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Gebremster Wachstumstrend in Rumänien

Der rumänische DIY-Markt ist 2017 wie schon in den Vorjahren stark gewachsen. Doch die zukünftige Entwicklung wird moderater ausfallen. Durch die Übernahme von Praktiker rückte Kingfisher nur vier Jahre nach seinem Markteintritt auf Platz zwei vor.

Der britische Kingfisher-Konzern ist seit 2013 mit seinen Brico-Märkten vertreten.
Der britische Kingfisher-Konzern ist seit 2013 mit seinen Brico-Märkten vertreten.
Foto: BMM

Die Umsätze stiegen um 8,4 Prozent auf 12,6 Milliarden Rumänische Leu (RON; rund 2,7 Milliarden Euro). Dies geht aus der Studie „DIY Retail in Romania 2017“ des Marktforschungsunternehmens PMR hervor, der die Einzelhandelsumsätze von Baumärkten und ihrer Wettbewerber in den Bereichen Home Improvement, Renovierung, Garten und Dekoration zugrunde liegen. Profitiert hat die Branche vom florierenden Immobilienmarkt und der durch starke Lohnzuwächse und Senkung der Mehrwertsteuer gestiegenen Kaufkraft der Verbraucher. Doch das hohe Wachstumstempo der vergangenen Jahre – der Markt legte auch 2015 und 2016 im Schnitt um 8 Prozent zu – soll sich verlangsamen. Zwischen 2018 und 2023 wird der durchschnittliche jährliche Zuwachs nach Prognosen von PMR auf 5,5 Prozent zurückgehen.

Dominiert wird der rumänische DIY-Markt von Einzelhandelsketten, die in den zurückliegenden Jahren deutlich gewachsen sind und inzwischen mehr als die Hälfte des Absatzvolumens der Branche ausmachen. In den kommenden Jahren werden sie ihren Anteil laut PMR weiter ausbauen. Zu den führenden Baumarktketten in Rumänien zählen die beiden inländischen Unternehmen Dedeman und Arabesque sowie drei Akteure aus dem Ausland: Brico Dépôt, Leroy Merlin und Hornbach. Sie erwirtschafteten 2017 den Analysten zufolge rund 44 Prozent des gesamten DIY-Umsatzes.

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Marktführer setzt auf Expansion

Dedeman, seit 1992 im Baumarktgeschäft, ist der unangefochtene Marktführer in Rumänien. Sein Umsatz wuchs 2017 um 20,7 Prozent auf 6,3 Milliarden RON (1,4 Milliarden Euro), nach einem Plus von 20,5 Prozent im Vorjahr. Nach vier Neueröffnungen, darunter ein Ersatzstandort, hat das Unternehmen zum Jahresende 48 Outlets mit Flächen von 7.500 bis 18.000 Quadratmetern und einem mehr als 45.000 Artikel umfassenden Sortiment betrieben. Im vergangenen September ging ein Standort in Pantelimon mit 14.500 Quadratmetern an den Start. Es ist der sechste in der Hauptstadt. Auch in den kommenden Jahren könnte Dedeman Marktführer in Sachen Expansion bleiben. Zwar ist das Ziel von 50 Filialen fast erreicht, doch der Betreiber, mit derzeit vier Märkten im Bau, denkt über die Einführung eines kleineren Flächenformats für eine Expansion außerhalb der Ballungszentren nach.

Arabesque, der größte Baustoffhändler des Landes, hat seine Filialen vor einigen Jahren auch für Endverbraucher geöffnet. Der erste reine Einzelhandelsstandort unter Arabesque-Flagge wurde 2016 in Pitesti mit einer Verkaufsfläche von 9.000 Quadratmetern eingeweiht. Im März 2017 ging dann die neue Einzelhandelsmarke Mathaus an den Start. Der erste Markt bietet in Iasi auf 9.000 Quadratmetern Innen- und 14.000 Quadratmetern Freifläche über 25.000 Artikel. Ende 2017 zählte Arabesque 22 Standorte, davon zwei Mathaus-Märkte. Der komplette Onlineauftritt einschließlich Onlineshop wurde im vergangenen Jahr einem Rebranding unterzogen und firmiert jetzt unter Mathaus. Bis Ende November 2018 stieg die Zahl der Standorte auf 29, sieben davon sind Mathaus-Märkte.

Kingfisher neue Nummer zwei

Trotz kräftiger Expansion musste Arabesque den zweiten Platz an Kingfisher abgeben. Der britische Konzern, der 2013 mit der Übernahme von Bricostore in Rumänien Fuß fasste und die Märkte in Brico Dépôt umwandelte, erwarb im November 2017 26 Praktiker-Standorte und führte sie zunächst unter dem bewährten Logo weiter. Im vergangenen Herbst, drei Standorte wurden inzwischen geschlossen, hat Kingfisher angekündigt, die Märkte auf das Brico-Dépôt-Format umzuwandeln, was in der ersten Hälfte dieses Jahres abgeschlossen sein soll. In ihrem Geschäftsbericht 2017/18 (31. Januar) weist die Gruppe für Rumänien 38 Märkte mit einer Gesamtverkaufsfläche von 273.000 Quadratmetern aus. Die bestehenden 15 Brico Dépôt erwirtschafteten den Angaben zufolge ein flächenbereinigtes Umsatzplus von 6,3 Prozent. Der Gewinn belief sich auf 3 Millionen GBP. Brico Dépôt plant einen Onlineshop und will in die Diversifizierung der Vertriebskanäle investieren. Bei Praktiker steht den Kunden bereits Click & Collect zur Verfügung.

