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Leichte Zuwächse in Italien

Die italienische DIY-Branche hat 2018 ein leichtes Umsatzplus verbucht, lag aber deutlich unter der Entwicklung des Vorjahres. Die Zahl der Märkte hat nach einer moderaten Steigerung erstmals wieder das Niveau von 2010 erreicht.

Das Vertriebsnetz des Marktführers Leroy Merlin blieb auf Vorjahresniveau.
Das Vertriebsnetz des Marktführers Leroy Merlin blieb auf Vorjahresniveau.
Foto: BaumarktManager

Der DIY-Markt in Italien ist 2018 um 0,7 Prozent auf 4,65 Milliarden Euro gewachsen und hat damit die Dynamik des Vorjahres verloren, das mit einem Plus von 3,9 Prozent abgeschlossen wurde. Dies geht aus dem Konsumbarometer Osservatorio 2019 von Findomestic, einer Tochter der Bankengruppe BNP Paribas, hervor. Darin enthalten sind nur Umsätze mit Warengruppen, die der normalen Instandhaltung, nicht aber der Wertsteigerung dienen. Ebenso unberücksichtigt bleiben Erlöse von gewerblichen Kunden. Als Wachstumstreiber erwies sich in erster Linie die gestiegene Nachfrage nach Werkzeugen und Produkten für Haus und Garten (+2 Prozent). Die Zahl der Baumärkte ist 2018 um 18 auf 742 gestiegen und hat damit das Niveau von 2010 wieder erreicht. Die Gesamtverkaufsfläche nahm nach Erhebungen von „Bricomagazine“ um 3,2 Prozent auf rund 2,1 Millionen Quadratmeter zu.

Mit in die Berechnung eingeflossen sind drei Showrooms des Marktführers Leroy Merlin, von denen zwei im vergangenen Jahr in San Giovanni Teatino und Udine eröffnet wurden. Der erste ging 2016 in Corsico (Mailand) an den Start. Ansonsten blieb das Vertriebsnetz des seit 1996 in Italien vertretenen Betreibers mit 48 Baumärkten auf dem Niveau von 2016. Der Großteil (31) befindet sich im Norden des Landes.

Neben Leroy Merlin ist die französische Adeo-Gruppe mit zwei weiteren Vertriebslinien – Bricoman und Bricocenter – in Italien aktiv. Das Filialnetz des 2008 gestarteten Hard-DIY-Formats Bricoman wurde im vergangenen Jahr um drei Standorte auf 21 erweitert. Bricocenter zählte nach einer Neueröffnung und zwei Schließungen 64 Outlets. Das Konzept entspricht dem der Konzernvertriebslinie Aki in Spanien, die inzwischen aufgegeben und auf Leroy Merlin umgeflaggt wurde.

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Auch Bricocenter, der ältesten DIY-Marke Italiens, könnte dieses Schicksal drohen. Dafür spricht der eingeleitete Konvergenzprozess, nach dessen Abschluss rund 90 Prozent des Sortiments übereinstimmen werden. Als weiteres Indiz wertet die Branche die Ernennung von Frédéric Capdeville zum neuen CEO von Bricocenter. Er kommt aus Spanien, wo er Aki während des Zusammenschlusses mit Leroy Merlin führte. Mit seinen drei Baumarktvertriebslinien betrieb Adeo in Italien, ohne die Leroy-Merlin-Showrooms, die sich eher am Sortiment von Möbelhäusern orientieren, insgesamt 133 Standorte mit rund 723.000 Quadratmetern. Das entspricht 40 Prozent der Gesamtverkaufsfläche der Top 10, aber nur 21 Prozent der Märkte. Nach im vergangenen November bekannt gegebenen Zahlen stieg der Umsatz 2017 um 8 Prozent auf 1,62 Milliarden Euro. Adeo will weiter expandieren. In den kommenden drei Jahren sollen fünf Leroy Merlin mit Flächen von 5.000 bis 12.000 Quadratmetern in der Toskana entstehen. Bei Bricoman stehen dieses Jahr drei Neueröffnungen auf dem Programm: Pero, Cerro Maggiore und Venegono. Für die kommenden Jahre sind landesweit insgesamt 15 neue Standorte in Planung.

Obi-Neueröffnung in Triest

Obi ist bereits seit 1991 mit insgesamt 56 Standorten in Italien vertreten.
Obi ist bereits seit 1991 mit insgesamt 56 Standorten in Italien vertreten.
Foto: Obi

Die Nummer zwei, Obi, ist seit 1991 in Italien vertreten. In den vergangenen Jahren war keinerlei Standortzuwachs zu verzeichnen. Letztmals wurde das Vertriebsnetz 2016 um vier auf 56 Outlets erweitert. Die Verkaufsfläche umfasst rund 242.000 Quadratmeter. In diesem Herbst soll nun ein rund 7.500 Quadratmeter großer Markt in Triest eingeweiht werden, der vor mehr als zwei Jahren angekündigt, aber durch langwierige Genehmigungsverfahren ausgebremst wurde. Im Sommer 2016 hat Obi-CEO Sergio Giroldi eine Expansionsoffensive angekündigt, die eine Verdoppelung der Standortzahl vorsieht, ohne jedoch einen Zeithorizont zu definieren.

