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DIY-Markt Österreich: Erneut auf ­Wachstumskurs

Der österreichische DIY-Handel verzeichnete 2017 erneut ein Umsatzwachstum. Überdurchschnittlich schnitten dabei die Lagerhäuser ab. Die Gesamtzahl der Märkte blieb trotz einiger Neueröffnungen praktisch konstant. Hier ein Überblick.

Eingang des Obi Baumarkts
Seit 2015 rangiert Obi im Hinblick auf die Verkaufsfläche unverändert auf Platz Nummer 1.
Foto: bmm

Nach dem eher schwachen Jahr 2015 – der Umsatz stieg um 0,7 Prozent – konnte der österreichische Baumarkthandel in den vergangenen beiden Jahren deutlich zulegen. 2016 stieg der Gesamtbruttoumsatz um 2,4 Prozent, 2017 war ein Plus von 2,6 Prozent auf 2,53 Milliarden Euro zu verzeichnen. Der flächenbereinigte Zuwachs lag bei 0,7 Prozent (2016: +3,9 Prozent). Dies geht aus Zahlen des Handelsverbandes Heimwerken, Bauen und Garten (BHB) hervor. Die höchsten Umsätze erzielten die Betreiber mit Bauchemie/Baumaterial (360,5 Millionen Euro), Sanitär/Heizung (221,0 Millionen Euro) und Gartenausstattung (168,9 Millionen Euro), gefolgt von Haushaltswaren (164,4 Millionen Euro) und Werkzeuge/Maschinen (159,1 Millionen Euro). In rund drei Viertel der 22 Sortimentsbereiche sind die Umsätze gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Überdurchschnittliche Zuwächse wurden mit Automotive (+8,7 Prozent), Gartenausstattung (+5,5 Prozent), Holz (+5,4 Prozent) und Bau­chemie/Baumaterial (+4,7 Prozent) erzielt. Deutlich zurückgegangen sind die Erlöse hingegen in der Warengruppe Wohnen/Dekoration (-7,0 Prozent) und bei Möbeln (-4,8 Prozent). Für dieses Jahr erwartet der BHB auch nach Ablauf des ersten Halbjahres ein Umsatzwachstum in der Größenordnung von 2 Prozent, ebenso auf bereinigter Fläche.

Konstante Standortzahl

Ende 2017 zählten die Top-7-Baumarktbetreiber in Österreich praktisch unverändert zum Vorjahr 581 Märkte mit einer Gesamtverkaufsfläche von rund 1,56 Millionen Quadratmetern. Im Hinblick auf die Standortzahl liegen die zwei einheimischen Unternehmen mit einem Anteil von 71 Prozent klar vorne, während die Unternehmen aus Deutschland bei der Verkaufsfläche (73 Prozent) dominieren. 2015 avancierte Obi zur Nummer Eins in der Alpenrepublik. Durch die Übernahme von 49 der 65 Filialen des in finanzielle Turbulenzen geratenen ehemaligen Marktführers Baumax hat das Unternehmen sein Vertriebsnetz auf 80 Standorte mehr als verdoppelt. Ende 2017 wurden noch 79 Outlets betrieben.

Die Top-7-Baumärkte in Österreich 2017
Anzahl der Märkte Verkaufsfläche (qm)
OBI 79 526.000
Lagerhaus (AFS/RWA) 353 352.500
Bauhaus 21 250.000
Hornbach 14 168.600
Hagebau 46 163.000*
Bauprofi (DFH) 61 60.000
Hellweg 7 36.000
Gesamt 581 1.556.100
Quelle: Unternehmenzhalen *Schätzung


Die Marke Obi ist seit 1995 in Österreich präsent. Damals schlossen sich etliche Betreiber der ehemaligen Bauwelt-Heimwerkermärkte mit ihren rund 35 Standorten als Franchisenehmer der Obi-Systemzentrale an. Mit ihren parallel betriebenen Baustoffhandlungen waren sie weiterhin Mitglieder der Baustoffhandelskooperation Bauwelt Interbaustoff Bau- und Wohnbedarf Vertriebsgesellschaft, die nun Ende Dezember 2017 aufgelöst wurde und alle Aktivitäten auf die BEZ – Baustoff-Einkaufszentrale übertragen hat, die wiederum zum 1. Januar dieses Jahres von der Eurobaustoff übernommen wurde, deren Gesellschafter vereinzelt auch Standorte in Österreich betreiben.

Deutlich über dem Markt

Besonders erfolgreich verlief das vergangene Jahr für die Raiffeisen Ware Austria (RWA). Sie steigerte den Außenumsatz im Bau- und Gartenmarktgeschäft ihrer angeschlossenen Lagerhaus-Märkte um 5,1 Prozent auf 642 Millionen Euro. Damit entwickelten sich die Lagerhäuser deutlich besser als der Markt. An der RWA hält die Baywa eine Beteiligung von 50 Prozent. Betreut werden die Standorte vom Franchisegeber AFS. Ende des Jahres wurden 353 Märkte dieses Typs mit einer Gesamtverkaufsfläche von 352.500 Quadratmetern betrieben, was einem Plus von 25.000 Quadratmetern entspricht. Im Oktober vergangenen Jahres wurde in Schladming der bisher größte Lagerhaus Bau- und Gartenmarkt eröffnet. Auf einer Gesamtverkaufsfläche von 4.000 Quadratmetern einschließlich 1.000 Quadratmeter Gartencenter werden 42.000 Artikel aus den Bereichen Bauen, Garten, Haushalt, Landwirtschaft und Werkzeuge, aber auch Unterhaltungselektronik präsentiert.

