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Frankreichs Baumärkte zeigen stabiles Wachstum

Die Baumärkte in Frankreich haben 2017 die im Vorjahr eingeleitete Trendwende beim Umsatz fortgesetzt. Am stärksten profitierte der Baustoffhandel, während sich die Erlöse der Baumärkte unterdurchschnittlich entwickelten.

Kingfisher war 2017 in Frankreich mit 102 Castorama-Märkten am Start.
Kingfisher war 2017 in Frankreich mit 102 Castorama-Märkten am Start.
Foto: Castorama

Die Baumärkte in Frankreich haben 2017 die im Vorjahr eingeleitete Trendwende beim Umsatz fortgesetzt. Am stärksten profitierte der Baustoffhandel, während sich die Erlöse der Baumärkte unterdurchschnittlich entwickelten.

Der französische DIY-Markt ist 2017 weiter gewachsen. Der Gesamtumsatz stieg um 1,9 Prozent auf 26 Milliarden Euro und setzte damit die im Vorjahr eingeleitete Erholung (+1,9 Prozent) weiter fort, nach einem schwachen Jahr 2015 (+0,6 Prozent). Dies geht aus dem Jahresrückblick der Branchenverbände Unibal (Hersteller) und FMB (Handel) hervor. Demnach profitierte die Branche von günstigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sowie einer weiteren Erholung des Immobilienmarktes. Der erfolgreichste stationäre Vertriebskanal im französischen DIY-Markt war 2017 der Baustoffhandel, der das Jahr mit einem überdurchschnittlichen Umsatzzuwachs abschließen konnte. So legten die Erlöse im Endverbrauchergeschäft um 3,4 Prozent auf 3,87 Milliarden Euro zu. Der Marktanteil lag davon unberührt wie im Vorjahr bei 15 Prozent.

Neben Frankreich, nahm baumarktmanager auch andere nationalen DIY-Märkte unter die Lupe.  Alle Daten dazu finden Sie im Dossier „Länderreport 2017“.

Unterdurchschnittlich schnitten dagegen die Bau- und Heimwerkermärkte ab, die nach wie vor über drei Viertel des französischen DIY-Marktes dominieren. Trotz eines Flächenrückgangs wuchs ihr Gesamtumsatz aber noch um 1,1 Prozent auf 19,87 Milliarden Euro. Der Marktanteil lag unverändert zum Vorjahr bei 77 Prozent. Bei den Super- und Verbrauchermärkten war noch ein leichtes Umsatzplus von 0,5 Prozent auf 572 Millionen Euro zu verzeichnen, was einem Marktanteil von 2 Prozent entspricht, während der traditionelle Handel (kleine Baumärkte mit weniger als 300 Quadratmetern Verkaufsfläche, Drogerien und Eisenwarengeschäfte) bei Umsatz (742 Millionen Euro) und Marktanteil (3 Prozent) auf Vorjahresniveau blieb. Die E-Commerce-Erlöse sind besonders stark gewachsen (+20 Prozent). Allerdings ist der Anteil am DIY-Geschäft noch recht schwach und beläuft sich Schätzungen zufolge auf lediglich 3 Prozent des Gesamtmarktes (ohne Onlineverkäufe der Baumärkte).

