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Hand- und Elektrowerkzeuge: Neues bei Technik und Handling

Der Werkzeugsektor ist in seiner Vielfalt ein forderndes Thema, für den strategischen Einkauf wie auch für die Mitarbeiter in der Beratung. Zahlreiche Hersteller-Neuheiten wollen kommuniziert werden, gleichzeitig wächst der Beratungsbedarf der Kunden.

Werkzeuge
Viele Handelsunternehmen setzen bei Handwerkezugen auf Eigenmarken
Foto: Mau

Die wirtschaftlichen Rahmendaten sehen gut aus für den Werkzeugmarkt: Das Statistische Bundesamt meldet 2,6 Prozent mehr genehmigte Wohnungen im ersten Halbjahr. Laut GfK Finanzmarktforschung sind in den drei Vorjahren die Ausgaben für Renovierungen sogar um rund ein Viertel gestiegen. Interessant ist vor allem, dass immer mehr Verbraucher zur Finanzierung der Renovierungsarbeiten auf einen Kredit zurückgreifen.

Auch Renovierungen und Modernisierungen „im Bestand“ fördern weiterhin die Nachfrage nach Werkzeug und Maschinen. Freilich ist die Bautätigkeit bei Einfamilienhäusern nicht so rege wie bei großen Wohneinheiten. Höhere Umsätze konnten in diesem Jahr bisher auch die Handwerke für den privaten Bedarf erzielen. Daraus resultiert ein steigender Bedarf an Werkzeug und Maschinen. Entsprechend attraktiv bleibt die Zielgruppe der Handwerksprofis weiterhin für die Branche.

Bau und Hobby

Etwas anders sieht die Nachfrage im Hobbybereich aus: „Heimwerken verliert als Freizeitbeschäftigung der Deutschen an Beliebtheit,“ so jedenfalls der Befund des Freizeit-Monitor 2015 der BAT-Stiftung für Zukunftsfragen. Demnach ist das Selbermachen für nur noch zwölf Prozent der Befragten eine regelmäßige Freizeitaktivität, der sie mindestens einmal pro Woche nachgehen. Das sind drei Prozentpunkte weniger als noch 2010. Dagegen zählt Gartenarbeit zu den Gewinnern im Fünf-Jahres-Vergleich. Der Anteil der Menschen, die das Gärtnern als regelmäßige Freizeitbeschäftigung nennen, ist seit 2010 um sechs Prozentpunkte auf 30 Prozent gestiegen.

Natürlich steht das klassische Heimwerken in Konkurrenz zu anderen Freizeitaktivitäten, vor allem der zunehmenden Internetnutzung. Dabei kann die Begeisterung für Outdoor-Themen auch die Werkzeug-Nachfrage beflügeln: Gerade die neue Generation leistungsstarker Akkugeräte bietet sich bei der Errichtung von Terrassen, Palisaden und Außenanlagen besonders an.

„Maker-Movement“

Es wird also weiter geschraubt, gebohrt und gesägt in deutschen Haushalten, und international gesehen sprechen Marktforscher gar von einem neuen „Maker-Movement“. Gemeint ist allgemein das Bedürfnis „Dinge zu erschaffen und darüber zu berichten.“ Eigene Ideen und Projekte wollten die Kunden möglichst individuell und professionell verwirklichen. Dabei stehe heute nicht mehr der Besitz, sondern der Zugang zu Profi-Tools und Know-how im Vordergrund, so die Einschätzung von Mark Sievers, Partner der Beratungsgesellschaft KPMG. Diesen Wertewandel sieht Sievers durchaus nicht negativ für den Baumarkthandel: „Meines Erachtens eröffnet dies gute Chancen für Baumärkte, mit neuen Angebots- und Servicekonzepten wie Abonnements, Miet- und Sharingsystemen zu punkten.“

