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Deutliches Umsatzwachstum

Die slowakische Baumarktbranche kann auf zwei erfolgreiche Jahre zurückblicken, in denen ihre Umsätze, angetrieben vom boomenden ImmOBIlienmarkt, deutlich gestiegen sind. 2017 wurde die hohe Wachstumsrate des Vorjahres allerdings nicht mehr erreicht.

OBI übernahm damals 13 Filialen der Baumarktkette Baumax und damit viele Kunden gleich mit.
OBI übernahm damals 13 Filialen der Baumarktkette Baumax und damit viele Kunden gleich mit.
Foto: Obi

Die Betreiber von Bau- und Gartenmärkten profitierten 2016 in der Slowakei von günstigen Rahmenbedingungen. Durch die am Jahresanfang eingeführten Gesetzesänderungen können viele Hausbesitzer ihre ImmOBIlienkredite leichter zurückzahlen. Gepaart mit den beispiellos niedrigen Zinsen führte dies zu einer rasanten Entwicklung des slowakischen ImmOBIlienmarktes. Die hohe Zahl an Neubauten und der Verkauf zahlreicher neuer Wohnungen ließen den Bedarf an Heimwerkerprodukten, Haushaltswaren und Einrichtungsgegenständen steigen, was sich positiv auf den Handel für Haus- und Gartenprodukte auswirkte. Das maßgebliche Vertriebsformat in diesem Segment waren auch 2016 wieder die großflächigen Bau- und Gartenmärkte mit ihren speziellen Angeboten für Kleinunternehmer und Gewerbetreibende die wesentlichen Wachstumstreiber des Wohnungs­marktes.

Rund um die größeren Städte entstehen neue Siedlungen. Viele dieser ImmOBIlien sind für den Ausbau durch Selbermacher konzipiert, was auch weiterhin zum Umsatzwachstum der Bau- und Gartenmärkte beitragen wird. 2016 verzeichneten sie ein Plus von 9% auf 478 Mio. USD, während die Umsätze der Haushaltswarengeschäfte und Einrichtungshäuser lediglich um 3% auf 722 Mio. USD gestiegen sind, wie aus der jüngsten Studie „Home and Garden Spezialist Retailers Slovakia“ des Marktforschungsunternehmens ­Euromonitor International hervorgeht. Insgesamt setzte der Handel für Haus- und Gartenprodukte 1,201 Mrd. USD um und ­damit 5% mehr als im Vorjahr. Aufgrund der rückläufigen Kreditvergabe wird sich das starke Wachstum laut Euromonitor aber nicht wiederholen. Für 2017 gehen die Marktforscher von einem Plus von 4% auf 1,252 Mrd. USD aus. Der größte Zuwachs ist wiederum bei den Bau- und Gartenmärkten zu verzeichnen. Ihre Erlöse stiegen um 6% auf 508 Mio. USD und übertrafen erneut die Haushaltswaren- und Möbelgeschäfte, die wie im Vorjahr lediglich einen Zuwachs von 3% auf 745 Mio. USD erwirtschafteten.

Neben der Slowakei haben auch andere Länder veränderungen in der Baumarktbranche wahrgenommen. Welche das sind, können Sie in unserem Länderreport auf baumarktmanager-select.de nachlesen

OBI avanciert zum Marktführer

OBI ist im Rahmen seiner weiteren Expansion in Mittel- und Osteuropa in die Slowakei eingestiegen und übernahm nach Insolvenz der Baumax-Gruppe 13 der insgesamt 14 Filialen und hat sie mit einer Gesamtverkaufsfläche von rund 117.000 qm im Februar 2016 wiedereröffnet. Seit seinem Markteintritt profitiert das Unternehmen von der historisch starken Position von Baumax und der günstigen Lage der erworbenen Filialen, sodass der Kundenstamm des ehemaligen Konkurrenten gehalten werden konnte, obwohl die betreffenden Filialen während der Übergangsphase für einige Monate geschlossen waren. Durch die Übernahme wurde OBI 2016 sofort die Nummer eins im Handel für Haus- und Gartenprodukte und führte das Umsatzranking mit einem Anteil von 10% an. Damit lag das Unternehmen zwei Prozentpunkte über dem von Baumax zuletzt erwirtschafteten Wert. Im November 2015 stellte Baumax seine Aktivitäten in der Slowakei endgültig ein. Schon in den vorangegangenen elf Monaten wurden keine Werbemaßnahmen mehr durchgeführt, wodurch das Unternehmen einen erheblichen Teil seiner potenziellen Umsätze verlor.

