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Tschechien: Deutsche verteidigen Marktführung

Im tschechischen DIY-Handel spielen zwei Baumarktbetreiber aus Deutschland, Hornbach und Obi, eine führende Rolle. Beide Unternehmen haben auch 2019 ihre Spitzenpositionen gehalten. Dennoch zeigt eine Analyse in den kommenden Jahren eine Abschwächung.

Wahrzeichen der tschechischen Hauptstadt: Blick auf die Karlsbrücke und die Prager Burg.
Wahrzeichen der tschechischen Hauptstadt: Blick auf die Karlsbrücke und die Prager Burg.
Foto: Pixabay

Der Baumarkthandel kann in der Tschechischen Republik auf eine positive Entwicklung zurückblicken. Die Nettoumsätze der Bau- und Heimwerkermärkte, Haushaltswaren- und Einrichtungshäuser stiegen 2019 um 4 Prozent auf insgesamt 94,51 Milliarden Tschechische Kronen (3,71 Milliarden Euro), wie Analysten des Marktforschungsunternehmens Euromonitor International für die Studie „Home and Garden Specialist Retailers in the Czech Republic“ ermittelt haben.

Bereits 2018 hatte die Branche ein solides Wachstum zu verzeichnen, das auf einer starken Wirtschaftsleistung, steigenden Löhnen und einer weiteren Steigerung der Eigenheimquote basierte. Auch der Boom im Immobilienmarkt wirkte sich positiv auf die Umsätze aus.

Doch der Markt gilt als überhitzt, und die Währungshüter sind bestrebt, potenzielle Preisblasen bei Wohnimmobilien einzudämmen. Negativ auf das Geschäft wirkten sich die Zinserhöhungen der Nationalbank aus, die zu steigenden Hypothekenzinsen führen. Hinzu kommen Vorgaben zu einer strengeren Vergabepraxis, an die sich die Geldhäuser zu halten haben. Deshalb gehen die Analysten in ihrem Report aus dem Jahr 2019 von einem langsameren Wachstum aus. Für 2022 prognostizieren sie ein Umsatzvolumen von 102,865 Milliarden Tschechische Kronen (4,03 Milliarden Euro).

Top drei kommen aus dem Ausland

Die Top drei des Marktes sind Ikea, Hornbach und Obi. Marktanteile eingebüßt hat in den vergangenen drei Jahren die Nummer eins Ikea. 2016 konnten die Schweden noch einen Anteil von 10 Prozent verbuchen, 2019 waren es nur noch 9,6 Prozent. Lag Obi 2016 mit 7 Prozent noch vor Hornbach (5 Prozent), hat sich das Blatt gewendet. 2019 rangierte Hornbach mit 7,8 Prozent auf Platz zwei, dahinter folgte Obi mit 7 Prozent. Bauhaus belegte den sechsten Platz mit einem Marktanteil von 4,6 Prozent. Mountfield brachte es auf einen Anteil von 4,1 Prozent, und Baumax erreichte 2,4 Prozent.

Weitere Daten aus dem Baumarkt finden Sie im Fachmagazin „BaumartkManager“. Jeden Monat analysiert die Redaktion einen ausländischen Markt und gibt einen Einblick in die zukünftige Entwicklung. Das Magazin können Sie über den Baufachmedien E-Shop erwerben, oder Sie testen das Magazin für zwei Monate.

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Hinsichtlich Standortzahl und Gesamtverkaufsfläche hat sich der DIY-Handel in der Tschechischen Republik in den vergangenen Jahren kaum verändert, von der Schließung der drei Globus Baufachmärkte einmal abgesehen. Ende 2019 wurden insgesamt 135 Outlets mit einer Gesamtverkaufsfläche von rund 790.000 Quadratmetern betrieben. Die Nummer eins im Hinblick auf die Verkaufsfläche ist Obi mit 216.000 Quadratmetern. Dann folgen fast gleichauf Hornbach (140.800 Quadratmeter) und Baumax (140.000 Quadratmeter). Hornbach ist seit 1998 in Tschechien vertreten, seit 2015 auch mit einem Onlineshop. Die letzte Neueröffnung erfolgte 2016. Ende 2019 wurden zehn Großflächen betrieben. Standorte sind in Pilsen, Prag (vier), Hradec Kralove, Olomuc, Ostrava (zwei) und Brünn.

Bauhaus als deutscher Pionier in Tschechien

Als erster Baumarktbetreiber aus Deutschland trat Bauhaus 1993 in den tschechischen Markt ein. Heute ist das Unternehmen mit acht Standorten in sechs Städten (Prag zwei, Brünn zwei, Budejovice, Pilsen, Liberec, Cestlice) und einer Gesamtverkaufsfläche von 103.000 Quadratmetern dort vertreten. Im Gegensatz zu sämtlichen Mitbewerbern im DIY-Geschäft ist Bauhaus nicht im E-Commerce aktiv. Globus startete 1996 in Brünn mit der Eröffnung des ersten SB-Warenhauses.

