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Baumarkttest: Ladies Night im Gartencenter

Was für ein Stimmung während der Ladies Night im Gartencenter: Das Ambiente war grandios. Im Fokus stand das Selbermachen. Dennoch gab es Verbesserungspotenzial. Unsere Tester waren live dabei.

Die Ladies Night im Gartencenter Arnold war gut besucht und alle bastelten an ihren Weihnachtsgeschenken.
Die Ladies Night im Gartencenter Arnold war gut besucht.
Foto: Schulz

Bereits im Sommer 2019 stand das Programm für das zweite Halbjahr für die Ladies Night fest. Das Thema, dass sich unsere Testerin ausgesucht hatte war Weihnachten. Denn wer schon im Sommer an Weihnachten denkt, spart Geld, hat eine Menge Spaß und ein individuelles Adventsgesteck. Für sich daheim, für seinen Arbeitsplatz oder für (s)einen Lieblingsmenschen.

Kundenservice startet schon bei der Anmeldung

Im Flyer für die Anmeldung der Ladies Night von 19 bis 22 Uhr stand „Voranmeldung erforderlich“. Auf dem Programm stand ein zweitägiges Adventsbasteln, der Weihnachtsbaumverkauf, die „Lichternacht“ und die Schnäppchentage vor der Winterpause.

Zu Hause angekommen, sucht die Testerin auf der Website des Gartenmarktes nach den Aktionstagen, und da stand sie, die Ladies Night. Zuerst versuchte sie eine telefonische Anmeldung. Vergeblich. Freizeichen auf Freizeichen. Nächster Versuch war online über „click and sign in“. Auch damit keinen Erfolg.

Denn sooft sie auch auf den Termin klickt, es passierte nichts. Sie entschied sich für eine Mail: „Hiermit möchte ich meine Freundin und mich für die Ladies Night am 22. November anmelden. Mit der Bitte um Bestätigung.“ Ihre Kontaktdaten befanden sich in der Signatur. Eine automatische Bestätigungsmail gab es nicht. Auch folgte in den darauffolgenden Tagen keine Rückmeldung vom Gartenmarkt.

Diese Problematik teile unsere Testerin ihrer Freundin mit. Diese entschloss sich nochmal den telefonischen Weg zu gehen und siehe da, die Freundin hat Glück. Gleich beim ersten Versuch hat sie eine freundliche Mitarbeiterin am Telefon. Leider viel die Antwort weniger erfreulich aus: „Die Ladies Night ist ausgebucht. Aber wir können Sie auf die Warteliste setzen, wenn Sie wollen.“

Und wie sie wollten. Denn was muss das für eine Veranstaltung sein, die Ende November stattfindet und schon im Hochsommer ausgebucht ist. Doch in den kommenden Wochen bleibt es ruhig. Kein Lebenszeichen vom Floraland Arnold. An welchem Tag genau im Internet bei der Ladies Night der Passus „ausgebucht“ steht, können die Testerinnen nicht mehr sagen. Es sind aber Tage (eher Wochen) seit der Anmeldung ins Land gegangen.

Doch auf dem ausliegenden Flyer stand nichts von „ausgebucht“. Warum wurde die Ladys Night nun auch noch im Handzettel für den 14. bis 29. September 2019 beworben? Auch wenn in kleinerer Schriftgröße und Farbe dahinter stand, dass der Termin ausgebucht ist. Würde jetzt schon der Termin für 2020 feststehen, könnten Interessierte sich anmelden. Das wäre logisch und kundenorientiert – aber so...

Warten auf...

Je näher die Ladies Night rückt, desto ungeduldiger werden die Testerinnen. Mitte November rechnen sie nicht mehr mit einer Nachricht. Doch Wunder geschehen. Am 18. November ein Anruf vom Floraland Arnold. Sie können es kaum glauben. Die Mitarbeiterin erklärt, dass die Testerinnen jetzt nachrücken können, wenn sie noch wollen. Die vorsichtig gestellte Frage ist berechtigt, denn die Ladies Night ist bereits in vier Tagen, und es gibt gewiss – und das nicht nur in der Vorweihnachtszeit – an einem Freitagabend andere Ausgehmöglichkeiten. Doch sie wollen und sagen zu. Die Testerin bittet, um eine Bestätigung per Mail.

Weitere Baumarkttests zu Service, Online-Shop, Bedienung und Bezahlvorgängen in Baumärkten finden Sie in unserem Dossier „Baumarkttest“ im RM-Handelsmedien-Select-Shop.

