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Praktiker-Pleite: Kraftakt auf dem Arbeitsmarkt

Nach der Praktiker-Insolvenz waren Transfergesellschaften eine wichtige Hilfe für die Beschäftigten. Zwei Drittel haben wieder einen sozialversicherungspflichtigen Job. Das sind die Ergebnisse einer Studie des Helex-Instituts.

Grafik Helex Institut

Was wurde aus den rund 15.000 Beschäftigten der Praktiker- und Max Bahr-Baumärkte, die 2013 ihren Job verloren? Nach der Insolvenz der beiden Baumarktketten der Praktiker AG waren 8.000 ehemalige Mitarbeiter in sogenannte Transfergesellschaften gewechselt – im deutschen Einzelhandel ein selten eingesetztes arbeitsmarktpolitisches Instrument. Das Bochumer Helex-Institut hat die Leistung der sechs beteiligten Transferträger sozialwissenschaftlich untersucht und seinen Befund jetzt so zusammengefasst: „Die Transfergesellschaften zur Insolvenz der Praktiker-/Max-Bahr-Baumärkte waren eine wichtige Hilfe für die Beschäftigten nach dem Verlust der Arbeitsplätze. Sie haben dem Großteil der Betroffenen neue Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt eröffnet und waren ein arbeitsmarktpolitischer Erfolg.“ Koordiniert wurde die Arbeit der Transfergesellschaften von der Essener PCG Project Consult GmbH.

Institutsgeschäftsführer Gernot Mühge erläutert, dass es der zentrale Erfolgsmaßstab der Evaluation war, wie die Beschäftigten die Qualität der arbeitsmarktpolitischen Unterstützung in der Transfergesellschaft einschätzen. Die Ergebnisse zeigen, dass sich knapp 70 Prozent (69,3 %) der Transferteilnehmer/innen durch ihren persönlichen Transferberater gut oder sehr gut beraten fühlten. Hinsichtlich der Qualität der Transfergesellschaft im Allgemeinen antworteten etwa zwei Drittel (64,9 %) der Befragten, dass sie mit den Leistungen insgesamt zufrieden oder sehr zufrieden waren. Zum Vergleich: In einer Studie über 13 Transfergesellschaften aus dem Jahr 2012 liegt der Anteil der Teilnehmer/innen mit positivem Gesamturteil mit 67,5 Prozent um 2,5 Prozentpunkte höher.

Die Bochumer Arbeitsmarktforscher haben auch den Verbleib der Transferteilnehmer/innen auf dem Arbeitsmarkt gemessen. Zum Zeitpunkt der Befragung, im Frühjahr 2015, waren etwas mehr als zwei Drittel (67,6 %) der Beschäftigten in neuer sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung, etwa 3,3 Prozent sind in Rente. 25,0 Prozent der Praktiker-Beschäftigten bezogen Arbeitslosengeld. Fragt man diese Gruppe nach der Qualität der Transfergesellschaft, tendieren 69,6 Prozent zu einem positiven Ergebnis. Dies ist annähernd der gleiche Wert wie bei den Teilnehmer/innen, die in Beschäftigung übergegangen sind (68,5 %). Der Status auf dem Arbeitsmarkt, so die Studienergebnisse, hat keinen Einfluss darauf, wie die Qualität der Transferberatung durch die Teilnehmer/innen bewertet wird. Dies bestätige die These, so Mühge, dass Daten über den Verbleib auf dem Arbeitsmarkt für sich allein keinen geeigneten Indikator darstellen, um die Qualität arbeitsmarktpolitischer Beratung zu bewerten.

08.01.2016