Auf Platz drei im Ranking liegt Bricolife mit einer Gesamtverkaufsfläche von rund 173.000 Quadratmetern. Die Kooperation erhöhte bis Ende 2018 die Zahl der angeschlossenen Baumärkte um sechs auf 78. Bricolife tritt nicht als Vertriebsmarke in Erscheinung. Die Märkte werden unter 16 verschiedenen Logos geführt, die meisten unter Eurobrico (28) und La Prealpina (9).

Den größten Standortzuwachs hat Bricofer zu verzeichnen. Ende 2018 gab es 89 Märkte und damit 22 mehr als im Vorjahr. Die Vertriebslinie scheint sich stärker auf Handwerker auszurichten, wie die jüngste Neueröffnung im April dieses Jahres in Carpi zeigt. Auf 4.000 Quadratmetern finden gewerbliche Kunden eine stärker auf sie zugeschnittene Auswahl an Produkten und Dienstleistungen sowie erstmals einen rund 1.500 Quadratmeter großen Drive-in.

Bricofer übernimmt Self Italia

Seinen ersten City-Baumarkt schickte Bricofer 2016 in Rom an den Start. Auf 1.050 Quadratmetern, davon 750 Quadratmeter Ausstellungsfläche, wird ein stark profi-orientiertes Angebot präsentiert. Das Unternehmen hat im April dieses Jahres Self Italia übernommen und damit die Schließung der seit 30 Jahren in Norditalien etablierten DIY-Marke mit 28 Standorten abgewendet. Ebenfalls im Portfolio ist die 2013 gegründete Vertriebslinie Ottimax mit heute sechs Outlets, die ähnlich wie Bricoman im Hard-DIY-Segment angesiedelt ist und bei Produkten für Bau- und Ausbau auf starke Marken und niedrige Preise setzt. Das Know-how der Marken Bricofer, Ottimax und Self soll in der neugegründeten Gruppe „Made in Italy“ gebündelt werden, die 123 Standorte mit einer Gesamtverkaufsfläche von 320.000 Quadratmetern umfasst.

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Brico IO ist die DIY-Vertriebslinie der Coop Lombardia. Sie betreibt nach wie vor die meisten Märkte, obwohl elf Schließungen im vergangenen Jahr die Zahl auf 106 drückte. Seit 2015 bündeln Brico IO und Bricolife im Rahmen einer strategischen Partnerschaft den Einkauf ihrer zusammen knapp 200 Vertriebsstellen in der gemeinsamen Zentrale Sistema. Nach Brico IO hat Evoluzione Brico im vergangenen Jahr den größten Mitgliederschwund zu verzeichnen. Nach neun Schließungen sank die Zahl der Outlets auf 32. Die Kooperation ist 2016 aus dem Zusammenschluss von Puntolegno/Bricolarge und CIB/Italbrico hervorgegangen. Auf der Gewinnerseite steht Brico OK, das nach acht Neueröffnungen und einer Schließung 96 Märkte mit einer Gesamtverkaufsfläche von rund 154.000 Quadratmetern betrieb und flächenmäßig ungefähr gleichauf mit Bricoman (153.000 Quadratmeter) und Bricocenter (156.000 Quadratmeter) liegt.

Die Top Ten in Italien 2018
Anzahl der Märkte in qm Verkaufsfläche
Leroy Merlin (Adeo)
48 413.000
Obi 56 242.000
Bricolife 78 173.000
Bricofer 89 171.000
Brico IO 106 167.000
Bricocenter (Adeo) 64 156.000
Brico OK 96 154.000
Bricoman (Adeo) 21 153.000
Self 28 88.000
Evolutione Brico 32 66.000

Quelle: Unternehmenzahlen, Bricomagazine, eigene Berechnungen

E-Commerce kommt langsam voran

Der E-Commerce hat für die Baumarktbetreiber in den vergangenen beiden Jahren kaum an Bedeutung gewonnen. Von den 21 Vertriebslinien verfügen zwar alle über eine Internetpräsenz, doch nur elf betreiben einen eigenen Onlineshop, von den Top 10 sind es sechs: Leroy Merlin, Obi, Bricofer, Brico IO, Bricoman und Self. Brico Bravo – mit 12 Standorten und einer Gesamtverkaufsfläche von rund 17.000 Quadratmetern im Ranking auf Platz 16 – hat seine E-Commerce-Aktivitäten stark ausgebaut und das mehr als 200.000 Artikel umfassende Sortiment 2017 in Frankreich eingeführt. Inzwischen steht der Shop auch für den deutschen Markt zur Verfügung. Weitere europäische Länder sollen folgen.

11.09.2019