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Bodenbeläge: Darauf steht der Kunde

Seit jedes Material mit nahezu jedem Dekor kombinierbar ist, liegt das Hauptaugenmerk bei der Wahl des passenden Bodenbelags für die heimische Stube wieder mehr auf der technischen Seite. Hier sind die Unterschiede zwischen Parkett, Laminat und Vinyl nach wie vor groß, der Beratungsbedarf enorm.

Aus dem baumarktwissen 02/2018

Wenn es um die Renovierung der eigenen vier Wände geht, steht der Wunsch nach einem neuen Bodenbelag oft ganz oben auf der Wunschliste. Dazu trägt auch der Umstand bei, dass nahezu alle Belagsarten, seien es Echtholz-, Vinyl- oder auch Teppichböden mittlerweile in handlichen Dielenformaten zur Verfügung stehen, die das schwimmende Verlegen in Eigenregie erheblich vereinfachen. Das mag für viele Kunden auf den ersten Blick verführerisch erscheinen, birgt bei genauem Hinschauen aber auch einige Nachteile. Kennzeichen aller Klickdielen (bis auf die Vinylplanken, dazu später mehr) ist nämlich die mehr oder weniger große Aufbauhöhe von bis zu 14 mm. Alle Elemente bestehen im Grunde aus der Trägerschicht (in der Regel Hochdichte Faserplatte HDF), der Nutzschicht (da ist mittlerweile alles möglich) und einem unterseitigen Gegenzug. Letzterer verhindert ein Verziehen der Dielen, den sogenannten „Bananeneff ekt“, der dann auftritt, wenn man Holzwerkstoff platten nur einseitig beschichtet und so die raumklimatische Anpassung ebenfalls nur einseitig stattfinden kann. Dieser Aufbau birgt zwei Schwachpunkte: Die Aufbauhöhe kann dazu führen, dass die Türzargen und das Türblatt im betreff enden Raum um dieses Maß gekürzt werden müssen und zu den nicht ebenso ausgestatteten Nebenräumen höhenausgleichende Abschlussschienen montiert werden müssen. Zweiter Aspekt ist, dass die Trägerschicht aus HDF trotz aller Bemühungen der Hersteller wasserempfindlich bleibt und über die nicht versiegelten Fugen für Wasser auch jederzeit erreichbar bleibt. Das macht den Einsatz dieser Produkte im Bad unmöglich, im Rest der Räume bleiben sie zumindest empfindlich. Einzelne Produkte weisen einen mineralischen Kern auf und werden damit auch als tauglich für das heimische Badezimmer beworben. Das funktioniert aber nur dann, wenn der Kunde die Randfugen, also die umlaufenden 10 mm Luft zu den Wänden und Installationsobjekten wasserfest und dauerelastisch abdichtet. Die Alternative – ein vollflächiges Verkleben der Dielen auf dem Estrich – erfordert große Erfahrung, eine fachmännische Beurteilung des Untergrundes und ist deshalb nur sehr bedingt selbermachertauglich.

Das Mehrschichtparkett

Bei den Mehrschichtparketten sorgen überbreite Dielenformate für eine besonders großzügige Optik.
Bei den Mehrschichtparketten sorgen überbreite Dielenformate für eine besonders großzügige Optik.
Foto: HambergerFlooring

Urvater aller dielenförmigen Bodenbeläge ist das Mehrschicht- oder auch Fertigparkett. Drei Dinge sind nötig, damit es „Parkett“ heißen darf: Die Nutzschicht ist aus Echtholz, sie ist mindestens 2 mm dick und die Mindestaufbauhöhe liegt bei mindestens 10 mm. Die Trägerschicht besteht in der Regel aus quer zur Maserung der Nutzschicht laufenden Fichtenholzstäbchen, der Gegenzug ist ein 1-2 mm starkes Echtholzfurnier. Der mehrschichtige Aufbau sorgt dafür, dass die Dielen im Gegensatz zu Massivparkett weit weniger „arbeiten“, sich also bei raumklimatischen Veränderungen weniger verformen.

„Fertig“-Parkett heißt es aus mehrfachem Grund. Zum einen sind die Kanten schon fertig profiliert, so dass sie ohne weitere Bearbeitung ineinander geschoben (Nut & Feder) oder geklickt werden können. Zum anderen ist auch die Oberflächenbehandlung (Öl oder Lack) schon inklusive, eine komplette Nachbehandlung nach dem Verlegen, wie bei Massivholzböden oft üblich, entfällt. Mehrschichtparkett ist theoretisch abschleifbar, die üblichen Nutzschichtdicken zwischen 2,5 und 4 mm erlauben das ohne Probleme. Das ist, neben der natürlichen Haptik, auch der größte Vorteil gegenüber dem Hauptkonkurrenten Laminat.

Der Kunde benötigt die richtige Beratung im Bereich der Bodenbeläge. baumarktwissen hat sich auf dies spezialisiert und bietet dem Fachverkäufer das richtige Handbuch an. Neben ausführlichen Informationen, gibt es auch einen Fragekatalog zu jedem Kapitel. Damit können die Fachverkäufer ihr Wissen testen und beim nächsten Kundengespräch, mit dem richtigen Wissen, den Kunden bei der Auswahl des Bodenbelags unterstützen.

