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Women´s Night: Gute Vorbereitung ist alles

Wie es scheint, stand Goethe bei der Women’s Night Pate. Er wusste: „Es ist nicht genug zu wissen – man muss auch anwenden. Es ist nicht genug zu wollen – man muss auch tun.“ Mit einer ähnlichen Formulierung beschreibt Bauhaus seine Women´s Nights.

Der Heimwerkerinnen-Kurs bei Bauhaus in Rastatt war zu später Stunde gut besucht. Foto: Schulz
Der Heimwerkerinnen-Kurs bei Bauhaus in Rastatt war zu später Stunde gut besucht. Foto: Schulz
Foto: Schulz

Hauptaufgabe eines Heimwerkerkurses für Frauen ist, die vermittlung des Know-How zur Umsetzung ihrer Projekte. Doch wie ist diese spezielle Art der Wissensvermittlung umzusetzen? Sylvia Thiel, Kommunikationstrainerin, sagt: „Das Ziel von Veranstaltungen dieser Art ist aus meiner Sicht nicht die reine Wissensvermittlung. Die Anforderungen sind anders. Es muss Interesse für Produkte und Techniken der Handhabbarkeit geweckt werden, deren Umsetzung trainiert werden, Tipps und Tricks für den täglichen Gebrauch gegeben werden. Letztendlich sollen Kunden über diesen Weg an das Unternehmen gebunden werden. Aber dafür braucht es einen Trainer, der in der Lage ist, dieser besonderen Zielgruppe anschaulich, empfängergerecht und pragmatisch die Kompetenzen an die Hand zu geben. Und dies in einem Umfeld, welches vergessen lässt, dass es schon spät am Tage ist und eigentlich Erholung auf der Tagesordnung steht, sprich, es muss Spaß machen.“

Soweit die Theorie, kommen wir zur Praxis: Wie war es bei Bauhaus? Ging es um pure Wissensvermittlung? Konnte das Erlernte ausprobiert werden? War es eine reine Spaßveranstaltung? Oder gar eine (Hersteller-)Verkaufsveranstaltung? (Fett)

Unsere Testerinnen haben sich für eine „Women’s Night“ im Bauhaus in Rastatt angemeldet. Das funktionierte gut, die Homepage ist verständlich aufgebaut. Unter der Rubrik „Veranstaltungen“ klickt die Interessierte sich schnell zu ihrer Wunschfiliale durch. Bei der Women’s Night in Rastatt standen verschiedene Module zur Auswahl. Die Heimwerkerinnen in spe meldeten sich für „Automatische Bewässerung für den Garten installieren“ an. Für die Anmeldung reichte es, das Modul auszuwählen, Namen und E-Mail anzugeben. Sehr gut – unnötige Daten wurden erst gar nicht abgefragt. Die Bestätigung zur Veranstaltung kam ad hoc ins elektronische Postfach. In der E-Mail wurden der Veranstaltungsort, der Termin und das Thema aufgeführt. Ferner hieß es: „Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme und wünschen Ihnen viel Spaß und Erfolg bei der Umsetzung Ihrer Vorhaben. Sollten Sie Rückfragen zu der Veranstaltung haben, wenden Sie sich bitte an (...).“ So weit – so gut.

Vergangene Baumarkttests zu Service, Online-Shop, Bedienung und Bezahlvorgängen in Baumärkten finden Sie in unserem Dossier „Baumarkttest“ im RM-Handelsmedien-Select-Shop.

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Kurs wurde nicht mehr angezeigt

Zwei Tage vor dem Termin surften die Teilnehmerinnen in spe nochmals auf besagter Homepage, doch oh Schreck, die Veranstaltung in Rastatt war nicht mehr in der Übersicht. Was nun? Sie entschieden sich für den Anruf bei Bauhaus. Die Antwort: „Ach, das hat nichts zu bedeuten. Die Veranstaltung findet statt.“ Die Antwort war nicht wirklich professionell, und die Mitarbeiterin hörte sich auch nicht sehr glaubhaft an, aber vielleicht war sie einfach keine, die andere überzeugen und motivieren kann. Bleibt festzustellen, die Auffindbarkeit auf der Firmen-Website war einfach und bedienfreundlich. Die hier getroffenen Aussagen zu den verschiedenen Modulen waren nahezu vollständig. Nahezu – weil erstens das Thema am Abend der Veranstaltung mit „Micro-Drip-System für Balkon und Terrasse“ betitelt wurde und zweitens der Hinweis darauf fehlte, dass es sich bei der Veranstaltung um ein herstellergebundenes Seminar handelte. Auch soll nicht unerwähnt bleiben, dass die Veranstaltungen nach Ort unterschiedlich angepriesen werden. Bei dem einen Bauhaus werden alle Kurse einzeln aufgeführt, Frau entscheidet sich und meldet sich an. Bei Märkten an anderen Orten heißt es schlicht: „(...) verschiedene Workshops nur für Frauen“ oder „Löten, Tapezieren, Laminat-/Vinylverlegen (...)“. Warum gibt es kein einheitliches Prozedere? Warum ist der Informationsgehalt so unterschiedlich?

