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Die Schweizer Baumarktbranche in Zahlen

Die Baumärkte in der Schweiz konnten 2017 nach einem Umsatzrückgang im Vorjahr ein leichtes Wachstum verzeichnen und schnitten damit deutlich besser ab als der Einzelhandel insgesamt. Auch in diesem Jahr sollen die Erlöse moderat steigen.

Mit einer Verkaufsfläche von mehr als 300.000 Quadratmetern und 74 Märkten ist Coop Bau+Hobby Marktführer in der Schweiz.
Mit einer Verkaufsfläche von mehr als 300.000 Quadratmetern und 74 Märkten ist Coop Bau+Hobby Marktführer in der Schweiz.
Foto: BmM

Die Baumärkte in der Schweiz haben im Geschäftsjahr 2017 ein Umsatzwachstum um 0,5 Prozent auf 2,33 Milliarden CHF erwirtschaftet. Damit konnte die Branche die Ergebnisse der Vorjahre 2016 (-0,3 Prozent) und 2015 (-0,2 Prozent) übertreffen. Dies geht aus Zahlen des Handelsverbands Heimwerken, Bauen und Garten (BHB) hervor. Die Branche schlug sich damit besser als der Einzelhandel insgesamt, der auch 2017 einen Umsatzrückgang zu verzeichnen hatte. Der Einkaufstourismus ins benachbarte Ausland beschäftige den Einzelhandel zwar weiter, doch er sei leicht rückläufig und betreffe vor allem den Lebensmittelhandel.

Die höchsten Gesamtumsätze erzielten die Baumärkte im vergangenen Jahr mit Gartensortimenten (535,7 Millionen CHF), Werkzeugen/Maschinen (190,7 Millionen CHF) und im Segment Wand/Boden mit Anstrichmitteln, Bodenbelägen, Malerzubehör und Wandverkleidungen (189,0 Millionen CHF), gefolgt von Bauelementen/Bauchemie/Baumaterial (172,6 Millionen CHF) und Sanitärwaren (134,2 Millionen CHF). Die deutlichsten Umsatzzuwächse zeigten sich im Vergleich zum Vorjahr bei Haushaltswaren (+6,9 Prozent), Möbeln (+3,7 Prozent) und Bauelementen/Bauchemie/Baumaterial (+2,8 Prozent) sowie bei den Gartensortimenten (+2,5 Prozent). Signifikante Umsatzrückgänge mussten die Baumärkte bei Saisonartikeln/Merchandising (-4,8 Prozent) sowie bei Beleuchtung (-4,3 Prozent) und Elektro (-2,6 Prozent) hinnehmen. Für dieses Jahr erwartet der BHB auch nach Ablauf des ersten Halbjahres für den Baumarkhandel in der Schweiz ein Umsatzwachstum von 1 Prozent, ebenso auf bereinigter Fläche.

Marktführer der DIY-Branche

Neben der Schweiz, nahm BaumarktManager auch andere nationalen DIY-Märkte unter die Lupe.  Alle Daten dazu finden Sie im Dossier „Länderreport 2017“.

Im gesättigten Schweizer DIY-Markt blieb die Gesamtzahl der Baumärkte 2017 gegenüber dem Vorjahr praktisch unverändert. Die sechs größten Baumärkte – Coop Bau+Hobby, Jumbo, Do it + Garden, Hornbach, Obi und Bauhaus – zählten zum Jahresende 180 Standorte mit einer Gesamtverkaufsfläche von knapp 818.000 Quadratmetern. Marktführer mit einem Flächenanteil von 38 Prozent ist das Vertriebsformat Coop Bau+Hobby der Coop-Gruppe, die vor 150 Jahren als Konsumgenossenschaft startete und heute ein international tätiges Einzel- und Großhandelsunternehmen ist, das im vergangenen Jahr 29,2 Milliarden CHF umsetzte. Die Baumarktsparte konnte die Erlössituation 2017 für ihre 74 Standorte gegenüber dem Vorjahr verbessern. Während 2016 ein Umsatzrückgang von 1,8 Prozent zu verzeichnen war, weist der Geschäftsbericht für 2017 ein Plus von 0,5 Prozent auf 625 Millionen CHF aus. Die Fläche wuchs in diesem Zeitraum um 0,4 Prozent auf 307.087 Quadratmeter. Im April dieses Jahres schickte der Marktführer in Rickenbach sein neues Flaggschiff an den Start. Der modernisierte und auf 7.400 Quadratmeter erweiterte Standort ist der größte des Unternehmens und verfügt über ein neu errichtetes 2.500 Qua­dratmeter großes Gartencenter. Die Filiale hat eine Photovoltaik-Anlage mit Eigenstromnutzung auf dem Dach, was in der Schweiz bei Neubauten allerdings Pflicht ist. Die Beleuchtung wurde komplett auf LED umgestellt. Die Kunden können sich jetzt auch Onlinebestellungen anderer Coop-Vertriebslinien in den Baumarkt liefern lassen und dort abholen.

Jumbo, die Nummer zwei der Baumärkte in der Schweiz, gehört zur Maus Frères Holding, eine der größten Einzelhandelsgruppen (Warenhäuser, Supermärkte, Sportartikel und Outdoor) des Landes. Das familiengeführte Genfer Unternehmen hält sich mit der Herausgabe von Umsatzzahlen bedeckt. Die zuletzt veröffentlichten Zahlen für Jumbo beziehen sich auf das Jahr 2016. Die Erlöse gingen damals um 1,6 Prozent auf 551 Millionen CHF zurück. Ende 2017 wurden 40 Jumbo-Märkte mit einer Gesamtverkaufsfläche von 191.000 Quadratmetern betrieben. Aktuell werden 13 Standorte im großflächigen Maximo-Format geführt, die auf einer Verkaufsfläche von bis zu 8.000 Quadratmetern ein 65.000 Artikel umfassendes Sortiment vorhalten. Mit Jumbo Compact wurde ein Konzept für Innenstadtlagen entwickelt. Bisher wurden die Kleinflächen mit ihrem auf die städtische Bevölkerung zugeschnittenen Angebot in Basel, Zürich, Wattwil und Vevey realisiert.