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Als sie ihr Ziel erreicht hat, checkt sie den Posteingang, und siehe da, die zugesagte Mail ist bereits da: „...Sie hatten sich auf die Warteliste für unsere Ladies Night am Freitag, den 22.11., ab 19 Uhr gesetzt. Hiermit bestätigen wir Ihre Teilnahme für 2 Personen. Wir freuen uns, Sie dann am Freitag bei uns begrüßen zu dürfen. Bitte seien Sie etwas früher da, Einlass ist um 18.45 Uhr, von 19-22 Uhr ist dann unsere Ladies Night. Der zu zahlende Unkostenbeitrag von 15 Euro pro Person beinhaltet Getränke, Snack, Beratung und Anleitung sowie Kleinmaterialien. Weitere Kosten fallen für die gewählten Materialien und Dekoartikel an. Dann bis Freitag...“

Unkostenbeitrag? Davon war am Telefon keine Rede. Auch auf der Website, dem ausliegenden Flyer und dem Handzettel stand nichts davon. Was an sich kein Problem ist. Besonders dann nicht, wenn im Beitrag Material inkludiert ist. Aber dennoch gehört diese Information zur Aktionsbeschreibung. Und zwar von Anfang an. Die Freundin spekuliert: „...vielleicht wurden die, die abgesagt haben, ebenso von der Teilnahmegebühr überrascht. Aber uns soll das recht sein.“

Auf Los geht’s los

Das Gartencenter Arnold schließt um 18 Uhr. Doch als die Testerinnen kurz nach 18.30 Uhr auf den Parkplatz biegen, ist der schon gut belegt. Sie sind gespannt. Vor ihnen stehen gut dreißig Frauen. Der Großteil erinnert ans Christkind. Sie haben sich herausgeputzt. Das verspricht ein lustiger Abend zu werden. Auch die nach ihnen Kommenden haben nicht an weihnachtlichen Accessoires gespart. Und die meisten kennen sich. Sie hören „Hallo, auch wieder dabei“ und „Schön, euch zu sehen“.

Jetzt geht es los. Die Kasse öffnet. Die Frauen nennen ihren Namen und die Anzahl der Personen. Eine Mitarbeiterin hakt auf der Teilnahmeliste ab, die andere kassiert. Der Kassenbon wird überreicht. Die Testerinnen folgen dem Schwarm, der einem gackernden Hühnerhaufen gleicht. Am Eingang einer der Hallen werden sie freundlich und mit ihrem Wunschgetränk – zur Auswahl stehen Sekt mit und ohne Alkohol, Saft, Wasser und so weiter – in Empfang genommen. Auch hier kommt die Frage nach dem Namen. Ist das hier Fort Knox? Doch den Namen will die Mitarbeiterin nur wissen, damit sie den Frauen die richtige Tischnummer sagen und den Weg weisen kann.

Auf den sonst breiten Verkehrswegen in der Blumenhalle sind insgesamt zehn Tische für je zehn Personen arrangiert. Darauf stehen neben der Nummer noch Knabbereien, Kleinmaterialien und notwendiges Handwerkszeug wie Klebepistolen und Gartenscheren. Auch wenn der Startschuss noch nicht gefallen ist, die Stimmung ist bereits ausgelassen. Die steckt auch den größten Pessimisten an. Die für den Tisch zuständige Mitarbeiterin kommt. Sie stellt sich vor, erklärt wie der Abend abläuft und wünscht gutes Gelingen. Eine Begrüßung durch Inhaberin oder Vertretung erfolgt nicht. Doch ganz ehrlich: Das interessiert auch keine der Ladies, hätte aber Stil.

Es weihnachtet sehr

Die Testerinnen sind verunsichert. Durch diverse Ladies Nights in Baumärkten sind sie ein anderes Procedere gewöhnt und wohl auch verwöhnt. Verwöhnt in dem Sinne, dass es immer einen Fachberater oder Mitarbeiter gab, der zuerst über Grundlegendes und Theorie informierte. Erst danach hieß es für die Frauen: Zeigt, was ihr gelernt habt. Hier ist das anders. Es geht nur ums Selbermachen, Basteln, Herstellen eines weihnachtlichen Gestecks. Wiederholungstäterinnen kennen das. Manche sind gut ausgerüstet und haben Teller, Schalen, Körbe, Gläser und anderes von daheim mitgebracht.

Advendkranz ist nicht Advendkranz und jede konnte ihren ganz individuellen Kranz erstellen.
Advendkranz ist nicht Advendkranz und jede konnte ihren ganz individuellen Kranz erstellen.
Foto: Schulz

Ein Blick der Mitarbeiterin reicht, sie sieht die Unschlüssigkeit. Sie motiviert: „Denken Sie einfach drüber nach, was Sie auf Ihrem Tisch für ein Gesteck stehen haben wollen. Einen Kranz? Eine bepflanze Schale? Es gibt fast nichts an Zubehör, was wir nicht haben. Und wenn Sie partout keine Idee haben, dann gehen Sie doch erst einmal durch die Halle. Wir haben viele Adventsgestecke und anderes mehr im Angebot. Holen Sie sich Anregungen, und dann legen Sie los. Für Fragen bin ich da!“

Eine prima Idee, denn jede hat ihren eigenen Geschmack. Bei jeder sieht es daheim anders aus, und Adventskranz ist nicht gleich Adventskranz. Die Testerinnen schlendern durch die Ausstellung und schauen sich die Gestecke vor der Halle an. Schnell wissen sie, was sie wollen. Doch wie geht das noch gleich: einfach nehmen und loslegen?