Ein Jahr später ging dort auch der erste von drei Baufachmärkten an den Start. 2017 hat Globus einen Strategiewechsel in Tschechien eingeleitet und die drei Stand-alone-Baufachmärkte in Brünn, Chomutov und Pradubice geschlossen. Die großen Baumarktabteilungen in seinen 15 SB-Warenhäusern wurden zugunsten des Food-Sortiments aufgegeben. Geführt wird lediglich noch eine Auswahl an Baumarktartikeln wie Auto- und Zweiradzubehör, Haushaltswaren und Saisonartikel, darunter Gartenmöbel, Grillen und Camping. Die tschechischen Hypermärkte zählten 2018 zu den Wachstumstreibern der Handelsgruppe.

In Tschechien gibt es noch Baumax-Baumärkte

Die Marke Baumax lebt in Tschechien fort, nachdem der polnische Baumarktbetreiber Merkury Market 18 Standorte des in finanzielle Turbulenzen geratenen ehemaligen österreichischen Marktführers übernommen hatte. Die Gesamtverkaufsfläche umfasste Ende 2019 rund 140.000 Quadratmeter. In Polen ist das Unternehmen mit 20 Outlets vertreten und in der Slowakei und Ungarn mit jeweils 21.

Uni Hobby gehört seit 2013 zur Unimex Group, die mit einem Umsatz von über 30 Milliarden Tschechischen Kronen (rund 1,2 Milliarden Euro) eine bedeutende Größe im tschechischen Markt darstellt. Ihre Aktivitäten konzentrieren sich auf auf die Bereiche DIY-, Wohn-, Industrie- und Hotelentwicklung sowie Tourismus und Markenartikelhandel.

Uni Hobby ist ursprünglich eine deutsch-tschechische Entwicklung und geht auf das Franchisesystem Avex Baumarkt zurück, das Avex Systems in Zusammenarbeit mit der Münchner Baywa entwickelt hat. Geführt wird das Franchiseformat von Global Partners, mit dem Uni Hobby inzwischen verschmolzen ist. Ausgelegt ist das Konzept für mittelgroße Städte. Ende 2019 wurden zehn Märkte mit einer Gesamtverkaufsfläche von rund 84.000 Quadratmetern betrieben. Neu hinzugekommen ist ein Markt in Svitavy. Weitere Niederlassungen befinden sich in Chomutov, Brünn, Ceske Budejovice, Hodonin, Jihlava, Stare Mesto, Pardubice, Valasske Mezirici und Zlin.

Unternehmen/Vertriebslinie Anzahl der Märkte 2018 Veraufsfläche 2018 (qm)
Bauhaus 8 103.000
Baumax 18 140.000
Hornbach 10 140.880
Obi 33 216.000
Mountfield 56 108.000
Uni Hobby 10 83.750
Quelle: Unternehmenszahlen, eigene Berechnung

Gartenspezialist setzt auf umfangreichen Service

Mountfield ist ein bedeutender Akteur im Gartensegment. Das 1991 gegründete Unternehmen bietet in seinen unverändert zu den Vorjahren 56 Filialen ein Sortiment bestehend aus Gartentechnik, Gartenmöbeln, Schwimmbädern und weiteren Gartenartikeln an. Ergänzt wird das Programm durch weiteres Zubehör für Haus und Garten, darunter Elektro- und Handwerkzeuge, Werkbänke, Kaminöfen und Heimtierbedarf.

Mehrheitsgesellschafter der Kette ist seit Ende 2016 die in Hongkong ansässige Eurasia Development Group. Die Filialen bestehen aus einem Servicecenter, einem Poolcenter und Lagereinrichtungen. Das Unternehmen sieht sich nicht nur als größter Einzelhändler dieses Segments in der Tschechischen Republik und in der Slowakei, wo weitere 18 Filialen betrieben werden, sondern auch auch als größter Fachhändler für Gartengeräte und Schwimmbäder in Europa. Vertrieben werden nicht nur Markenartikel ausländischer Hersteller, über Tochterunternehmen werden Gartengeräte, Schwimmbäder und Poolzubehör auch selbst produziert. Das gesamte Sortiment wird auch im eigenen E-Shop angeboten. Dienstleistungen spielen eine zentrale Rolle. Auf seine Artikel gewährt das Unternehmen eine bis zu siebenjährige Garantie. Gekaufte Gartengeräte werden auf Wunsch nach Hause geliefert. Und nach der Saison können die Kunden im Service-Center eine kostenlose In­spektion durchführen lassen.

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18.06.2020