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Schlösser und Beschläge: Innovation und Vielfalt

Schlösser und Beschläge gehören zum Kernsortiment eines jeden Baumarkts. Modetrends und neue Entwicklungen sorgen hier für ein stetigen Wechsel des umfangreichen Warenangebotes. Daher muss der Anbieter Sorgfalt auf eine optimale Kundenansprache legen.

Schlösser und Beschläge
Ein komplettes Sortiment dekorativer Möbelbeschläge, hier von HSI.
Foto: HSI

Offenbar lassen sich die verschiedenen Sortimente der Schlösser und Beschläge nur schwer unter einen Hut bringen. Jeder Baumarkt steht vor der Herausforderung Möbelscharniere, Türstopper, Garderobenhaken, Schlösser, Holzverbinder, Verbindungsbleche und Zaunverbinder unter dem Schwerpunkt Eisenwaren anzubieten oder sie zu den Kategorien Möbel, Bad, Küche, Garten oder Sicherheit zuzuordnen. Letzteres wünscht sich Markenhersteller Abus. „Naturgemäß sind die Produktgruppen Vorhangschlösser, Türzylinder und Einsteckschlösser als typische Ersatzartikel die stärksten Produktsegmente im Baumarktbereich“, berichtet Marketingdirektor Michael Bräuer und dies sind geradezu klassische Artikel des Eisenwarensortiments. „In den letzten Jahren haben aber auch die Themen Brandschutz wie Zusatzsicherungen für Fenster und Türen an Bedeutung gewonnen.“ Zusammen mit Innovationen etwa im Bereich der einfach einsetzbaren Videoüberwachungslösungen sowie kleinen handlichen Feuerlöschdosen rechtfertigte dies nach Ansicht von Bräuer durchaus die Einführung einer neuen Kategorie Sicherheit. Einige Märkte haben eigene Sicherheitsstraßen eingerichtet oder weisen durch differenzierte Deckenbeschilderungen auf die einzelnen Produktgruppen hin.

Impulse durch Innovationsmanagement

Die Branche lebt sortimentsübergreifend stark von Neuentwicklungen. In den vergangenen Jahren durchgesetzt haben sich beispielsweise ein zweiteiliger Zaunverbinder für die verdeckte und verriegelbare Befestigung von Sichtschutzelementen (GAH-Alberts), montagefreundliche Schiebetürensysteme (Hettich) oder Produkte, die sanftes Schließen ermöglichen. „Die Innovation in den letzten Jahren waren selbst- und gedämpft schließende Möbelscharniere und Schubladenführungen, die auch für grifflose Türen und Schubladen angeboten und nachgefragt werden. Im dekorativen Bereich hat sich eine Entwicklung vom Garderobenhaken hin zur Garderobenleiste vollzogen. Auch ist festzustellen, dass der Trend zum Edelstahl langsam den Zenit überschritten hat“, sagt Jürgen Schwerter, Inhaber des Beschlagsherstellers HSI. Doch längst nicht alle Neuentwicklungen finden ihren Weg zum Kunden. So hat der österreichische Möbelzulieferer Siro einmal einen versenkbaren Garderobenhaken auf den Markt gebracht, der von der Baumarktkundschaft nicht angenommen wurde. Gut kommt hingegen eine Serie hochwertiger Selbstklebehaken für Badezimmer an. „Bei uns gibt es jedes Jahr ungefähr 100 Neuentwicklungen, die meisten davon für die Möbelindustrie, aber etwa 30 Produkte sind auch speziell für die Baumärkte gedacht“, erläutert Oliver Sikora, Prokurist von Siro. Nicht immer handelt es sich um technische Neuerungen. Knöpfe und Griffe, die die Firma in großen Stückzahlen für die Möbelindustrie produziert, werden oftmals auch in Baumärkten angeboten. Dabei kommt es etwa fünf Jahre nach Markteinführung eines Möbelstücks durch die Möbelhersteller zu einem erhöhten Bedarf an solchen Ersatzteilen. Insgesamt hält der Möbelspezialist 4.000 lagernde Artikel vor. In den Baumärkten vollzieht sich der Warenaustausch organisch, d.h. einzelne Produkte werden in regelmäßigen Abständen ausgemustert und durch andere ersetzt, ohne dass auf einen Schlag wesentliche Teile des gesamten Sortiments erneuert werden. Dies erfordert eine stetige Pflege des Programms.

Damit dies im Handel auch einfach und praktikabel gehandhabt werden kann, hat der global player aus Österreich beispielsweise ein Regalsystem entwickelt, das er Vario Click (bzw. Secure) getauft hat, bei dem die Warenmuster schnell verändert werden können. "Das System ermöglicht einen sehr einfachen und unkomplizierten Produktaustausch, ohne dass die gesamte Warenblende ausgewechselt werden muss. Der Fachhandel kann so das Sortiment an Deko-Möbelbeschlägen kontinuierlich auf Produkte mit hoher Drehzahl konzentrieren und neu eingeführte Produkte problemlos testen", erläutert Oliver Sikora.

Optimale Kundenansprache

Der Verbraucher muss sich an der Warenpräsentation schnell zurecht finden können und er soll dort auch alle wichtigen Informationen finden - am besten auf den ersten Blick. Das ist jedoch für manche Produkte einfacher gefordert als umgesetzt. Daher entwickeln Hersteller wie Hettich brauchbare Hilfen für den Handel. "Da unsere Produkte häufig recht erklärungsbedürftig sind und zudem auch in den meisten Fällen unsichtbar im Möbel arbeiten, müssen wir die Funktionsweise möglichst einfach und anschaulich erklären. Dies können wir am POS durch Anwendungsdemos erreichen", sagt Swen Zacharias, DIY Marketingleiter von Hettich. Über Anwendungsmuster hinaus, kann die Funktion von Scharnieren mittlerweile auch sehr gut durch Videotutorials im Internet erklärt werden. Zacharias sieht die Zukunft des Kundenservices darin, dass Produktinformationen aus dem Netz direkt an die Verkaufsregale und über Verpackungen auf die Smartphones der Endverbraucher gelangen.

Dem Kunden helfen können auch übersichtlich Informationen auf Verpackungen. Beispielsweise im Bereich der Schlösser setzen die Hersteller auf meist schon visuell erfassbare Klassifizierungen, die die Unterschiede der einzelnen Produkte verdeutlichen. Die cleversten und durchdachtesten Hilfen, die der Hersteller zur Verkaufsförderung entwickeln, können aber sehr leicht durch die Nachlässigkeit des Handels konterkariert werden. Ein visuell emotional ansprechendes Display verliert schnell seinen Reiz, wenn es neben dem Holzzuschnitt allmählich verstaubt und sollten Baumärkte auch prüfen, ob Anwendungsmuster ihre angestrebte Funktion auch erfüllen, d.h. die Schienen tatsächlich leicht laufen oder gedämpft schließen.

23.11.2017