Den zweiten Platz belegte Ikea mit einem Marktanteil von 8%. Das Unternehmen betreibe zwar nur eine einzige Filiale in Bratislava, doch sie sei äußerst beliebt und der Name Ikea sei laut Euromonitor inzwischen zum Synonym für Do It Yourself in der Slowakei geworden. Hornbach rangierte mit einem Anteil von ebenfalls 8% auf dem dritten Platz. Das Unternehmen profitiere, so die Analysten, von der Lage und Größe seiner Filialen sowie seiner breit gestreuten Werbekampagnen. Im Hinblick auf ihre Vertriebskonzepte setzen die führenden slowakischen Händler für Haus- und Gartenprodukte auf großflächige Outlets auf der grünen Wiese. Topmarken wie OBI und Hornbach konzentrieren sich vor allem auf Großstädte. Wettbewerb erwächst dem Vertriebskanal in erster Linie durch SB-Warenhäuser und in geringerem Maße durch den Onlinehandel, doch der Absatz bleibe, laut Euromonitor, marginal. Bis auf Bauhaus bieten alle großen Betreiber von Bau- und Gartenmärkten eigene Onlineshops an.

Bau- und Gartenmärkte in der Slowakei
Vertriebslinie Anzahl der Märkte 2017 Anzahl der Märkte 2016 Verkaufsfläche
in qm 2016
Mountfield 18 18 21.000
Bauhaus 1 1 24.000
Hornbach 3 3 46.000
Merkury Market 20 19 112.000
OBI 13 13 117.000
*Quelle: Unternehmenszahlen, eigene Berechnungen

Stabile Standortzahl

Die Zahl der Bau- und Gartenmärkte blieb in der Slowakei relativ konstant. Ende 2016 wurden 54 Standorte mit einer Gesamtverkaufsfläche von rund 320.000 qm betrieben und damit ein Markt mehr als im Vorjahr. Zwei Neueröffnungen stehen einer Marktschließung gegenüber. Expandiert haben der tschechische Spezialist für Gartentechnik Mountfield, der Ende 2016 mit 18 Filialen in der Slowakei vertreten war, sowie der aus Polen stammende Baumarktbetreiber Merkury Market, der eine neue Filiale in Hummene, einem Mittelzentrum im Osten der Slowakei, an den Start schickte und die Zahl seiner Outlets auf 19 erhöhte. Auch im vergangenen Jahr setzte das Unternehmen sein Expansionsprogramm fort und eröffnete Mitte Dezember einen Standort in Nove Zamky im Süden des Landes. Es war die einzige Neueröffnung in der slowakischen Baumarktbranche im Jahr 2017. Das dynamische Unternehmen bietet innerhalb seines rund 55.000 Artikel umfassenden Sortiments eine große Auswahl an Keramikfliesen, die u. a. auch aus Deutschland importiert werden.

Hornbach expandierte 2004 mit der Eröffnung seines ersten Standorts in der Hauptstadt Bratislava in die Slowakei. Durch weitere Neueröffnungen in Bratislava und Kosice wurde das Filialnetz des Bornheimer Unternehmens auf heute drei Märkte mit einer Gesamtverkaufsfläche von rund 46.000 qm erweitert. Bauhaus ist mit einem Fachcentrum in Bratislava vertreten, das auf 24.000 qm u. a. Drive-in-Arena, Nautic-Wassersportzubehör sowie ein Profi Depot für Handwerker und Gewerbetreibende bietet. Ein weiterer Akteur in der slowakischen DIY-Branche ist das österreichische Dienstleistungsunternehmen
3e AG, das den Markt seit dem Jahr 2000 vom tschechischen Brünn aus bearbeitet. Ende 2017 zählte die auf Hartwaren spezialisierte Fachhandelskooperation 17 angeschlossene Standorte. Hinzu kommen die Baustoffhandelskooperationen Soas, Stavmat und Baumarket sowie der Baustoffhandelsfilialist Prespor mit drei Standorten. Den Mitgliedsbetrieben von Soas gehörten Ende 2017 insgesamt 78 Standorte an und damit neun mehr als zwei Jahre zuvor. Auch beim Wettbewerber Stavmat nahm die Zahl der Outlets in diesem Zeitraum um zehn auf 36 zu, während sie bei Baumarket um 13 auf 23 schrumpfte.

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02.07.2018