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Harter Wettkampf in Dänemark

Die dänische DIY-Branche weist eine hohe Standortdichte auf. Die Anzahl der Märkte ist relativ konstant und der Wettbewerbsdruck hoch. Nicht jede Vertriebslinie ist dem harten Preiskampf gewachsen.

Bauhaus rangiert auf Platz zwei im Flächenranking.
Bauhaus rangiert auf Platz zwei im Flächenranking.
Foto: BaumarktManager

Die Dänen sind im europäischen Vergleich wenig passionierte Heimwerker. Laut European Home Improvement Monitor erwärmen sich lediglich 46 Prozent für Deko- und 40 Prozent für Bauprojekte. Europaweit sind es dagegen 53 Prozent beziehungsweise 45 Prozent. Doch im Hinblick auf den derzeitigen Handwerkermangel dürfte die Begeisterung fürs Selbermachen in Dänemark deutlich steigen.

Um die Gunst der dänischen Heimwerker buhlen nicht nur die vier großen Baumarktketten Jem & Fix, Bauhaus, Silvan und Harald Nyborg, sondern auch Baustoffhändler wie XL-Byg, Stark, Bygma und Fog. 2018 betrieben sie insgesamt 464 Standorte und damit lediglich vier mehr als zwei Jahre zuvor. Die Gesamtverkaufsfläche belief sich auf knapp 940.000 Quadratmeter. Die Standortdichte ist mit rund 12.500 Einwohnern pro Markt sehr hoch.

An erster Stelle steht…

Größter Baumarktbetreiber in Dänemark ist Jem & Fix, der Ende 2018, 30 Jahre nach seinem Start, 117 Filialen mit einer Gesamtverkaufsfläche von 223.000 Quadratmetern führte. Die Märkte bieten günstige Preise, aber keinerlei Beratung. Die Vertriebslinie gehört zur Harald-Nyborg-Gruppe der Familie Daell, die auch hinter der DIY-Kette Harald Nyborg (33 Standorte) und acht Möbelhäusern der Marke Daell‘s bolighus steht.

Harald Nyborg ist eine dänische Traditionsmarke. Das 1904 gegründete Unternehmen wirbt heute mit dem Slogan „Niedriger Preis mit großer Auswahl“. Nicht alle Niederlassungen sind SB-Märkte. In einem Teil der Filialen wird die Ware lediglich präsentiert und erst nach Bezahlung ausgegeben. In Schweden ist die Vertriebslinie mit über 50 Outlets vertreten. In diesem Frühjahr erfolgte der Markteinstieg in Norwegen, wo aktuell fünf Märkte geführt werden.

Zwar konnte der Gruppenumsatz 2017 um 6 Prozent auf 5,2 Milliarden DKK (696 Millionen Euro) gesteigert werden, doch der Gewinn sackte um 13 Prozent auf 118 Millionen DKK (15,8 Millionen Euro) ab. Probleme bereitete das Schweden-Geschäft, für das ein Verlust von 42 Millionen DKK (5,6 Millionen Euro) ausgewiesen wurde. In der Folge wurden dort zehn der elf Harald-Nyborg-Outlets geschlossen. Man wolle sich auf Jem & Fix sowie den Onlinehandel konzentrieren.

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Bauhaus, die Nummer zwei

Bauhaus, im Baumarktflächenranking die Nummer zwei in Dänemark, schickte im vergangenen Jahr eine Filiale in Kolding an den Start, die die Zahl der Standorte auf 17 und die Gesamtverkaufsfläche auf 164.000 Quadratmeter erweiterte. Der im Mai 2018 eröffnete Baumarkt ist bereits der zweite in der Stadt, wo vor über 30 Jahren der Markteintritt erfolgte.

Und die Expansion geht weiter: Für diesen Herbst steht eine Neueröffnung in Gladsaxe im Großraum Kopenhagen mit einer Verkaufsfläche von 12.500 Quadratmetern auf der Agenda.

Pionier und Synonym

Silvan gilt als Baumarktpionier in Dänemark. Der erste Markt ging 1968 an den Start. Seitdem hat sich das Unternehmen zu einer starken Marke entwickelt, die im Bewusstsein vieler Dänen zum Synonym für Baumarkt und Heimwerken geworden ist.

Die Märkte bieten ein rund 12.000 Artikel umfassendes Sortiment, das um Saisonwaren und rund 5.000 Bestellartikel ergänzt wird. Die Standorte liegen in der Nähe großer Städte in Dänemark und verfügen ohne Drive-in und Gartencenter über eine durchschnittliche Verkaufsfläche von 2.400 Quadratmetern. Die deutsche Investmentgruppe Aurelius hat im September 2017 die Baumarktkette mit 42 Standorten, 1.400 Mitarbeitern sowie das E-Commerce-Geschäft von der dänischen Stark Group, einer Tochter des britischen Ferguson-Konzerns, übernommen.

