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IVG Forum Gartenmarkt - Nichts bleibt wie es ist

Das 8. IVG Forum Gartenmarkt stand ganz im Zeichen der Digitalisierung. 200 Teilnehmer waren gestern nach Berlin gereist, um sich über Lösungen für die Kundenansprache in Zeiten der Digitalisierung zu informieren - ein Besucherrekord.

IVG Gartenforum 2017
Geschäftsführerin Anna Hackstein begrüßt die Teilnehmer zum IVG Forum Gartenmarkt in Berlin
Foto: Freyer

Branchenexperte Klaus Peter Teipel lieferte gleich zu Beginn mit Zahlen, Daten und Fakten über die grüne Branche das nötige Fundament und machte deutlich, wo die Herausforderungen, Risiken und Chancen des Marktes vor dem Hintergrund der zunehmenden Digitalisierung liegen. Teipels Botschaft an die Teilnehmer lautete: Der Gartenmarkt wird getragen vom nach wie vor positiven Konsumklima in Deutschland - das Wachstum wird mit ca. 1 bis 1,5 Prozent voraussichtlich besser ausfallen als prognostiziert. Doch beim Blick auf die Vertriebskanäle wird deutlich, dass der Versandhandel mit einem plus von 9,1 Prozent eine sehr hohe Dynamik aufweist und damit klar stärker wachsen wird als die übrigen Kanäle. Für den Branchenexperten ein Zeichen dafür, dass der Wettbewerb härter wird und nichts so bleibt wie es ist.

Angesichts dieser Aussicht stellte Professor Mark Eisenbeiß von der Uni Bremen die Frage, inwieweit sich das Marketing im Zeitalter der Digitalisierung grundlegend neu erfinden muss. Weil Marketing nach wie vor Kundennutzen stiften soll, ist aus Sicht des Professors eine einseitige Fokussierung auf Technologisierung nicht zielführend, vielmehr gelte es stärker den Kunden in den Mittelpunkt zu stellen. Dies komme leider zu kurz, so sein Fazit.

Der E-Commerce Berater Adrian Holtz gab in seinem Vortrag einen Einblick, wie das Geschäftsmodell von Amazon eigentlich funktioniert. Wie lautet die Erfolgsformel von Amazon-Chef Jeff Bezos und welche Herausforderung gehen damit für Handel und Herstelle einher? Seine Erfahrung als Berater zeigt, dass Veränderungen im Unternehmen oftmals nur halbherzig geschehen, weil die Lust auf Veränderung nicht vorhanden ist. Dahinter stecke der Glaube, früher sei alles besser. Holtzs Antwort: ein klares Nein. Es stecken jede Menge Chancen in der Digitalisierung, wenn man akzeptiert, dass sich die Art und Weise, wie Geschäfte gemacht werden verändert. Die Infrastruktur hat sich von analog auf digital umgestellt, schilderte der E-Commerce Experte. Das Problem sei, dass sich dieser Wechsel sehr schnell vollzieht, was wiederum zu einem konstanten Unterschätzen der Entwicklung führe, folgert Holtz. Weil die Veränderungen so rasend schnell passieren, ist es aus Sicht des Beraters besonders gefährlich, wenn man sich nicht weiterentwickelt.

Die Shopper-Perspektive nahm schließlich Martin Langhauser vom GfK ein und lieferte Zahlen und Erkenntnisse rund um das veränderte Einkaufsverhalten des Konsumenten. Seine Empfehlung: Der stationäre Fachhandel muss den Kunden in die Onlinewelt mitnehmen, darin liegt sein Potenzial. Denn die Zahlen machen klar deutlich, dass der Anteil der sogenannten Omnichannel-Käufer weiter zunimmt und bereits jetzt 43 Prozent aller Umsätze im Gartenmarkt im Omnichannel, also im off- und online-Verkauf, entstehen. In der Verknüpfung der Kanäle liege die Chance, so Langhauser, die Kundenreichweite deutlich zu erhöhen.

Insgesamt lieferten die Vorträge den Teilnehmern jede Menge Stoff für anregende Diskussionen - es bleibt abzuwarten inwieweit dies dazu führt, dass die Anregungen auch ins eigene Business mit einfließen werden.

09.11.2017