Baustoffe stärkstes Segment

Mit Blick auf die Warengruppen wurde das größte Umsatzvolumen 2017 mit Baustoffen generiert (14 Prozent des Gesamtumsatzes), gefolgt von Sanitär/Bad/Küche (13 Prozent), Garten (12 Prozent) und Farben/Drogerie/Klebstoffe (10 Prozent). Jeweils 9 Prozent entfielen auf Holz sowie auf Wand- und Bodenbeläge, noch vor Werkzeugen (8 Prozent), Dekoration (7 Prozent), Eisenwaren (6 Prozent) und Heizung/Klima (5 Prozent), das mit einem Umsatzplus von 9,6 Prozent am stärksten gewachsen ist. Wetterschwankungen begünstigten den Absatz von Brennstoffen, Klimaanlagen und Ventilatoren. Ebenfalls zugenommen haben die Erlöse bei Wand- und Bodenbelägen (3,4 Prozent), Holz (3,1 Prozent), Sanitär/Bad/Küche (3 Prozent) und Baustoffen (2,9 Prozent). Bei den stark wetterabhängigen Gartenartikeln (+2,3 Prozent) war vor allem das Pool-Segment (+23 Prozent) stark gefragt. Trotz des Rückgangs bei Elektro (-2,6 Prozent) – 2015 war der Bereich durch die Einführung der Rauchmelderpflicht stark gewachsen (+9 Prozent) – sind die Umsätze mit Alarmanlagen und Videoüberwachung gestiegen (+18 Prozent). Ebenfalls unter Druck gerieten die Segmente Farben/Drogerie/Klebstoffe (-2,4 Prozent) sowie Dekoration (-0,7 Prozent).

Die Baumärkte setzten 2017 laut Unibal/FMB-Studie 19,87 Milliarden Euro um, wobei 41 Prozent allein auf die Adeo-Gruppe entfielen, die ihren Marktanteil um einen Prozentpunkt erhöhen konnte. Der Zuwachs geht auf die positive Entwicklung ihrer Vertriebslinie Leroy Merlin zurück, die einen Marktanteil von 34 Prozent erreichte und damit ihre Top-Position weiter ausbauen konnte. Unverändert blieben die Anteile der zwei weiteren Adeo-Formate: Die Nahversorgermärkte Weldom kamen auf 4 Prozent und die baustofforientierten Bricoman-Filialen auf 3 Prozent. Die Nummer zwei, Kingfisher, hielt mit einem Anteil von 31 Prozent trotz Umsatzeinbußen zwar das Vorjahresniveau, verliere aber an Terrain, so die Verbände. Die Erlöse des britischen Konzerns sanken laut Geschäftsbericht um 3 Prozent auf 4,4 Milliarden GBP. Die Hard-DIY-Vertriebslinie Brico Dépôt büßte mit einem Rückgang um 4,2 Prozent auf 1,98 Milliarden GBP deutlich mehr ein als Castorama, das ein Minus von 1,9 Prozent auf 2,41 Milliarden GBP verzeichnete.

Bricorama-Übernahme perfekt

Die Top fünf in Frankreich
Unternehmen/Vertriebslinie Anzahl der
Märkte 2017
Marktanteile2017
Adeo
Leroy Merlin
Weldom
Bricoman
382
137
208
37
41%
34%
4%
3%
Kingfisher France
Castorama
Brico Dépôt 
223
102
121
31%
17%
14%
Mr. Bricolage-Gruppe
Mr. Bricolage
Briconautes +
angeschlossene Händler 
674
309
103
262
9%
7%
2%
Bricorama 159 3%
Quelle: Unternehmenszahlen, Unibal/FMB

Die drittgrößte Gruppe, Les Mousquetaires, behauptete ihren Marktanteil bei 10 Prozent. Über ihre Tochterfirma ITM Équipement de la Maison, die die Baumarktvertriebslinien Bricomarché und Brico Cash betreibt, hat die Kooperation Anfang Januar 2018 Bricorama übernommen, das den Verbandszahlen zufolge 2017 einen Markanteil von 3 Prozent erreichte. Der Erwerb umfasst 159 Bricorama-Märkte in Frankreich, elf in Spanien sowie ein Einkaufsbüro in Asien. Nicht von der Übernahme betroffen sind die Standorte in Belgien (41) und den Niederlanden (34), die Bricorama als Franchisenehmer der niederländischen Intergamma betreibt. In Frankreich erwirtschaftete Bricorama eigenen Angaben zufolge 2017 einen Umsatz von 466,9 Millionen Euro, was einem Rückgang von 1,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Die Marke wird auch in Zukunft weitergeführt werden, denn das Einzugsgebiet der Märkte, das vor allem auf Städte mit mehr als 50.000 Einwohnern ausgerichtet ist, überschneide sich kaum mit den eher an der Peripherie und in ländlichen Gebieten angesiedelten Bricomarché- und Brico-Cash-Standorten, so das Unternehmen.

