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Kommt die Sprachsteuerung in den DIY-Bereich?

Dank des rasanten Aufstiegs digitaler Sprachassis­tenten prognostizieren Experten nun den großen Durchbruch von Smart-Home-Anwendungen. Die Baumärkte tun sich mit dem Sortiment nach wie vor schwer – mit Ausnahmen.

Keine Antwort vom Marktführer. Auch die Nummer Zwei muss „leider absagen“, möchte auf Anfrage von baumarktmanager nicht mitteilen, wie man derzeit auf der Fläche und im Online-Shop mit dem Sortimentsbereich Smart Home umgeht. Ganz anders Hornbach – kein Wunder: Die Bornheimer sind kürzlich mit „SMART HOME by Hornbach“ (baumarktmanager berichtete) vorgeprescht und verfügen damit innerhalb des DIY-Handels momentan über ein Alleinstellungsmerkmal. Mithilfe eines zentralen Gateways lassen sich verschiedene smarte Produkte aus dem Sortiment steuern. Das System ist zudem kompatibel mit Amazon Alexa, weitere Sprachassistenten sollen laut Hornbach in Kürze folgen.

Neben Alexa gibt es Google Home und Apple Home Sprachassitenten
Per Sprache das Licht steuern oder Online einkaufen. Sprachassistenten machen es möglich.
Foto: Messe Berlin

Smarte Lautsprecher wie Amazons Echo, Google Home oder der HomePod von Apple liegen absolut im Trend. Jeder achte Deutsche (13 Prozent) nutzt bereits ein solches Gerät. Dies geht aus einer Studie des Digitalverbandes Bitkom und des Beratungsunternehmens Deloitte hervor, die anlässlich der IFA in Berlin vorgestellt wurde. „Wir erleben gerade den rasanten Aufstieg intelligenter Sprachassistenten”, sagte Dr. Christopher Meinecke, Leiter Digitale Transformation bei Bitkom. „In den nächsten Jahren werden wir immer mehr Geräte wie selbstverständlich mit unserer Stimme steuern. Hier entsteht gerade ein neuer Milliardenmarkt.“

Smart Home Anwendungen werden bei Kunden immer beliebter und erobern die Wohnräume. Dabei beschränkt sich Smart Home nicht nur auf Lampen und Leuchten, sondern hat noch viel mehr zu bieten. Welche Produkte und Anwendungen das sind, erfahren Sie in unserem Smart Home Retail E-Paper.

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Amazon treibt Entwicklung voran

Amazon ist einer der Vorreiter bei sprechenden Assistenten. Der US-Gigant steckt Alexa nicht nur in die hauseigenen Echo-Lautsprecher, sondern versucht massiv, sie auch in Technik anderer Anbieter unterzubringen. Inzwischen gebe es 20.000 Geräte mit sogenannten Alexa Skills wie Amazons Smart-Home-Chef Daniel Rausch am Rande der IFA sagte. Ende vergangenen Jahres seien es erst 4.000 gewesen. Amazon geht davon aus, dass Menschen sich in Zukunft ganz selbstverständlich mit Technik in ihrer Umgebung unterhalten, ohne darauf zu achten, an welches Gerät sie sich gerade wenden. Rausch: „Sie werden eventuell unterscheiden, welchen digitalen Assistenten sie ansprechen – aber es wird immer weniger wichtig, welches Gerät ihnen zuhört.“

Die intelligenten Lautsprecher befeuern nach Überzeugung von Experten den Durchbruch von Smart-Home-Anwendungen. Laut der Bitkom-Studie kann sich mehr als jeder vierte Deutsche (27 Prozent) vorstellen, künftig per Sprache Geräte zu bedienen. Aktuell steuern 37 Prozent der Nutzer ihre Smart-Home-Anwendungen mit der Stimme. Das Smartphone liegt als Steuerzentrale allerdings noch weit vorn: Handy oder Tablet nutzen 76 Prozent der Nutzer für die Steuerung ihrer vernetzten Geräte zu Hause. Entscheidend für den Erfolg von Sprachassistenten werde ein großes Angebot an Anwendungen sowie die Vernetzung mit anderen smarten Geräten sein, so Bitkom-Mann Meinecke.

Unabhängig von der Sprachsteuerung ist der Smart-Home-Markt in Deutschland noch nicht systematisch erschlossen. Angesichts der Nähe zum gesamten Themenkomplex Haus und Garten sind die Baumärkte im Grunde genommen prädestiniert dafür, den Vertrieb an sich zu reißen. Allerdings ist das Sortiment beratungsintensiv, wie zum Beispiel Marcus Brandt, Bereichsleiter Einzelhandel bei Bauvista, feststellt. Smart Home sei „primär für technikaffine Menschen“ und aufgrund des erhöhten Installationsaufwands derzeit „nur eingeschränkt DIY-fähig“. Bauvista setzt im Sortiment auf die „Smart-Friends“-Lösung, da diese „eine gewisse Sortimentsabdeckung in einem Standard ermöglicht“.

