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Stark wachsende Umsätze

Die Baumarktbranche in Ungarn profitiert von günstigen Rahmenbedingungen. Steigende Reallöhne und ein boomender Immobilienmarkt sorgten 2017 für stark wachsende Umsätze, was sich Analysten zufolge auch in diesem Jahr fortsetzen wird.

Praktiker Markt in Ungarn
Die Bau- und Gartenmärkte leiden unter dem generellen Arbeitskräftemangel im Einzelhandel.
Foto: bmm

Der ungarische Einzelhandel für Haus- und Gartenprodukte hat sich 2017 positiv entwickelt. Der Nettoumsatz wuchs um 11,5% auf 2,22 Mrd. USD (rund 1,91 Mrd. Euro), wie aus der jüngsten Studie „Home and Garden Specialist Retailers in Hungary“ des Marktforschungsunternehmens Euromonitor International hervorgeht. Als Wachstumsmotoren erwiesen sich eine verbesserte Marktstimmung, der sich erholende Immobilienmarkt und die bisher aufgeschobene Nachfrage nach Renovierungsmaßnahmen. Die Dynamik des Immobilienmarktes wirkte sich auch auf die Bereiche Bauen und Wohnen positiv aus, wobei die Haushaltswaren- und Möbelgeschäft mit einem Umsatzplus von 19,9% deutlich stärker davon profitierten als die Bau- und Gartenmärkte, die einen Zuwachs von 7,7% zu verbuchen hatten, mit 1,48 Mrd. USD aber rund doppelt so viel umsetzten wie die Einrichtungsspezialisten (739 Mio. USD).

Bis 2022 soll der Einzelhandelsumsatz mit Produkten für Haus und Garten um jährlich 2% zu konstanten Preisen von 2017 auf 673,7 Mrd. HUF (2,17 Mrd. Euro) steigen, nach einem Volumen von 606,6 Mrd. HUF (1,95 Mrd. Euro) im vergangenen Jahr. OBI führte den Markt 2017 mit einem Anteil von 12% an, gefolgt von Ikea (11%) und Praktiker (6%).

Nicht nur der Markt in Ungarn hat sich 2017 verändert, auch andere europäische Staaten zeigen eine ähnliche Entwicklung. Welche das sind, können Sie in unserem Länderreport nachlesen baumarktmanager-select.de

Positive Verbraucherstimmung

Die Stimmung der Verbraucher hat sich nach sieben mageren Jahren als Folge der Rezession von 2007/08 deutlich aufgehellt. So ist der private Konsum 2017 um 4,6% gestiegen. Die Nettolöhne legten deutlich zu: Allein von Januar bis August 2017 war ein Plus von 12,7% gegenüber dem Vorjahreszeitraum zu verzeichnen. Die Arbeitslosenquote erreichte im September 2017 ein Allzeittief von 4,1%. Zudem sollen noch in diesem Jahr die Sozialversicherungsbeiträge gesenkt werden. Die Verbraucher sind bereit, in ihr Heim zu investieren oder umzuziehen. Neben Renovierungen und kleineren Reparaturen wird auch verstärkt in neue Heizungsanlagen, Wärmedämmung und Solaranlagen investiert. Die Bau- und Gartenmärkte werden sowohl von der zeitverzögerten Nachfrage als auch der Umzugsbereitschaft der Verbraucher profitieren. Für dieses Jahr prognostiziert Euromonitor der Branche einen Umsatzzuwachs von 12,5%.

Als problematisch könnte sich allerdings der zunehmende Fachkräftemangel erweisen. Denn auch die Bau- und Gartenmärkte leiden unter dem generellen Arbeitskräftemangel im Einzelhandel und dem zunehmenden Druck auf die Gehälter. Am stärksten betroffen sind Arbeitsplätze in Lager, Logistik und im Verkauf. Ähnlich wie bei anderen Vertriebskanälen werde es laut Euromonitor immer schwieriger, Mitarbeiter zu rekrutieren und zu binden. Vor allem wenn es um fachkundige Beratung geht, ist professionelles Verkaufspersonal erforderlich, das aktiv den Vertrieb unterstützt und Wettbewerbsvorteile schafft. Um auf dem Arbeitsmarkt konkurrenzfähig zu bleiben, müssen höhere Gehälter gezahlt werden. Diese Mehrkosten ließen sich zwar über höhere Margen ausgleichen, was aber zulasten der Wettbewerbsfähigkeit ginge.