Die Women’s Night

Rechtzeitiges Erscheinen sichert die besten Plätze – eine altbekannte Weisheit. Gegen 19.30 Uhr fuhren die Testerinnen auf den Parkplatz, und siehe da, auch wenn sie auf der Straße ziemlich alleine waren, hier waren sie es nicht. Der Parkplatz war gut belegt. Alle Befürchtungen, in einem bereits geschlossenen Baumarkt gegenüber dem Personal in der Minderheit zu sein, lösten sich in Luft auf. Freundlich wurden die Teilnehmerinnen mit einer gefüllten Baumarkttasche in Empfang genommen. Dazu gab es eine Karte, die es auszufüllen galt, um an der Verlosung teilzunehmen. Danach wurden die Ankommenden zum Getränkestand (Prosecco, Apfelschorle, Wasser, Cola) dirigiert. Vis-à-vis vom Ausschank war eine Fläche freigeräumt und mit Biertischgarnituren bestückt. Dort war Platz für rund 150 Heimwerkerinnen. Donnerwetter!

Begrüßung und Rahmen

Kurz vor 20 Uhr konnten sich die Testerinnen noch ihren Platz aussuchen. Je näher der Zeiger zur Stunde rückte, umso voller wurde es. Wer hätte das gedacht. Kurz bevor der Hausherr die Teilnehmerinnen begrüßte, wurde es fast ein wenig eng. An manchen Tischen mussten die Heimwerkerinnen eng zusammenrücken. Auf die Frage des Hausherrn, wer schon an einer Women’s Night teilgenommen habe, gingen schätzungsweise bei der Hälfte der Anwesenden die Hände hoch. Aber das hatten die Testerinnen schon im Vorfeld gemerkt. Denn viele der Anwesenden begrüßten sich und schwatzten munter drauf los. Die Ansprache war einladend, und der Ablauf wurde erklärt. Danach sollten die Teilnehmerinnen ihre Station im Baumarkt aufsuchen. Der erste Kursteil sollte bis etwa 21.45 Uhr gehen. Dann folgte an alter Stelle eine Pause, währenddessen es eine Kleinigkeit zu essen gab und die Preise verlost wurden. Danach stand der praktische Teil an. Das Ende der Veranstaltung wurde für 23 Uhr angekündigt.

An der Themen-Station

Teilnehmerinnen an einer der Stationen: Um das angekündigte Thema ging es weniger, mehr um ein bestimmtes Produkt. Foto: Schulz
Teilnehmerinnen an einer der Stationen: Um das angekündigte Thema ging es weniger, mehr um ein bestimmtes Produkt.
Foto: Schulz

Teilnehmerinnen eine Biertischgarnitur aufgebaut. Schon auf den ersten Blick war klar, dass es sich um eine V(erkaufs)eranstaltung von Gardena handelte. Dagegen spricht zunächst nichts, nur warum wurde es so nicht – wie bei anderen Modulen – angekündigt? Was bei einigen Teilnehmerinnen nicht gut ankam, war allerdings, dass es um das „Micro-Drip-System“ und nicht um die Gartenbewässerung allgemein gehen sollte. Dem unverhohlenen Ärger ließen sie freien Lauf, sodass sich der „Kursleiter“ – offenbar ein Mitarbeiter von Gardena – dazu „gezwungen“ sah, zu versprechen, dass es auch noch darum gehen werde. Dem „Kursleiter“ stand ein Bauhaus-Mitarbeiter zur Seite, der sich als eigentlicher Experte entpuppte. Er hielt die Zügel fest in der Hand und wusste mehr über das Gardena-System als der externe Herstellervertreter – dieser Eindruck entstand jedenfalls bei den Testerinnen. Der Bauhaus-Mitarbeiter ermutigte die Teilnehmerinnen mit der Aussage: „Eigentlich ist es wie Lego – man kann nicht viel falsch machen.“