Neben Österreich, nahm baumarktmanager auch andere nationalen DIY-Märkte unter die Lupe.  Alle Daten dazu finden Sie im Dossier „Länderreport 2017“.

Das im Juni 2016 gestartete Pilotprojekt mit zwei Lagerhaus-Standorten in der Wiener Innenstadt (372 und 589 Quadratmeter) wurde nach zwei Jahren beendet. Das auf den urbanen Raum ausgerichtete Vertriebsmodell sei bei den Kunden zwar angekommen, doch sie hätten sich ein umfangreicher gestaltetes Produkt- und Serviceangebot gewünscht, wird das Unternehmen auf der ORF-Webseite zitiert. Seit Juni dieses Jahres kauft die RWA gemeinsam mit der deutschen ZG Raiffeisen über die neu gegründete Haus und Garten Deutschland Handelskooperation (HGD) ein, an der beide Unternehmen zu 50 Prozent beteiligt sind. Das Einkaufsvolumen für rund 1.000 kleinflächige Haus- und Gartenmärkte liegt bei rund 500 Millionen Euro.

Bauhaus eröffnete Mitte Dezember 2017 in Völs bei Innsbruck ein neues Fachcentrum mit einer Gesamtverkaufsfläche von mehr als 10.000 Quadratmetern einschließlich Gartencenter und Drive-in. Das Projekt, in das 30 Millionen Euro flossen, wurde in zehn Monaten realisiert. Es ist Teil der „Cyta Shoppingwelt“, dem größten Einkaufszentrum in Tirol. Bei der Neueröffnung handelt es sich um einen Ersatz­standort, sodass die Zahl der Märkte mit 21 konstant gegenüber dem Vorjahr geblieben ist. Bauhaus ist seit über 45 Jahren im Nachbarland vertreten. Der erste Standort wurde bereits 1972 eingeweiht.

Die Vertriebslinie Bauprofi zählte Ende 2017 insgesamt 61 Standorte mit einer Gesamtverkaufsfläche von 60.000 Quadratmetern, die einen Außenumsatz von über 200 Millionen Euro erwirtschafteten. Hinter der Vertriebsmarke steht die von der NBB und Quester 2004 gegründete Dienstleistungs- und Vertriebssysteme für den Handel GmbH (DFH). Die NBB-Gruppe ist in Deutschland unter anderem mit dem Franchiseformat Bauspezi (132 Standorte) vertreten. Quester ist ein österreichischer Baustoffhändler mit derzeit 24 Filialen. Mit City Baumarkt bietet die DFH ein weiteres Betriebssystem für den österreichischen DIY-Handel. 2015 ging in Wien das erste Outlet mit einer Fläche von 900 Quadratmetern an den Start. Im Zuge der Neueröffnung hieß es, weitere Innenstadtmärkte seien in Planung, doch bislang ist es bei diesem einen Markt geblieben.

Neuer Hellweg in Oberösterreich

Hellweg ist in Österreich mit sieben Standorten vertreten, zwei davon in der steirischen Landeshauptstadt Graz sowie vier in Oberösterreich und einer im angrenzenden Land Salzburg. Die Gesamtverkaufsfläche beziffert das Unternehmen auf 36.000 Quadratmeter. Im vergangenen Dezember eröffnete in Kirchdorf an der Krems eine neue Hellweg-Filiale mit einer Gesamtverkaufsfläche von rund 6.000 Quadratmetern. Auf die Gartenabteilung mit Kalthalle entfallen davon rund 1.500 Quadratmeter. Die Neueröffnung ersetzt die Filiale in der Nachbargemeinde Micheldorf.

Let´s Do It Schild der 3e AG.
Let´s Do It ist in Österreich die Fachmarkt-Vertriebsschiene der 3e AG.
Foto: bmm

Die 3e AG ist in Österreich mit den Fachmarkt-Vertriebsschienen Let’s Do It (54 Standorte), Let’s Do It Holzprofi (7) und Bad & Co (12 Sanitärfachmärkte von Installateurbetrieben) vertreten. Das Vertriebskonzept Toolpark wurde im vergangenen Jahr aufgegeben und die sechs verbliebenen Standorte auf Let’s Do It umgestellt. Zusammen mit dem weiteren Vertriebstyp E-Norm (Fachmärkte für Gewerbebetriebe) und knapp 90 Nahversorgern im Hartwarenbereich erzielte die Kooperation, die auch in Mittel- und Osteuropa tätig ist, im vergangenen Jahr in Österreich mit 142 Mitgliedern einen Außenumsatz von 416 Millionen Euro, was einem Plus von 1,5 Prozent zum Vorjahr entspricht. 3e hat mit der Farb-Union eine strategische Partnerschaft geschlossen und zum 1. Juli dieses Jahres die Geschäftsführung des Verbandes mit seinen 18 angeschlossenen Farbenfachhändlern übernommen.

Das Fachmagazin BaumarktManager liefert jedes Monat neue Daten zu den nationalen und internationalen DIY-Märkten. Zusätzlich testet BaumarktManager einzelne Ketten auf Herz und Nieren in seinen Baumarkttest. Die Artikel finden Sie einzeln auf RM-Handelsmedien-Select-Shop oder Sie testen das Magazin als Mini-Abo.

13.01.2019