Jumbo setzt auf Sharing

Der erst jüngst ins Onlinegeschäft eingestiegene Betreiber bietet seinen Kunden über die französische Dienstleisterplattform Needelp, an der Jumbo eine Minderheitsbeteiligung hält, die Möglichkeit, private Hilfskräfte für Heimwerker- und Gartenarbeiten zu buchen. Die Dienstleister bestimmen den Preis selbst. An Needelp gehen 20 Prozent der Auftragssumme. Über die Vermietungsplattform Sharely, an der die Baumarktkette ebenfalls beteiligt ist, können Kunden zudem Geräte und Maschinen ausleihen. Trotz Online bleibe das Ladengeschäft für Jumbo nach wie vor wichtig, doch der Baumarkt solle zunehmend zum Showroom werden, wie CEO Jérôme Gilg auf der diesjährigen GfK-Handelstagung erläuterte. In puncto Warenbeschaffung setzt Jumbo seit 2007 auf Synergien der Einkaufsallianz Arena, die mit sieben internationalen Mitgliedern und ihren weltweit über 5.000 Vertriebsstandorten 730 Millionen Euro umsetzt.

Das Fachmagazin BaumarktManager liefert jedes Monat neue Daten zu den nationalen und internationalen DIY-Märkten. Zusätzlich testet BaumarktManager einzelne Ketten auf Herz und Nieren in seinen Baumarkttest. Die Artikel finden Sie einzeln auf RM-Handelsmedien-Select-Shop oder Sie testen das Magazin als Mini-Abo.

Die Migros-Genossenschaft gibt auch im Geschäftsbericht 2017 keine Umsatzzahlen für die von ihr betriebenen Baumarktvertriebslinien Do it + Garden sowie Obi bekannt, sondern lediglich Zahlen für die gesamte Fachmarktsparte, die auch Micasa, SportXX und Melectronics umfasst. Deren Erlöse sind um 0,9 Prozent auf 1,617 Milliarden CHF gestiegen, nach einem Rückgang von 1,2 Prozent im Vorjahr. Migros ist seit 1999 Franchisenehmer von Obi. Im September 2018 ging ein neuer Markt in Schaffhausen mit einer Gesamtverkaufsfläche von 5.700 Quadratmetern an den Start. Er ersetzt den benachbarten Do it + Garden, der bereits Ende Juli geschlossen wurde. Damit ist Obi elf Mal in der Schweiz vertreten. Weitere Standorte sind Aigle, Basel, Oftringen, Sankt Gallen, Sant Antonino, Schönbühl bei Bern, Renens, Thun, Volketswil und Winterthur.

Neue Großfläche von Hornbach

Hornbach, seit 2002 in der Schweiz aktiv, eröffnete im April dieses Jahres diesen Markt in Affoltern.
Hornbach, seit 2002 in der Schweiz aktiv, eröffnete im April dieses Jahres diesen Markt in Affoltern.
Foto: Hornbach

Hornbach, seit 2002 in der Schweiz aktiv, eröffnete im April dieses Jahres in Affoltern am Albis im Großraum Zürich einen Baumarkt mit einer Verkaufsfläche von 12.000 Quadratmetern. Das Investitionsvolumen beläuft sich auf rund 50 Millionen CHF. Es ist nach Luzern-Littau, Galgenen, Biel, Etoy, Villeneuve und Riddes die siebte Filiale in der Schweiz. Die Gesamtverkaufsfläche wuchs auf 90.000 Quadratmeter. Die Bornheimer wollen weiter expandieren und eine Filiale in Sirnach eröffnen. Es wird die erste Niederlassung in der Ostschweiz sein.

Bauhaus ist seit 2006 in der Schweiz vertreten. Die letzte Neueröffnung erfolgte 2015 in Matran nahe Fribourg. Es ist das erste Fachcentrum in der Westschweiz. Mit den aktuell vier Standorten (Niederwangen, Schlieren, Mels und Matran) wird eine Verkaufsfläche von 55.000 Quadratmetern bewirtschaftet.

Neben den Top 6 gibt es noch die zwei regional operierenden Baumarktketten Do It und Brico. Do It ist mit vier Filialen in der Südostschweiz vertreten, die seit 30 Jahren im Tessin aktive Vertriebslinie Brico betreibt acht Baumärkte. Ein weiterer Vertriebskanal für Heimwerker- und Gartenartikel sind die rund 280 genossenschaftlichen Landi-Verkaufsstellen, die sich auf den ländlichen Raum konzentrieren und ein Sortiment anbieten, das die Bereiche Landwirtschaft, Haus, Garten sowie Lebensmittel umfasst. Seit Ende 2017 wird auch ein Onlineshop betrieben. Rund 60 Prozent des Umsatzes werden über Eigenmarken generiert. Die Baumärkte profitieren laut Marketing- und Dienstleistungsgesellschaft Landi von einem hohen Bekanntheitsgrad, der bei 98 Prozent liege.

Die Top sechs in der Schweiz 2017
Baumarkt Anzahl der Märkte Verkaufsfläche (qm)
Coop Bau+Hobby 74 307.087
Jumbo 40 191.000
Do it +Garden (Migros) 46 105.500
Obi (Migros) 10 81.303
Hornbach 6 78.000
Bauhaus 4 55.00

Quelle: Unternehmenszahlen

24.03.2019