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OBI next-Chef Gundel spricht bei „Faszination Handel“

Im großen Hörsaal der Universität zu Köln fand gestern der Kongress Faszination Handel statt. „Connecting Retail – Plattformen als Infrastruktur der Zukunft“ lautete das übergeordnete Thema. Dr. Sebastian Gundel, Geschäftsführer von OBI next, stellte sein Geschäftsmodell vor. Außerdem wurden 90 Jahre IFH gefeiert.

MAU Faszination Handel 2019 Gundel
Dr. Sebastian Gundel: „Je komplexer das Problem des Kunden, umso besser können wir unsere Stärken ausspielen.“
Foto: MAU

„Das IFH hat sich in den letzten 90 Jahren ein herausragendes Alleinstellungsmerkmal in dem Bereich Wissenschaft, Wirtschaft und Politik erarbeitet“, würdigte Josel Sanktjohanser, Präsident des HDE wie auch des Vereins der IFH Förderer. Zur 90-Jahr Feier des IFH Köln und zum Kongress Faszination Handel waren gestern etwa 300 Besucher gekommen. Prof. Dr. Werner Reinartz, Direktor des Seminars für Handel und Kundenmanagement an der Universität zu Köln hob die Leistung des IFH hervor. Die gesamte Arbeit, die sich in zahlreichen Studien niederschlägt, ist wichtig für die Entwicklung des Handels“, so Reinartz.

Prof. Dr. Werner Reinartz war es auch, der zuvor beim Kongress Faszination Handel die Vortragsreihe eröffnete. Plattform-Unternehmen seien heute erfolgreicher als jene, die auf derartige Geschäftsmodelle verzichteten, so der Professor. Als Beispiel führte er Amazon, Oto, Ebay und Zalando an, die mehr als die Hälfte des gesamten Marktanteils im Onlinehandel auf sich vereinen. Plattformen zeichneten sich durch vier zentrale Merkmale aus: Vermittlungsfunktion, Autonomie der Teilnehmer, Wachstum durch Netzwerkeffekte sowie die digitale Infrastruktur. Gerade die Digitalisierung ist ein Katalysator und ein Beschleuniger, was die Plattformen so erfolgreich macht“, so Reinartz.

Aus Sicht der Teilnehmer aus der Baumarktbranche wurde der Vortrag von Dr. Sebastian Gundel, Geschäftsführer von OBI next, mit Spannung erwartet. OBI next wurde vor zwei Jahren als Geschäftseinheit gegründet, um neuartige kundenorientierte Angebote zu erproben und weiterzuentwickeln. Gundel erklärte, es gehe tatsächlich nicht mehr nur um die reine Produktverfügbarkeit auf der stationären Verkaufsfläche und im Onlineshop, sondern um wirklichen Kundennutzen. Über Angebote wie den Gartenplaner, den Badplaner, heyOBI, im Onlineshop und selbst an der Kasse auf der stationären Fläche könne Obi Kundendaten sammeln, die es ermöglichen, den Kunden besser zu verstehen. „Traditionell sind wir eher nach Kategorien aufgeteilt, weniger nach den Use Cases, aber genau die werden immer wichtiger“, so Gundel. Und: „Je komplexer das Problem des Kunden, umso besser können wir unsere Stärken ausspielen. Wir wollen schon da relevant sein, wo der Kunde seine erste Idee hat, seine „erste Meile“ gewissermaßen.“ Schließlich sei es wichtig, die Kontakthäufigkeit zu den bestehenden Kunden zu erhöhen. „So können wir bestehende Kunden besser verstehen und somit zielgerichteter bedienen anstatt immer in Neukundenakquise zu investieren“, so der Chef von OBI next.

Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes stellte zunächst die Schwierigkeiten vor, die seine Behörde aber auch andere Institutionen wie beispielsweise Gerichte bei der Bewertung möglicher Wettbewerbsverstöße in der digitalen Wirtschaft haben. In der Plattformökonomie herrsche ein anderer Wettbewerb. Direkte und indirekte Netzwerkeffekte spielten dabei eine besondere Rolle. Unterm Strich seien aber Daten, also das Sammeln, vor allem aber der weitere Gebrauch von Daten das wettbewerbsrechtliche Thema. „Wir müssen Marktmacht und die Abhängigkeit in Bezug auf die Daten neu definieren.“

Dr. Marcus Ackermann, Vorstand der Otto Group, erklärte in seinem Vortrag, wie sein Unternehmen mit Hilfe der Digitalisierung Kundenzufriedenheit erzeugt. Convenience sei in der modernen aufgeschlossenen Kundengruppe oft wichtiger als Inspiration. „Und Convenience bedeutet für uns, dem Kunden das Einkaufen so leicht wie möglich zu machen. Gerade im Bereich Fashion gibt es Dinge, die im stationären Handel nicht optimal laufen. Diese Unannehmlichkeiten haben wir mit technischen Hilfsmitteln eliminiert“, hob Ackermann hervor und brachte als Beispiel die App von Bon Prix. Die erleichtere die Produktauswahl, erspare lästiges Warten an der Anprobe wie auch an der Kasse. Auch Otto sammelt Kundendaten, wo sich immer die Möglichkeit bietet. Das erleichtere Kundenbedürfnisse zu erkennen und auch schnelle Lieferungen (same day delivery) zu realisieren.

Einen ausführlichen Bericht lesen Sie in der kommenden Ausgabe des BaumarktManager.

04.09.2019