Onlinehandel wächst langsam

Der Anteil des Internethandels am Gesamtumsatz des Baumarkt- und Gartenfachhandels ist relativ gering. Die Branche werde auch in Zukunft hinter den Wachstumsraten des gesamten Onlinehandels zurückbleiben, prognostiziert Euromonitor. Die Logistik vor allem im Hinblick auf den Transport oftmals sperriger Produkte mache die Lieferung zu einem kostspieligen Unterfangen und schränke das Wachstumspotenzial ein. Darüber hinaus wollen die Kunden die Produkte sehen und anfassen oder sich vor der endgültigen Kaufentscheidung vom Fachpersonal beraten lassen. Trotz dieser Herausforderungen sind alle Baumarkt- und Gartenfachhändler bestrebt, eigene Webshops zu eröffnen, um ein größeres geografisches Gebiet zu erreichen und sich damit wichtige Wettbewerbsvorteile zu sichern. Der lang erwartete Start des Onlineshops von Ikea mit entsprechendem Lieferservice könnte die Wahrnehmung verändern und den Weg für den Onlinehandel zulasten des stationären Vertriebs ebnen.

Noch ist die Zahl der Onlineshop-Betreiber – darunter OBI, Praktiker und Bauhaus – relativ gering, doch laut Analysten werde sich das ändern, sobald Händler erfolgreich sind und so beweisen, dass der E-Commerce eine wichtige Ergänzung zum stationären Einzelhandel darstellt. Mit erweiterten Onlineangeboten ließe sich der ungarische Markt von bestehenden Verkaufsstellen aus abdecken, ohne dass weitere Investitionen für neue Standorte erforderlich wären.

Große Ketten gewinnen

Der Konzentrationsprozess hin zu den großen Filialisten setzt sich fort. Unabhängige Händler verzeichnen stagnierende oder nur marginal wachsende Umsätze, während die großen internationalen Baumarktketten zweistellige Zuwachsraten erzielen getragen durch professionelle Kommunikation und günstige Lagen. Künftig werden sich die Standorte noch stärker auf Budapest und andere Großstädte konzentrieren, wo die Kaufkraft und die verfügbaren Einkommen höher sind. Kleinere Geschäfte könnten laut Euromonitor überleben, indem sie sich auf bestimmte Warengruppen oder Kundensegmente, wie z. B. Profis, konzentrieren. Bei den drei großen Baumarktketten OBI, Praktiker und Bauhaus blieb die Zahl der Standorte Ende 2017 auf Vorjahresniveau. Sie betrieben 52 Filialen – davon allein 17 im Großraum Budapest – mit einer Gesamtverkaufsfläche von rund 392.000 qm. OBI stieg im Jahr 1994 in den ungarischen DIY-Markt ein. Ende vergangenen Jahres zählte der Marktführer 29 Märkte mit einer Gesamtverkaufsfläche von rund 204.000 qm. Expandiert wurde letztmals im Jahr 2015.

Die Nummer zwei im Markt ist Praktiker. Nach der Insolvenz des Mutterkonzerns wurde das Ungarn-Geschäft an die Wallis Investment Management verkauft, die 2016 entschied, die Marke Praktiker beizubehalten. Die letzte Neueröffnung erfolgte im Oktober 2016 in Budapest. Mit rund 12.000 qm ist er der größte Markt der Kette. Damit erhöhte sich die Zahl der Standorte auf 20 und die Gesamtverkaufsfläche wuchs auf rund 141.000 qm. 2016 war für Praktiker ein sehr erfolgreiches Jahr. Der Nettoumsatz stieg um mehr als 20% auf 39,2 Mrd. HUF (126 Mio. Euro), wie Geschäftsführer und Mitinhaber der Baumarktkette Karl-Heinz Keth auf der Jahrespressekonferenz im Juni 2017 mitteilte. Keth zeigte sich zuversichtlich, dass sich das dynamische Wachstum auch 2017 fortsetzen werde, denn Mitte des Jahres lag das Umsatzplus bei 25%. Bauhaus ist mit drei Standorten im Großraum Budapest (Szigetszentmiklós, Dunakeszi, Maglód) vertreten. Die Gesamtverkaufsfläche beläuft sich auf rund 46.000 qm. Die letzte Neueröffnung erfolgte im Jahr 2010. Alle drei Fachcentren bieten eine Drive-in-Arena, Nautic-Wassersportzubehör sowie ein Profidepot für Handwerker und Gewerbetreibende.

Die österreichische 3e AG ist seit 1999 in Ungarn aktiv. Der Fachhandelskooperation waren Ende 2017 insgesamt 45 Standort angeschlossen, elf davon haben die Dachmarke Let’s Do It übernommen, die den Mitgliedsbetrieben in Ungarn seit 2005 angeboten wird. Das Fachhandelskonzept für Werkzeugfachgeschäfte ist mit seinem breiten und tiefen Sortiment auf die Bedürfnisse von Konsumenten in Klein- und Mittelstädten ausgerichtet.

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22.06.2018