Die französische Adeo-Gruppe ist seit 2011 mit der Eröffnung ihres ersten Leroy Merlin im Bukarester Einkaufszentrum Colosseum in Rumänien vertreten. Mit 17.000 Quadratmetern ist er einer der größten Baumärkte des Landes. Ende 2017 zählte das Unternehmen nach einer Neueröffnung in Oradea 16 Standorte mit einer Gesamtverkaufsfläche von 196.000 Quadratmetern. Im vergangenen Juni wurde ein zweiter Standort in Craiova in einem ehemaligen Baumax eingeweiht, für kommendes Frühjahr ist eine Neueröffnung in Bukarest angekündigt. Die Zahl der Filialen soll sich bis 2025 auf 35 mehr als verdoppeln. Allein in Bukarest, wo derzeit drei Outlets betrieben werden, sieht Landesgeschäftsführer Frédéric Lamy Potenzial für zehn Märkte. Die Digitalisierung soll ebenfalls vorangetrieben werden. 2019 will man ein Click & Collect-Angebot testen und 2020 dann den Onlineshop an den Start schicken.

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Hornbach startet E-Commerce

Hornbach ist seit 2007 in Rumänien aktiv. Mit der letzten Neueröffnung in Sibiu 2015 erhöhte das Bornheimer Unternehmer die Zahl der Niederlassungen auf sechs
Hornbach ist seit 2007 in Rumänien aktiv. Mit der letzten Neueröffnung in Sibiu 2015 erhöhte das Bornheimer Unternehmer die Zahl der Niederlassungen auf sechs
Foto: BMM

Hornbach ist seit Sommer 2007 in Rumänien aktiv. Mit der Neueröffnung in Sibiu (12.000 Quadratmeter) im Oktober 2015 ­erhöhte das Bornheimer Unternehmen die Zahl der Niederlassungen auf sechs. Die Gesamtverkaufsfläche beläuft sich auf 86.000 Quadratmeter. Für dieses Jahr stehen Neueröffnungen in Cluj-Napoca und in Bukarest auf dem Expansionsplan. Im Januar 2018 wurde der Onlineshop mit einem zunächst 27.000 Artikel umfassenden Sortiment in Betrieb genommen, das bis November auf über 40.000 erweitert wurde, was rund 65 Prozent des stationären Angebots entspricht. Mehr als 2.000 Produkte sind ausschließlich online erhältlich. Aufgrund des veränderten Verbraucherverhaltens geht Hornbach davon aus, dass dieser Anteil deutlich zunehmen und in zwei Jahren bei über 30.000 Artikeln liegen wird.

Weitere Player im DIY-Markt sind die beiden rumänischen Betreiber Vasion mit aktuell 21 Märkten und Ambient mit neun sowie Tekzen aus der Türkei, der mit zwei Filialen in Bukarest vertreten ist. Die französische Vertriebslinie Mr. Bricolage ist vom Markt verschwunden. Die letzten beiden Outlets hat Arabesque übernommen und dort seine ersten Mathaus-Filialen eröffnet. Der ehemalige Praktiker-Eigentümer Omer Susli, der die Kette nach der Konzernpleite erwarb, startete im vergangenen November unter der Marke Homelux eine Vertriebslinie für Möbel, Deko und Haushaltsgeräte nebst Onlineshop. Die ersten Neueröffnungen erfolgten in ehemaligen Praktiker-Märkten in Ploiesti und Focsani. In fünf Jahren sollen 20 Outlets betrieben werden.

Die Top Player in Rumänien Anzahl der Märkte 2017 Anzahl der Märkte 2018
Dedemann 48 49
Praktiker (Kingfisher 26 23
Leroy Merlin (Adeo) 16 17
Brico Dépot (Kingfisher) 15 15
Hornbach 6 6
Quelle: Unternehmenszahlen

Größtes Plus bei Elektrowerkzeugen

Die Entwicklung der Warengruppen hat das Marktforschungsunternehmen Euromonitor International für seine Studie „Home Improvement in Romania“ unter die Lupe genommen. Den Erhebungen zufolge sind die Home-Improvement-Umsätze 2017 um 7,2 Prozent auf insgesamt 2,88 Milliarden RON (610 Millionen Euro) gestiegen. Die höchsten Umsätze wurden mit Bodenbelägen (889 Millionen RON), Farben (413 Millionen RON), Elektrowerkzeugen (396 Millionen RON) und Wandbelägen (371 Millionen RON) erwirtschaftet, gefolgt von Bad/Sanitär (294 Millionen RON) und Eisenwaren (172 Millionen RON). Die deutlichsten Umsatzzuwächse waren bei Elektrowerkzeugen (10,4 Prozent), Bad/Sanitär (9,8 Prozent), Handwerkzeugen (7,4 Prozent), Eisenwaren (6,8 Prozent) und Farben (6,7 Prozent) zu verzeichnen. Am schwächsten entwickelten sich die Erlöse im Bereich Dekoration (4,5 Prozent). Der Anteil der Eigenmarken der Händler nimmt weiter zu.

17.06.2019