zurück

Smart Home: Herausforderung für Baumärkte

Unter dem Begriff Smart Home geistert seit einigen Jahren die Vision durch die Medien. Nämlich die einfache und zentrale Kontrolle aller elektrischer Geräte im Haushalt. Baumärkte stehen bei diesem Angebot vor einer Herausforderung.

Smart Home umfasst mehr als Heizkörper und Licht
Foto: Pixabay

Das elektrische Garagentor, das sich per Knopfdruck aus dem Wagen öffnen lässt, mag der Anfang des Smart Homes gewesen sein. Doch die Entwicklung ist mittlerweile um einige Lichtjahre vorangeschritten. Um mehrere elektrische Geräte zentral betreiben zu können, ist in der Regel eine Elektroinstallation notwendig, die von einem Fachmann eingebaut werden muss. Oft handelt es sich dabei um einen EIB Bus, der die Daten an die verschiedenen Geräte übertragt. Der dort genutzte KNX Standard ist aber nicht der einzige, der auf dem Markt vorhanden ist.

Bus oder Funk

Um eine Festinstallation zu umgehen, beschreiten verschiedene Firmen andere Pfade auf dem Weg zur Hausautomation. Philips beispielsweise dringt mit einem Lampensortiment in den Markt. Produkte des niederländischen Herstellers, die in ihrem Namen ein hue führen, sind Smart Home-fähig. Sie lassen sich zentral von einem Computer oder einem mobilen Endgerät aus an- und abschalten, dimmen oder mit Wetterdaten aus dem Internet vernetzen. Nötig sind dazu neben den Endgeräten ein WLAN-Router im entsprechenden Haushalt und ein Zusatzgerät, das daran angeschlossen wird. Dieser Bus sorgt für die Verteilung der Daten. Wird eine entsprechende App auf das Handy oder den Computer geladen, kann die Verbindung hergestellt und die Geräte damit gesteuert werden. Insgesamt 50 Lichtquellen kann der Verbraucher so steuern.

Einen Schritt weiter geht Bosch: Ausgehend von einem ähnlichen technischen System wird die Regelung der Heizungsanlage und der einzelnen Thermostate in einem Haus ermöglicht. Der smarte Thermostat ist mit vielen unterschiedlichen Gas- und Heizkesseln von Bosch kompatibel und lässt die Regelung der Heizung über eine drahtlose Internetverbindung von einem Smartphone oder Tablet aus zu. Blaupunkt setzt bei seinen Alarmanlagensystemen nicht auf einen vorhandenen Internetanschluss, sondern stellt ein eigenes Funknetz in der Wohnung her, das mittels einer SIM-Karte mit dem Besitzer kommuniziert und sich über diese „eigene“ Telefon- oder Datenverbindung auch steuern lässt. Darüber hinaus gibt es zusätzlich eine bestechend einfache Steuerungseinheit mit nur vier Knöpfen.

Baumarkt noch zurückhaltend

In den Baumärkten sind solche Produkte derzeit nur höchst vereinzelt zu finden. So gibt es Angebote, die im weiteren Sinne der Hausautomation zugerechnet werden können wie Funkgongs, vernetzte Feuermelder, Zeitschaltsteckdosen und Türsprechanlagen. Diese finden sich allerdings verstreut zwischen elektrischen Luftbefeuchtern, Schaltern, Lampen und Aufputzsteckdosen. An einer völlig anderen Stelle im Markt werden dann auch programmierbare Rolladenantriebe angeboten. Das smart home wird in Bau- und Heimwerkermärkten nicht als ein ganzheitliches System präsentiert, sondern als einzelne elektrische Komponenten, die das manuelle Sortiment ergänzen.

Die generelle Herausforderung besteht darin, dass die Idee des Smart Homes nicht aus einer Fülle von Einzellösungen besteht, die jeweils ihre eigenen Verbindungen und Apps benötigen, sondern in einer Gesamtlösung für das Haus, die je nach Wunsch Heizung, Sicherheit, Rollladen, Lampen, Küchengeräte und Waschmaschinen gemeinsam vernetzt. Die Produkte lassen sich teilweise auch mit anderen Geräten und Anwendungen kombinieren. Das ist aber nur mit bestimmten Produkten einzelner Hersteller möglich. Möchte ich beispielsweise mit dem Smart Wizzard meine Philipslampen steuern, kann ich das Gerät nur für die Steuerung der Rollläden eines einzigen Anbieters nutzen. Dieses Problem hat die Industrie erkannt und versucht an gemeinsamen standardisierten Lösungen zu arbeiten. Augenblicklich scheint der Wunsch aber noch stärker zu sein, als die Realität. Bosch etwa feiert sein System Home Connect als erste weltweite Lösung, das Haushaltsgeräte unterschiedlicher Marken zentral steuert. Als einzige Hausgerätehersteller werden bislang aber nur Bosch und Siemens genannt.

Chancen für die Baumärkte

Welche Rolle die Baumärkte bei dem Thema spielen werden ist ungewiss. „Das kann derzeit niemand voraussehen“, sagt Jens Bleckmann, Marketingleiter bei Brennenstuhl. „Das Thema wird in der DIY Branche viel diskutiert. Der Durchbruch von Homeautomation in den Massenmarkt wird in verschiedenen Studien heraufbeschworen, er hat aber noch nicht wirklich eingesetzt“, beschreibt er die derzeitige Realität.

Der Hersteller Smartwares Safety & Lighting GmbH sieht Chancen eher für konsumentenorientierte Komplettlösungen als für Einzelkomponenten. Für dies, beispielsweise IP Kameras zur Überwachung per App stünden eher die Fachhändler oder große Elektronikketten in vorderer Reihe. Fast entgegen gesetzt ist die Einschätzung von Stephan Cochanski. „Die Baumärkte werden eine untergeordnete Rolle spielen, denn das Hauptgeschäft der erklärungsbedürftigen Produkte ist bereits ins Internet gewandert“, äußert sich der Geschäftsführer von GEV. „Die Baumärkte werden Einzelprodukte wie schaltbare Steckdosen oder LED Leuchten vermarkten können, aber keine ganzen Systeme.“

Tatsächlich scheint die Komplexität des Themas einer leichten Verkäuflichkeit im Wege zu stehen. Wenn das System per EIB Bus gesteuert wird, muss es durch eine Elektrofachkraft installiert werden. Hier gibt es einen Erklärungsbedarf, den die Baumärkte derzeit nicht befriedigen können. Das zukünftige Smart Home muss aber nicht zwangsläufig ohne den Baumarkt entstehen. Allerdings wäre hierfür eine weitreichendere Entscheidung notwendig als nur das Angebot bestimmter einzelner Produkte. „Das Thema müsste so aufgezogen werden wie die Bad- oder Küchenabteilungen“, sagt Stephan Cochanski. Die Märkte müssten sich für ein System entscheiden, bei denen die verschiedenen Komponenten vom Rolladen bis zur Heizung zusammenpassen und die Vermarktung müsste durch Fachpersonal erfolgen. Dieses macht dann die Abschlüsse und vermittelt gegebenenfalls die notwendige Elektrofachkraft, die das System im Haus der Verbraucher installiert.

01.01.2019