zurück

Bundeskartellamt beschränkt Vertriebstätigkeiten von Sakret

Das Bundeskartellamt hat der Sakret Trockenbaustoffe Europa GmbH & Co. KG untersagt, weiterhin für ihre Gesellschafter und Unterlizenznehmer Vertriebsaufgaben beim Absatz von Trockenbaustoffen an Baumärkte und den Baustoffhandel zu übernehmen.

Sakret Europe logo
Foto: Sakret Europe

Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes, begründet die Entscheidung der Wettbewerbshüter: „Kleineren und mittleren Unternehmen eröffnet das deutsche Kartellrecht die Möglichkeit, im Rahmen eines Mittelstandskartells größenbedingte Nachteile gegenüber Großkonzernen auszugleichen. Im Falle von Sakret Europa erfolgte dies etwa durch einen gemeinsamen Markenauftritt und die Zentralisierung bestimmter Vertriebsfunktionen. Durch den Einstieg des Großkonzerns Knauf durch Übernahme mehrerer beteiligter Mittelständler hat der Verbund dann aber im Laufe der Zeit so hohe Marktanteile erreicht, dass eine weitere Duldung der bestehenden Strukturen durch das Bundeskartellamt nicht mehr möglich war. Eine kartellrechtskonforme Umgestaltung und Fortführung des deutschen Sakret Vertriebssystems ist aus unserer Sicht aber möglich und wäre auch zu begrüßen, um kleine und mittlere Anbieter weiterhin zu stärken.“

Knauf ist Kommanditist

Sakret Europa war vom Bundeskartellamt im Jahr 1982 als sogenanntes Mittelstandkartell anerkannt worden. Die US-amerikanische Inhaberin der Marke Sakret hat weltweit Lizenzen zur Nutzung der Marke an unabhängige Unternehmen erteilt. Lizenznehmerin für Deutschland und das übrige Europa ist Sakret Europa, die wiederum dem Großteil ihrer Kommanditisten sowie weiteren Unternehmen jeweils regionale Sakret-Unterlizenzen erteilt hat. Kommanditisten sind unter anderem vier mittelständische Baustoffhersteller sowie – über eine Tochtergesellschaft – das Großunternehmen Gebr. Knauf KG.

Preise für Baumärkte zentral verhandelt

In Deutschland umfasst das Sakret-Produktsortiment mehr als 500 Produkte in über 3.000 Produktvarianten für die Anwendungsbereiche Mauerwerk, Fassade, Innenwand/Decke, Boden oder Betonbau. Im Vertrieb an Baumärkte verhandelt die Sakret Europa zentral die Preise und Konditionen für ihre Gesellschafter. Im Verhältnis zum Baustofffachhandel verhandelt sie nur Rahmenkonditionen, während die Preise dezentral von den Unterlizenznehmern bestimmt werden. Im Rahmen ihrer Tätigkeit vereinheitlicht Sakret Europa damit das Marktverhalten ihrer Gesellschafter und Unterlizenznehmer.

Nach den Feststellungen des Bundeskartellamtes führt dies auf den betroffenen Baustoffmärkten zu einer spürbaren Wettbewerbsbeschränkung. Eine Freistellung kam aufgrund der gemeinsamen Marktanteile des Sakret -Verbundes sowie der Vereinheitlichung der Verkaufspreise von Gesellschaftern und Unterlizenznehmern beim Absatz der Produkte nicht infrage. Die übrigen satzungsgemäßen Aufgaben der Sakret Europa wie das markenbezogene Marketing oder die Lizenzverwaltung sind von der Untersagung nicht betroffen.

Sakret will sich organisatorisch neu aufstellen

„Wir kooperieren seit vielen Jahren mit den Kartellbehörden in Deutschland, um eine geeignete Lösung für die Zusammenarbeit in der Sakret-Gruppe zu finden. Wir unterstützen seit jeher den Wettbewerb, denn in diesem Wettbewerb können wir mit der Qualität unserer Produkte überzeugen. Um aber die Sakret-Gruppe in die Zukunft zu führen, wollen wir uns in den kommenden Wochen organisatorisch neu aufstellen“, kommentiert Peter Aping, Geschäftsführer der Sakret Europa die Entscheidung des Bundeskartellamtes. Die Neuaufstellung werde die Stärken der Marke weiter unterstützen.

Die Entscheidung des Bundeskartellamtes ist noch nicht rechtskräftig. Die Verfahrensbeteiligten haben die Möglichkeit, innerhalb eines Monats Beschwerde gegen die Entscheidung einzulegen, über die dann das Oberlandesgericht Düsseldorf entscheiden würde.

24.09.2019