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Emissionsfrei in die Innenstadt

In Sachen E-Mobilität tut sich die Nutzfahrzeugindustrie etwas schwer und hat sich Zeit gelassen. Dennoch gibt es einige Logistik-Unternehmen die auf E-Mobilität setzen.

Dachser ist Erstkunde des vollelektrischen „FUSO eCanter“-Leicht-Lkw von Daimler. Seit dem Frühjahr 2018 setzt der Logistikdienstleister zwei Fahrzeuge im Innenstadtverkehr ein.
Die Lieferketten müssen eine logistische Komplettleistung bis hin zum Aufbau beim Kunden umfassen.
Foto: Dachser

Die RWTH Aachen hat bereits 2010 einen elektrisch betriebenen Streetscooter auf die Straße gebracht (inzwischen ist die Streetscooter GmbH ein Tochterunternehmen der Deutschen Post) und auch deutsche Lkw-Bauer kommen langsam in die Gänge. Ein überfälliger Entwicklungsschritt, wenn man die besonderen Herausforderungen der Belieferung „auf der letzten Meile“ in den Innenstädten betrachtet. „Aufgrund bereits bestehender und auch drohender Fahrverbote gewinnt das Thema City-Logistik an Bedeutung. Dachser hat in einem Pilotprojekt ein rund vier Quadratkilometer großes Zustellgebiet in der Stuttgarter Innenstadt festgelegt, in dem B2B- und B2C-Kunden ihre Stückgutsendungen ausschließlich emissionsfrei erhalten“, so eine Sprecherin von Dachser.

Zum Einsatz kommt dafür ein vollelektrischer Leicht-Lkw vom Typ FUSO eCanter, der die Ware entweder direkt zustellt oder am Mikrohub des Partners Velocarrier anliefert. Dort werden die Paletten abgeladen und die Sendungen für Zustelltouren mit elektrisch unterstützten Lastenrädern umgeschlagen. Seit Mai dieses Jahres ist auch ein vollelektrischer 18-Tonner eActros von Daimler verfügbar und in den laufenden Betrieb integriert. Um weitere Modelle dieser Art auf die Straße zu bringen, müssen sich Dachser und andere Logistikunternehmen gedulden, denn in Serie soll der eActros laut Mercedes-Benz Lkw ab 2021 gehen. Einen Lichtblick stellen hingegen weitere Projekte dar: Neben Stuttgart startete auch in fünf weiteren deutschen Städten die Belieferung der letzten Meile in den Innenstädten mit zunächst jeweils einem elektrisch unterstützten Lastenrad (Freiburg, Köln, Karlsruhe, Tübingen, Langenau). An diesen Projekten arbeiten Dachser und zum Beispiel auch der Partner Velocarrier zusammen.

Die City-Logistik stellt nach Auffassung vieler Experten eine besondere Herausforderung dar, aber nicht allein wegen des Transports der Ware, sondern auch wegen der Zwischenlagerung. Die Kundenerwartung „Same-Day-Delivery“ oder sogar „Same-Hour-Delivery“ rufe neben Logistikern inzwischen auch Immobilienentwickler auf den Plan, so die Autoren einer Studie der Deutschen Hypo, einem Spezialist für Gewerbeimmobilienfinanzierung. Der Platzbedarf für Lagerkapazitäten stelle in Städten mit wachsenden Einwohnerzahlen ein riesiges Pro­blem dar. Es ist derzeit noch Zukunftsmusik, jedoch könnten bei zunehmender Urbanisierung in Europa in hiesigen Innenstädten mehrstöckige Logistikzentren mit mehreren 100.000 Quadratmetern Lagerfläche entstehen. Nach asiatischem Vorbild, wie beispielsweise in Singapur, wo derartige Gebäude sogar begrünt würden. Weitere Beispiele sind „Multi-Mandant-Modelle“, also Logistikzentren, die von mehreren Firmen genutzt werden, außerdem Paketstationen, Mikrodepots zur mobilen Feinverteilung oder flexibel zu errichtende Hubs in Gegenden, in denen Lagerfläche kurzfristig benötigt wird.

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06.08.2019