„Handelstreue“ Hersteller

Eine Kurzstudie des ECC Köln beleuchtet, in welchen Branchen das größte Online-Vertriebspotenzial für Hersteller liegt, und wie wichtig eine friedliche Koexistenz mit den Handelspartnern ist. Der Befund: Während Modemarken bereits in hohem Maße auf den Direktvertrieb an Endkunden setzen, ist der “Reifegrad“ dieses Vertriebskanals in den Sortimentsbereichen Heimwerken und Garten besonders gering. Gleichzeitig sei das Online-Potenzial hier besonders hoch. Das lässt die Deutung zu, dass auch für die Hersteller von Heimwerker-Werkzeug einiges mehr an Direktvertrieb zum Endkunden möglich wäre. Immerhin verzeichneten die Hersteller insgesamt ein durchschnittliches Online-Wachstum von rund 28 Prozent jährlich. Immer mehr Hersteller suchen den direkten Kontakt zum Kunden, so der ECC. Dabei gehe es nicht allein um Zusatzumsätze: Der Online-Kanal eigne sich hervorragend zur Imagebildung und Markenprofilierung.

Allerdings kann der Baumarkthandel auf eine gefestigte Position im vertikalen Absatz höherwertiger, erklärungsbedürftiger Produkte setzen. Dazu pflegt er nicht umsonst oft langjährige, vertrauensvolle Beziehungen zu den Markenherstellern. Immerhin zeigen solche Erhebungen, dass auch lang bewährte Partnerschaften keine Selbstverständlichkeit sind. Sie sollten beiderseits gepflegt und kooperativ fortentwickelt werden.

Zu einer solchen Partnerschaft könnte auch gehören, sich noch mehr auf klassische Tugenden des Fachhandels zu besinnen im Sinne von Orientierung geben, beraten, erklären. Ein typisches Beispiel: Verbraucher, die heute auf der Suche nach einer Schlagbohrmaschine oder einem Akkuschrauber sind, vergleichen immer häufiger Anbieter und Preise im Internet. Bei Idealo und andere Plattformen stehen dann Geräte für 30 Euro einträglich neben solchen für den zehnfachen Preis. Rein optisch ist kein großer Unterschied auszumachen, elektronische Funktionen gibt’s da wie dort, und selbst die Leistungsaufnahme könnte ähnlich sein. Das verwirrt die Kunden. Sie wollen durchaus ein wertiges, aber kein überteuertes Gerät.

Qualität kommunizieren

Hier kann eine fundierte Beratung äußerst hilfreich sein. Eine, die klarmacht, dass Schrauber nicht gleich Schrauber ist. Dass allein in der Material- und Verarbeitungsqualität Welten liegen können zwischen zwei Maschinen. Dass minderwertige Halterungen für Bohrer oder Sägeblatt die Freude an der neuen Maschine schon in kürzester Zeit zunichte machen können, und vieles mehr. Wenige Minuten Beratung können hier der Kundin oder dem Kunden wertvolle Orientierung geben. Dabei ist es nicht entscheidend, ob diese im Markt oder im Online-Chat stattfindet. Kurz gesagt: Qualität zu kommunizieren, ist einer der wertvollsten Dienste, die der Handel seinen Anbietern leisten kann.

Profis und versierte Anwender generell entwickeln nämlich oft eine enge, langjährige Markenbindung, wenn sie „ihre“ Maschine in der Praxis überzeugt hat. Gleichzeitig weisen Elektrowerkzeuge eine hohe Taktrate an Innovationen auf, die dem Sortiment Attraktivität verleihen. So auch bei den Akkugeräten: Auf breiter Front setzen sich hier derzeit bürstenlose Motoren durch. Sie verbessern die Handlichkeit und ebenso das Leistungsspektrum und die Dauer der Arbeitszyklen bei den Kabellosen nochmals deutlich.

Auch beim begleitenden Service legen manche Hersteller nochmals nach. Ab sofort bietet zum Beispiel Bosch drei Jahre Garantie statt den bisher üblichen 2 Jahren auf alle grünen Heimwerker Elektrowerkzeuge und Messwerkzeuge. Voraussetzung dafür ist eine Registrierung auf dem Kundenportal MyBosch, wo das Garantiezertifikat dann heruntergeladen werden kann. Auch Einhell führte diese erweiterte Garantie nach einer Registrierung für seine Serie „Red“ an.

23.11.2017