Geld verdient Aurelius mit Silvan nicht. 2017 wurde ein Verlust von 45 Millionen DKK (6 Millionen Euro) eingefahren, und auch 2018 wird es laut Berichten bei einem wenn auch geringeren zweistelligen Millionendefizit bleiben. In diesem Frühjahr waren die Regale in der Elektroabteilung teilweise ausverkauft. Aus Furcht vor Zahlungsausfällen hat sich ein Elektrogroßhändler geweigert, die Waren mit dem üblichen dreimonatigen Zahlungsziel zu liefern. Dessen ungeachtet will Silvan sein Filialnetz deutlich vergrößern. Geplant sind 20 neue Standorte mit Verkaufsflächen von 2.500 bis 3.000 Quadratmetern plus Drive-in mit 1.000 bis 1.500 Quadratmetern.

Anfang dieses Jahres schickte Silvan in Frederiksberg im Großraum Kopenhagen einen City-Baumarkt mit 1.000 Quadratmetern an den Start. Es ist der dritte in der Hauptstadt nach Fisketorvet und Nørrebro.

Die größte Kooperation in der dänischen Baustoff- und DIY-Handelsbranche ist XL-Byg. Das Logo prangt an 118 Niederlassungen unabhängiger Bauzentren und Holzhändler, die mit einem breiten Sortiment an Werkzeugen, Maschinen, Bekleidung, Gebrauchsgegenständen sowie Möbeln und Materialien für Haus und Garten aufwarten.

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Mit einem Umsatz von über 7,5 Milliarden DKK (rund 1 Milliarde Euro) ist die Gruppe der bedeutendste Einzelhändler für Baustoffe und Baumarktprodukte in Dänemark. Wichtigster Kundenkreis sind zwar Bauunternehmer und Handwerker, doch rund ein Drittel des Erlöses – etwa 2,3 Milliarden DKK (308 Millionen Euro) – wird mit Endverbrauchern generiert. In den Märkten werden für sie Kurse zum richtigen Umgang mit Bohrer, Säge und anderen Werkzeugen angeboten, und auf der Homepage finden sie zahlreiche Inspirationen und Tipps für DIY-Projekte.

Auch die Baustoffhandelskette Stark setzt auf das Geschäft mit Heimwerkern und bietet in rund der Hälfte ihrer 72 Märkte eine DIY-Abteilung. Ein Onlineshop wird im Gegensatz zu den Mitbewerbern nicht betrieben. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2017/18 lag der Umsatz in Dänemark bei 924 Millionen Euro, das entspricht einem Plus von 3,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gut 75 Prozent werden über gewerbliche Kunden erwirtschaftet.

Der Gruppenumsatz – weitere Niederlassungen gibt es in Schweden (73), Norwegen (14) und Finnland (27) – stieg um 3,8 Prozent auf 2,21 Milliarden Euro. Die Stark Group befindet sich seit November 2017 in der Hand des US-amerikanischen Private-Equity-Fonds Lone Star. Sie wird sich im deutschen Markt durch die Übernahme der Saint-Gobain Building Distribution Deutschland (rund 220 Standorte) etablieren. Die 335-Millionen-Euro-Transaktion soll nach Zustimmung der Kartellbehörden im zweiten Halbjahr abgeschlossen werden.

Weitere Player im Markt

Ein weiterer Baustoffhändler ist Bygma, der Ende 2018 unverändert zum Vorjahr 55 Standorte zählte. Anfang dieses Jahres wurde das Filialnetz durch zwei Übernahmen erweitert. 28 Outlets sind mit ihrem Angebot auch auf Selbermacher ausgerichtet. Im abgelaufenen Geschäftsjahr stieg der Umsatz in Dänemark um 8,9 Prozent auf 5,6 Milliarden DKK (rund 750 Millionen Euro). Zusammen mit seinen rund 45 Auslandsstandorten erreichte das 1959 gegründete Unternehmen ein Plus von 5,4 Prozent auf 7,9 Milliarden DKK (1,06 Milliarden Euro).

DIY-Handel in Dänemark
Anzahl der Standorte 2018 Verkaufsfläche in qm 2018
Jem & Fix (Harald Nyborg) 117 223.000
Bauhaus 17 164.000
XL-Byg 118 122.000
Stark 72 102.000
Bygma 55 101.000
Silvan 43 98.000
Fog 9 68.000
Harald Nyborg 33 61.000

Quelle: Unternehmenszahlen, eigene Berechnung

Fog ist ebenfalls im Baustoffgeschäft tätig und bietet in seinen neun hauptsächlich in Nordseeland angesiedelten Standorten ebenfalls ein auf Endverbraucher zugeschnittenes Sortiment für Haus und Garten. In der Niederlassung in Lyngby wird zudem ein Interieur- und Designhaus betrieben.

06.11.2019