Brandt kann sich vorstellen, das gesamte Smart-Home-Sortiment im Markt auf einer Sonderfläche zu präsentieren. Dazu müsste die Präsentation schlüssig und durchgängig sein, meint er und verweist nochmals auf die notwendige Beratungsqualität: „Aktuell ist es so, dass ein Verkäufer so ein Konzept eigentlich zu Hause haben, müsste, um es authentisch verkaufen zu können.“ Dazu komme die Schnittstellen-Problematik, wenn es darum geht, Produkte und Lösungen verschiedener Hersteller miteinander kompatibel zu machen.

In die gleiche Kerbe schlägt Toom: Bisher gebe es keinen einheitlichen Standard. Jeder Hersteller biete sein eigenes System an, die Systeme seien nicht untereinander kompatibel, teilten die Kölner auf Anfrage von baumarktmanager mit. Für Kunden sei dies „oftmals schwer nachzuvollziehen und wird daher noch nicht vollständig akzeptiert“. Zudem spiele das Thema Überwachung und Sicherheit eine große Rolle bei den Kunden.

Toom testet Sonderfläche

Das Haus der Zukunft: Das ganze Haus ist untereinander vernetzt und kann zentral gesteuert werden.
Das Haus der Zukunft: Das ganze Haus ist untereinander vernetzt und kann zentral gesteuert werden.
Foto: Messe Berlin

Nichtsdestotrotz sei Smart Home für Toom „sehr relevant“, betont eine Unternehmenssprecherin. „Bereits heute bieten wir unseren Kunden verschiedene Produkte in diesem Bereich an. In 117 Testmärkten werden gerade die Smart-Home-Lösungen von Bosch eingeführt, darüber hinaus bieten wir unseren Kunden in allen Märkten Wi-Fi-Steckdosen von G-Home, in circa 40 Märkten die smarten Alarmsysteme von Abus sowie in einigen Märkten smarte Lösungen von Philips Hue an.“ Zudem läuft in dem im Mai 2017 neu eröffneten Toom-Markt in Alzey ein Test mit einem sogenannten Smart-Home-Haus. Auf der Sonderfläche sind diverse Produkte verschiedener Hersteller ausgestellt.

Auch Hornbach arbeitet offenbar an einer neuen Präsentation für die stationären Geschäfte: „Bei Hornbach stehen grundsätzlich nicht einzelne Produkte im Fokus, sondern stets der Kunde und sein konkretes Projekt“, sagt Sprecher Florian Preuß. „Diesem Anspruch werden wir in Kürze mit einer neu entwickelten Präsentationsform in den Märkten auch beim Thema Smart Home noch stärker gerecht werden.“

Der Schnittstellen-Problematik setzt Hornbach die eingangs erwähnte Eigenentwicklung entgegen. Damit „haben wir eine Hürde, die in der Vergangenheit immer mal wieder von Kunden genannt worden war, abgeräumt“, sagt Preuß. „Der Kunde muss die Smart-Home-Anwendungen jetzt nicht mehr über verschiedene Apps steuern, sondern kann dazu unser zentrales System nutzen.“ Die Bedienung, Installation und Inbetriebnahme angeschlossener Geräte könne sich der Kunde im Markt zeigen lassen. Eine fundierte Beratung sei „jederzeit möglich, die Mitarbeiter haben ein intensives Schulungsprogramm absolviert“. Zudem bietet Hornbach einen Installationsservice an.

Die Bornheimer gehen davon aus, dass die Nachfrage nach Smart-Home-Anwendungen weiter anhält. Mittelfristig, so Preuß, dürfte sich der „Hype“ um das Thema aber auflösen, weil smarte Technologien dann ganz selbstverständlich als Lösungen für verschiedene Projekte in Haus und Garten mitgedacht würden.

Smart Home Anwendungen umfassen bereits ein breites Portfolio. Ob Lampen und Leuchten, Wärmeregulierung, Klimaanlagen oder Mähroboter alles kann einfach über das Smartphone bedient werden. Ein weiterer Schritt in der Bedienung ist die Sprachsteuerung. Alexa und Co. wandel gesagtes in Befehle um und steuern damit die smarten Helfer. Welche Produkte über Sprachassistenten bedienbar sind, lesen Sie im Smart Home Retail.

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09.10.2018