Insgesamt ging die Zahl der Märkte bei den fünf größten Betreibern im vergangenen Jahr zurück.
Insgesamt ging die Zahl der Märkte bei den fünf größten Betreibern im vergangenen Jahr zurück.
Foto: bmm

Klarer Verlierer war die Mr.-Bricolage-Gruppe, deren Marktanteil um einen Punkt auf 9 Prozent schrumpfte. Der Bruttoumsatz ging 2017 laut Geschäftsbericht für die 755 Baumärkte im In- und Ausland um 2,7 Prozent auf 2,04 Milliarden Euro zurück. In Frankreich lagen die Erlöse deutlich unter Vorjahr. Die 309 Mr. Bricolage erwirtschafteten mit 1,15 Milliarden Euro (-4,7 Prozent), Les Briconautes erreichte mit 103 Standorten 221 Millionen Euro (-5,5 Prozent). Der Umsatz der angeschlossenen Händler (262) rutschte um 17,2 Prozent auf 211 Millionen Euro ab. Der größte Einbruch ergab sich im Onlinegeschäft mit einem Rückgang um 57 Prozent auf 4 Millionen Euro. Die übrigen Baumarktbetreiber – Brico Leclerc, Cofaq sowie die Samse-Gruppe – konnten sich mit einem Marktanteil von jeweils 2 Prozent behaupten.

Die Gesamtzahl der Baumärkte der fünf größten Betreiber ging 2017 in Frankreich Unternehmenszahlen zufolge um 27 auf 1.943 zurück. Besonders stark waren die Einbußen bei der Mr.-Bricolage-Gruppe, die 36 Standorte weniger zählte als ein Jahr zuvor: Die Vertriebslinie Mr. Bricolage verlor 20 und Briconautes 13 Standorte. Die Zahl der angeschlossenen Händler sank um drei. Bei Marktführer Adeo stieg die Zahl der Märkte um zehn auf 382. Während die im Franchise geführte Weldom-Linie zwölf Outlets gewann, stieg die Zahl der Leroy-Merlin-Filialen um zwei. Bricoman zählte vier Standorte weniger als im Vorjahr. Les Mousquetaires gewannen zwei Standorte. Ein Abgang bei Bricomarché steht dabei drei Zugängen beim Hard-DIY-Format Brico Cash gegenüber. Auf Expansionskurs war Kingfisher mit zwei Brico-Dépôt mehr als im Vorjahr. Bei Bricorama ging die Zahl der Märkte um fünf zurück.

Neben einer rückläufigen Gesamtverkaufsfläche sei 2017 auch ein Trend hin zu kleineren Formaten erkennbar, so die Verbände. Die Betreiber setzten zunehmend auf Nahversorgerkonzepte und Innenstadtlagen. Leroy Merlin weihte im Juni dieses Jahres am Place de La Madeleine in Paris seinen vierten City-Markt ein, der auf einer Verkaufsfläche von 5.000 Qua­dratmetern auf drei Etagen 30.000 Artikel vorhält. Auch mit Weldom ist Adeo seit März 2017 im Pariser Zentrum mit einem Standort vertreten. Ist dieses Pilotprojekt erfolgreich, sollen bis 2022 weitere 25 bis 30 Outlets in Paris und weiteren Metropolen eröffnet werden. Ein neuer Akteur ist seit Ende 2017 mit Toolstation am Markt. Der Multichannel-Händler der britischen Travis Perkins Group startete im Großraum Lyon mit drei stationären Filialen und einem Logistikzentrum. Bis Mitte Juli hat sich die Zahl der Vertriebsniederlassungen bereits verdoppelt.

Das Fachmagazin baumarktmanager liefert jedes Monat neue Daten zu den nationalen und internationalen DIY-Märkten. Zusätzlich testet baumarktmanager einzelne Ketten auf Herz und Nieren in seinen Baumarkttest. Die Artikel finden Sie einzeln auf baumarktmanager-select oder Sie testen das Magazin als Mini-Abo.

27.11.2018