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BHB Kongress: Eklat zum Ende des ersten Kongresstages

Natürlich standen die Themen Digitalisierung, Transformation und Changemanagement im Fokus des gestrigen Kongresstages. Am Ende sorgte der Auftritt eines eigentlich für Unterhaltung sorgen sollenden Komödianten für Gesprächsstoff.

Dieter Schulz DIY Lifetime Award
Dieter Schulz: „Ich bin unglaublich stolz auf diesen Preis.“
Foto: Redaktion

Der neue Vorstandssprecher Dr. Ralf Bartsch erläuterte in seiner Begrüßung, wo die Branche steht. 1,8 Prozent Wachstum werden die Bau- und Heimwerkermärkte Deutschlands in diesem Jahr erwirtschaften, das entspricht der Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts. „Wir stehen im Wettbewerb mit dem reinen Onlinehandel. Unser USP sind die Beratung und die Präsentation der Ware. Wir müssen aber unser stationäres Profil deutlich schärfen und sichtbarer machen“, so Bartsch. Prof. Dr. Werner Reinartz vom Kölner Institut für Handelsforschung (IFH) erörtere in seinem Vortrag die Frage: Wem gehört der Kunde? Digitalisierung, Demographie und Wertewandel, vor diesen Herausforderungen stehe der gesamte Handel heute. Die Customer Journey beginne digital und es gebe verschiedene neue Quellen der Wertschöpfung. Der Kunde wolle jemandem gehören. „Schließlich gehört der Kunde demjenigen, der die Schnittstellen zum Kunden am effektivsten besetzt“, so Reinartz.

Klaus Peter Teipel machte wie gewohnt den Ritt durch die Branchenzahlen. 22,43 Milliarden Euro Umsatz werden die Bau- und Heimwerkermärkte in diesem Jahr erwirtschaften, ein Plus von 1,4 Prozent. Das Gartensortiment war in den letzten vier Jahren der Haupttreiber mit etwa sieben Prozent Wachstum. Amazon vereinnahmt für sich etwa 46 Prozent des gesamten Online-Umsatzes, davon 25 Prozent über seine Amazon Marketplaces. 3,7 Milliarden Euro werden in 2018 im DIY-Kernmarkt im E-Commerce umgesetzt, das entspricht einer Steigerung um elf Prozent. Die Wachstumskurve werde sich allerdings in den nächsten Jahren ein wenig abflachen, so Teipel. „Auf der stationären Verkaufsfläche muss die Chance ergriffen werden, die Projektkunden stärker in den Fokus zu rücken. Die Wachstumssegmente Smart Home und Sicherheitstechnik sollten hier berücksichtigt werden“, so Teipel.

Die Branche investiert in neue Flächenkonzepte, das hatte schon Dr. Ralf Bartsch festgestellt. Einen Beleg dafür lieferte Hans Joachim Kleinwächter, Geschäftsführer Category Management bei Toom Baumarkt. In Köln und in Frankfurt am Main hat die Handelskette erfolgreich PopUp Stores an den Start gebracht. Die Erkenntnisse, die Toom aus dem Betrieb dieses Formats zieht, seien sehr wertvoll. Die Stores sind vor allem gedacht um das Image der Marke Toom und die Bekanntheit zu steigern. Teipel: „Wir haben dort die Möglichkeit, eine moderne, urbane und profitable Zielgruppe zu erreichen und dabei neue Bedarfe zu wecken. Dabei liegt das Fokus ganz auf unserer Eigenmarke.“ Mario Wolters, bei der Firma Alexander Bürkle verantwortlich für E-Business, erklärte in seinem Vortrag den Transformationsprozess, den sein mittelständisches Unternehmen durchlaufen hat. Man stehe vor der Herausforderung, viel mehr Touchpoints analog wie digital, besetzen zu müssen. Insgesamt sei es wichtig, weg vom üblichen Konkurrenzdenken zu kommen, hin zu einem funktionierenden Netzwerk. Am Nachmittag fanden dann zwei Industrie-Sessions (HHG und IVG) statt sowie eine Handelssession, die allerdings unter Ausschluss der Öffentlichkeit nur den Händlern vorbehalten war. In der Industriesession des HHG gab es zwei interessante Vorträge, einmal über die Geschäftsentwicklung der Discounter und zum anderen zum Thema profitables Wachstum.

Im Plenum referierte Tobias Krüger über den Kulturwandel in der Otto Gruppe. Die digital Transformation finde auf vier Ebenen statt: Strategie, Prozesse, Technologische Infrastruktur sowie Mitarbeiter und Organisation. Genau in der letzten Ebene spielt der Kulturwandel hinein. „Dabei ist es wichtig einen partizipativen und offenen Prozess zu gestalten. Einen „One fits all“ - Ansatz kann es da nicht geben“, so Krüger.

Abschluss und Höhepunkt des ersten Kongresstages war dann die Verleihung des diesjährigen DIY Lifetime Awards an Dieter Schulz. Der Branchenpionier hatte seinen 1966 gegründeten Ein-Mann-Betrieb, damals noch als Händler, zu einer modernen und effizienten Farbenfabrik weiterentwickelt und konsequent ausgebaut. Laudator Erich Huwer würdigte die Lebensleistung von Dieter Schulz, der immer in der Lage gewesen sei, den entscheidenden Schritt vorauszudenken. Gutes Beispiel sei die Weiterentwicklung der wasserbasierten Anstrichmittel. Dieter Schulz bedankte sich bei seinem Team und bei seiner Frau Hertha, die ihm stets den Rücken freigehalten hätte.

Für reichlich Diskussionen sorgte am Ende noch der Auftritt eines Komödianten, der mit seinen „billigen Witzchen deutlich das Niveau der Veranstaltung“ verfehlte. Einige Kongressteilnehmer beurteilten die Vorstellung als peinlich.

06.12.2018