Kreativ, kreativer...

Also noch einmal zurück zum Arbeitsplatz. Auf Nachfrage erklärt die Mitarbeiterin: „Das ist ganz einfach. Sie holen sich, was Sie brauchen. Preise stehen überall dran. Für jede Teilnehmerin liegt ein vorbereiteter Zettel auf dem Tisch. Hier schreiben Sie alles auf, oder ich mache das für Sie.“ Auf die Frage nach dem Zuviel antwortet sie lächelnd: „Kein Problem. Dann streichen wir es von der Liste. Das passiert. Viele wissen zwar, was Sie wollen und wie es aussehen soll, aber dann passt es nicht zusammen und Sie tauschen aus. Da hilft nur ausprobieren.“

Die Testerinnen sind beruhigt, tauschen sich aus und legen los. Sie sind zwar Anfängerinnen, aber hochmotiviert. Denn zum Selbermachen sind sie ja hier: Sie wollen in diesem Jahr keinen Adventskranz von der Stange. Sie wollen mit Gleichgesinnten kreieren, und das nicht unter Zeitdruck. Für gute Laune sorgen die Mitarbeiter. Die fürs Catering Zuständigen gehen von Tisch zu Tisch. Sie tragen mit dem Sekt zur entspannten Stimmung bei, denn neben dem Basteln geht es hier eindeutig um eine gute Zeit.

Doch bei allem Spaß kommt das Wissen nicht zu kurz. Wie geht das, einen Kranz selber binden? Was muss ich machen, dass er nicht aussieht wie ein aufgerissenes Sofakissen? Welches Nadelgehölz eignet sich am besten? Was ist besser: echte Blüten oder doch lieber künstliche? Wie wird der (Blumen-)Schmuck befestigt? Und wie funktioniert die Klebepistole? Fragen über Fragen prasseln auf die Mitarbeiter ein. Aber alle bleiben ruhig, erklären, zeigen und helfen, wo es notwendig ist. Die Mitarbeiter haben es nicht leicht. Doch sie lassen sich nicht aus der Ruhe bringen.

Auch bei den Testerinnen ist der Punkt schnell erreicht, an dem das, was sie ausgesucht haben, nicht harmoniert. Also wieder runter mit der Dekoration und noch einmal die Waren in der Halle betrachtet. Dabei lässt es sich prima mit den Augen klauen. Wer offen ist, wird inspiriert.

Fertig gebastelt

Gegen 20.45 Uhr haben die ersten Ladies fertig gebastelt. Sie packen ihre Gestecke in die auf jedem Tisch ausliegenden Säcke, schnappen sich ihren Verbrauchszettel und verabschieden sich. Doch davon lassen sich die noch bastelnden Ladies nicht stören. Nach gut zwei Stunden sind auch die Testerinnen mit ihrem Ergebnis zufrieden. Die Adventskränze sind individuell, gut gebunden – so die Mitarbeiterin – und sehen toll aus. Sie verpacken sie ordentlich, damit sie auf dem Transport keinen Schaden nehmen. Sie sagen „Tschüss“ zu den Ladies am Tisch und ihrer Helferin. Nicht ohne sich zu bedanken. Worauf die Mitarbeiterin sagt: „Eine schöne Adventszeit und bis zum nächsten Jahr.“ Recht hat sie. So ein selbst gebastelter Adventskranz ist was anderes.

Weitere Baumarkttests zu Service, Online-Shop, Bedienung und Bezahlvorgängen in Baumärkten finden Sie in unserem Dossier „Baumarkttest“ im RM-Handelsmedien-Select-Shop.

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Ab zur Kasse. Die Verabschiedung am Check-out ist trotz vorgerückter Stunde freundlich. Und so muss es doch noch eine Frage sein: „Warum gibt es nur zur Adventszeit eine Ladies Night? Es bieten sich doch auch andere Jahreszeiten und Themen an.“ Die Mitarbeiterin muss nicht überlegen und antwortet ad hoc: „Das ist richtig. Ostern wäre auch toll, aber da haben wir nicht die Kapazität. Erstens aus Platzgründen, und zweitens haben wir im Frühjahr viel mehr zu tun. Aber wir bieten andere Kurse an, nur dass die nicht speziell für Frauen sind.“

27.05.2020