quadratmeter die Nummer zwei des Marktes. Allein in der Hauptstadt Kiew ist die Gruppe mit 13 Outlets vertreten. 2017 erreichte sie im Einzelhandel für Haus und Gartenprodukte nach Zahlen von Euromonitor einen Marktanteil von 38 Prozent.

Baumarktbetreiber in der Ukraine
Anzahl der Märkte 2017 Verkaufsfläche in qm 2017
Epicentr K 44 1.061.000
Nova Linia 14 190.000
Leroy Merlin 4 48.000
Oldi 6 36.000
Gesamt 68 1.335.000

Epicentr K

Der erste Baumarkt des Vertriebstyps Epicentr K ging 2003 an den Start. Ab 2009 wurde das Sortiment sukzessive ausgeweitet, sowohl in der Breite als auch in der Tiefe, und man entfernte sich zusehends vom reinen Baumarktformat. Hinzu gekommen sind GPK-Sortimente, Deko- und Geschenkartikel, Büro- und Künstlerbedarf, Sportartikel sowie ein breites Spektrum an Elektrogeräten, von der Unterhaltungselektronik über Computer bis hin zu Haushaltsgroß- und Kleingeräten. Ebenfalls im Sortiment sind Drogerieartikel sowie Baby- und Kinderbedarf.

Entsprechend der Sortimentsausweitung ist auch die Verkaufsfläche gewachsen. Der bisher größte Standort wurde 2014 mit 105.000 Quadratmeter in Kiew eingeweiht und ging als „der weltgrößte Baumarkt“ in das Guinness-Buch der Rekorde ein. Die jüngste Neueröffnung erfolgte im März dieses Jahres wiederum in Kiew mit 56.000 Quadratmeter und einem 80.000 Artikel umfassenden Sortiment. Vorgehalten wird u. a. auch eine Jagd- und Angelabteilung sowie ein Möbelzentrum mit breitem Angebot. Obwohl in den östlichen Regionen vier Standorte wegen des Bürgerkrieges geschlossen werden mussten, ist der Umsatz im vergangenen Jahr laut Euromonitor nur leicht zurückgegangen. Nova Linia gilt als die erste Baumarktkette in der Ukraine. Der erste Markt ging 2001 in Kiew an den Start. Ab 2005 wurde landesweit expandiert. Heute ist die Vertriebslinie in zehn Regionen vertreten und beschäftigt 5.000 Mitarbeiter. 80 Prozent der Kunden sind Endverbraucher. Das Sortiment der Märkte umfasst im Durchschnitt 50.000 Artikel und wird in zehn Abteilungen angeboten: Baustoffe, Sanitär, Bodenbeläge/Fliesen, Holz, Werkzeuge, Elektro, Farben/Tapeten, Eisenwaren, Dekoration und Garten.

Wettbewerber weit abgeschlagen

Epicentr K und Nova Linia dominieren das Baumarktgeschäft in Kiew. Wie der Onlineinformationsdienst open4business.com.ua kürzlich berichtete, lag ihr Marktanteil nach Zahlen des ukrainischen Kartellamtes 2017 bei insgesamt 54,6 Prozent, weit abgeschlagen auf Platz folgte Leroy Merlin aus Frankreich mit 9,3 Prozent. In der Region Kiew erreichte die Gruppe einen Anteil 53,1%. Neben dem Marktführer mit seinen landesweit 59 Standorten sind lediglich zwei weitere Akteure – Oldi und Leroy Merlin – im ukrainischen DIY-Markt aktiv. Zusammen bringen sie es auf acht Standorte. Die 2004 gestartete einheimische Oldi-Kette betreibt aktuell vier Standorte in drei Städten (Kiew 2, Dnipro und Schytomyr) sowie einen Onlineshop. Ende 2017 zählte sie noch sechs Outlets. Das Flächenkonzept sieht zwei Formate vor: Großflächen mit 10.000 bis 14.000 Quadratmeter und Outlets mit 5.000 bis 7.000 Quadratmeter. Das Angebotsspektrum reicht von Bau- und Ausbauprodukten bis hin zu Geschirr und Freizeitartikeln. Neben dem Einzelhandel betätigt sich das Unternehmen auch als Baustoffgroßhändler vor allem im Bereich Bodenbeläge, wo es eigenen Angaben zufolge den dritten Platz belegt.

Leroy Merlin eröffnete seinen ersten Baumarkt in der Ukraine im Jahr 2010. Pläne für eine Expansion der Franzosen wurden bereits 2007 bekannt. Bis 2014 folgten zwei weitere Standorte in Kiew. Der Vierte wurde im September vergangenen Jahres im ehemaligen Praktiker-Standort eröffnet. Der Markt bietet auf einer Fläche von 8.200 Quadratmeter in 14 Abteilungen ein über 35.000 Artikel umfassendes Sortiment. Leroy Merlin ist der einzige westeuropäische Player im DIY-Segment in der Ukraine. Nach Informationen des ukrainischen Einzelhandelsverbands Ukrainian Retail Association (rau.ua) will Leroy Merlin künftig weiter expandieren, allerdings mit einem neuen, reduzierten Format. Darüber hinaus betreibt Leroy Merlin einen Onlineshop, ebenso wie alle übrigen Baumarktketten des Landes.

Neben der Ukraine bietet baumarktmanager auch Daten zu anderen DIY-Märkten. So finden Sie im Dossier "Länderreport 2017 " alles wichtige über die Absatzmärkte von Europa, Kanada und Russland.

Zum Länderreport

Deutsche Marken verschwunden

Obi hat die Ukraine im Februar 2014 verlassen und alle drei Baumärkte in Charkow, Mariupol und Odessa geschlossen. Der Rückzug sei nicht politisch motiviert gewesen. Vielmehr hätten der starke Wettbewerb auf dem ukrainischen Markt sowie innerbetriebliche Gründe zu dieser Entscheidung geführt, wird das Unternehmen auf den Nachrichtenseiten des Ostinstituts Wismar zitiert. Der Markteinstieg erfolgte 2008 als Joint Venture mit dem ukrainischen Milliardär Hennadij Boholjubow.

Die Marke Praktiker ist mit der Schließung des letzten Standortes in Kiew im April 2017 ebenso vom Markt verschwunden. Der Start erfolgte 2007. Nach mehreren Jahren gelang es lediglich, ein Netz mit vier Filialen zu realisieren. 2014 verkaufte Praktiker im Zuge der Insolvenz des Mutterkonzerns das Ukraine-Geschäft an die Kreston Guarantee Group, die die Marke weiterführte. Auch der neue Eigentümer, ein Finanzdienstleister, hat es nicht geschafft, das Filialnetz nennenswert auszubauen. Brancheninsider sehen für den Rückzug von Praktiker, wie der Onlineinformationsdienst allretail.ua berichtet, mehrere Gründe: Neben ungünstigen Lagen, zu hohen Preisen und dem falschen Konzept – das Sortiment entspräche nicht mehr dem eines Baumarktes – sei das Unternehmen durch die Krise in eine schwierige finanzielle Situation geraten. Die Baustoffpreise hätten sich 2016 fast verdoppelt, was zu einem Umsatzrückgang von 30 bis 40 Prozent führte.

Weiter Informationen zu Baumärkte finden Sie unter:

24.09.2018