Die Vermittlung

Der Tisch, an dem die Teilnehmerinnen saßen, war über und über mit Zubehörteilen für das Bewässerungssystem belegt. Das war mehr unübersichtlich als hilfreich. Denn immer wenn die Heimwerkerinnen im praktischen Teil etwas suchten, nahmen sie mindestens zwei oder drei Teile in die Hand, bevor es das richtige war. Nichts geht über Übersichtlichkeit und einen aufgeräumten Arbeitsplatz. Der Gardena-„Kursleiter“ war offen, freundlich und den Teilnehmerinnen zugewandt, aber auf einige Fragen wusste er keine Antwort. In vielen Fällen konnte der Bauhaus-Mitarbeiter einspringen, aber nicht bei allen. Zum Beispiel wusste der Herstellervertreter nicht, was für Kosten entstehen, wenn Gardena die Planung der Bewässerungsanlage übernimmt. Eine schwache Kür. Denn erstens hat er selbst darauf hingewiesen und zweitens steht es auf der Homepage. Er pries auch an, dass für Interessierte die Planungsunterlagen zum Download auf der Website bereitstehen. Hier hätten sich die Testerinnen mehr Service gewünscht. Wobei es vollkommen ausreichend gewesen wäre, zum Abschluss ein Handout mitzugeben. Gute Werbung wäre es obendrein gewesen, denn auch wenn Gardena europaweit bekannt ist, es gibt auch andere Anbieter von Bewässerungssystemen. Fest steht, ein geschulter Fachtrainer (so steht es auf der Bauhaus-Website) war das nicht.

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Der Ablauf

Wie auch bei anderen Baumarkttests war die Teilnahme an der Women’s Night nur eine Momentaufnahme, aber auf die Besucherinnen hat sie gewirkt, und sie entscheidet darüber, ob weitere Kurse besucht oder empfohlen werden. Abgesehen von der Diskrepanz des angekündigten und realen Themas hätten sich die Testerinnen mehr Zeit zugunsten des praktischen Teils gewünscht. Zumal ohne das beherzte Eingreifen des Bauhaus-Mitarbeiters der ohnehin zu geringe Anteil noch knapper ausgefallen wäre. Dass eine Teilnehmerin zu vorgerückter Stunde ihre Sachen packte, aufstand und gehen wollte – der „Kursleiter“ hielt sie mit dem Versprechen, dass es am Ende ein Geschenk von ihm geben würde, zurück –, bestätigte die Testerinnen in ihrer Meinung. Der praktische Teil kam eindeutig zu kurz, und das Versprechen, auch die Gartenbewässerung zu erproben, wurde nur noch angerissen, denn mittlerweile war es nach 23 Uhr. Die Bemerkung des „Kursleiters“, nun sei „endlich Feierband“, war vollkommen daneben, denn es war seine Aufgabe, das notwendige Wissen im vorgegebenen Zeitrahmen zu vermitteln und Hilfe in der praktischen Umsetzung zu geben. Didaktisch hat der Referent noch einiges zu lernen.

Das Fazit

Da Praxis das Kriterium der Wahrheit ist, ist festzustellen, dass Handwerker-Kurse für Frauen den Nerv der Zeit treffen. Dass das angekündigte Thema auch das Thema des Abends sein muss, versteht sich von selbst. Für den von den Testerinnen besuchten Kurs gilt: Mehr Fachkompetenz und ein besseres Verhältnis von Theorie und Praxis ist wün-schenswert. Für die Nützlichkeit hätten sich die Teilnehmerinnen ein Handout zum Mitnehmen gewünscht. Für mehr Kundenbindung ist es empfehlenswert, die Teilnehmerinnen im Nachhinein zu kontaktieren. Mit einem kleinen Dank für die Teilnahme und drei kleinen Fragen, die gewiss nicht jede beantworten wird, können die Kurse nur verbessert werden: Was hat Ihnen besonders gefallen? Was weniger? Was würden Sie anders machen? Damit wäre auch das Albert Einstein angeblich zugeschriebene Zitat „Was nichts kostet, ist nichts wert“ ad absurdum geführt.

Der Baumarkttest stammt aus der Ausgabe 05.2019 von BaumarktManager. Abonnenten finden das ganze Heft als E-Paper hier.

15.08.2019