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Das Laminat

Laminatböden sind optisch nicht mehr von Holzböden zu unterscheiden, aber die Oberfläche ist härter und belastbarer.
Laminatböden sind optisch nicht mehr von Holzböden zu unterscheiden, aber die Oberfläche ist härter und belastbarer.
Foto: Logoclic

Laminat ist in den letzten 20 Jahren zu dem Renner unter den Bodenbelägen geworden, weil es der erste Belag war, dessen Elemente man leimlos ineinander klicken konnte und weil sich die Hersteller im Quadratmeterpreis immer mehr unterboten. Beim Laminat besteht die Nutzschicht nicht aus Echtholz, sondern aus einem in Melaminharz getränkten Dekorpapier. Das wiederum ist nach Herzenslust mit allerlei Motiven bedruckbar, das reicht von klassischen Holzarten (Buche, Eiche, Ahorn) über Steinbeläge bis hin zu Fantasie- und Designdekoren. Die allseits geschätzte hohe Oberflächenhärte und die große Strapazierfähigkeit sind dem Melaminharz und bei einigen wertigeren Produkten zusätzlich aufkaschierten Kraftpapieren geschuldet.

Um die Authentizität des oft als billiges Imitat geschmähten Laminats zu erhöhen, werden die hochwertigen Varianten mit einer umlaufenden oder zweiseitige Längsfase oder dem sogenannten Porensynchrondruck ausgeliefert. Bei letzterem entspricht die Oberflächenstruktur dem Motiv, das heißt, ein abgebildeter Ast im Holzdekor fühlt sich auch so grob wie ein Ast an.

Qualitätsmerkmale beim Laminat gibt es viele: Dazu zählen die Aufbauhöhe (7 mm sollten es mindestens sein), die Herstellungsart (High Pressure Laminate HPL oder Continuos Press Laminate CPL), die Passgenauigkeit der ineinander gesteckten Dielen (Fugenschluss), die Wiederholungsrate beim Dekor, die Art der Kopfkantenverriegelung (Federmechanismus) und nicht zuletzt auch die Druckqualität (Digitaldruck). Die Beanspruchungsklassen geben etwas über den Verwendungsbereich (2= Wohnen oder 3=Gewerbe) sowie die erwartete Belastung (1=mäßig bis 3=stark) Auskunft. Die niedrigste Beanspruchungsklasse ist demnach die 21 (Wohnen, geringe Belastung), die höchste 33 und 34 (Gewerbe, starke Belastung). In stark beanspruchten Räumen wie dem Hausflur kann durchaus ein 31er-Laminat eine Empfehlung sein, wenn es besonders langlebig sein soll.

Die Vinylböden

Vinylplanken bieten eine authentische Holzoptik, bieten dazu von allen Materialien den besten Gehkomfort.
Vinylplanken bieten eine authentische Holzoptik, bieten dazu von allen Materialien den besten Gehkomfort.
Foto: HambergerFlooring

Alte Bekannte im Bodenbelagsmarkt sind die Vinylböden. Dahinter stecken nur wenige Millimeter dicke Kunststoffbeläge, die seit vielen Jahrzehnten als Bahnenware (PVC) oder, etwas neuer, auch als Planken oder Dielen verkauft werden. Da der Begriff PVC negativ besetzt ist, ist die Industrie auf das Kürzel CV (cushioned vinyl = geschäumtes Vinyl) oder eben Vinylboden ausgewichen. Fairerweise muss man sagen, dass die früher im PVC enthaltenen problematischen Weichmacher mittlerweile aus den modernen Produkten verbannt sind, so dass man durchaus von einem Neustart der Produktgruppe sprechen kann.

Vinylböden haben eine Reihe von Vorteilen, die im Wohnbereich relevant sind. Sie bieten einen guten (weichen) Gehkomfort, mindern den Raum- und den Trittschall, sind wasserfest, sehr pflegeleicht und preiswert. Gegenüber den Laminat- und Echtholzdielen sind sie eher dünn, was das schon erwähnte Kürzen von Zarge und Tür in der Regelsig macht. Dazu bieten sie wie das Laminat eine nahezu unbegrenzte Dekorvielfalt, die vom klassischen Holzdielendesign über Unifarben bis zur marmorierten Oberfläche reichen.

Das Verlegen von Bahnenware, die bis zu 4 m breit sein kann, erfordert einige Übung. Hier ist vor allem das richtige Aufmaß des Raumes inklusive Heizungsnischen und Türdurchgänge und umlaufend 10 cm Verschnitt wichtig, damit keine unschönen Fugen und Nähte entstehen. Falls Bahnenstöße unvermeidlich sind, müssen sie wasserfest abgedichtet werden, wozu der Kunde Kaltschweißmittel und handwerkliches Geschick braucht.

Einfacher ist die Verlegung der CV- oder Vinylplanken, denn die werden wie andere Dielen einfach ineinander geklickt. Der Zuschnitt der Elemente kann ganz simpel mit einem Cutter erfolgen. Da alle CV- oder PVC-Beläge zu den thermoplastischen Werkstoffen gehören, passen sie sich mit der Zeit dem Untergrund haargenau an. Eine sorgfältige Untergrundvorbereitung wie etwa die Spachtelung mit Nivelliermassen sind daher dringend zu empfehlen. Aber Achtung: Die Vinyl- oder CV-Beläge sind nicht nur wasserfest, sondern wirken auch stark dampfbremsend, deshalb muss der Untergrund vor dem Verlegen absolut trocken sein, damit die Feuchte dort nicht zu Schäden führt.

Neben Parkett, Laminat und Vinyl, behandelt baumarktwissen auch Teppich- und Korkböden und Sockelleisten. Zusätzlich finden Sie wissenswertes zu Wand und Decke, Farben und Lacke als auch zu Malerzubehör.

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11.09.2018