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Stihl erzielt Umsatzplus

Die Stihl-Gruppe hat Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr vorgestellt und eine Ausblick auf 2020 gegeben. Demnach erzielte Stihl 2019 mit 3,93 Milliarden Euro ein Umsatzplus von 4 Prozent gegenüber Vorjahr (3,78 Milliarden Euro). Aktuell schlägt die Corona-Krise zwar zu Buche, mittelfristig bleibt man jedoch optimistisch.

Stihl PK 2020, Dr. Bertram Kandziora
Stihl-Vorstand Dr. Bertram Kandziora stellte die aktuellen Zahlen vor.
Foto: Stihl

„Trotz zahlreicher Herausforderungen im vergangenen Jahr haben wir beim Umsatz in der Unternehmensgruppe ein Plus erzielt. Gleichwohl gingen die zunehmenden Handelskonflikte, die schwächelnde Weltwirtschaft und ungünstige Witterungsbedingungen nicht spurlos an uns vorbei“, so Stihl Vorstandsvorsitzender Dr. Bertram Kandziora auf der Bilanz-Pressekonferenz des Unternehmens, die vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie am 28. April im virtuellen Raum stattfand. Bereinigt um Wechselkurseffekte lag das Umsatzwachstum der Stihl-Gruppe demnach bei 2,7 Prozent. Das Ergebnis verblieb auf Vorjahresniveau. Die Eigenkapitalquote rangierte mit etwa 69 Prozent ebenfalls in der bekannten Größenordnung. Der Personalstand in der Gruppe ging im Vergleich zum Vorjahresstichtag um 2,3 Prozent auf weltweit 16.722 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum Stichtag 31. Dezember 2019 zurück.

Deutscher Markt über Vorjahr

Im deutschen Markt erzielte Stihl im Geschäftsjahr 2019 eine moderate Absatz- und Umsatzsteigerung über Vorjahresniveau, trotz Auswirkungen der Trockenheit im Jahr 2018. Als erfreulich verbucht man das Absatzwachstum bei Akku-Geräten und Hochdruckreinigern. Auch der Start in das Jahr 2020 verlief laut Kandziora positiv. Bis März konnte der Umsatz deutlich erhöht werden. Dennoch sei das erste Quartal des laufenden Geschäftsjahres bereits durch die weltweite Ausbreitung des Coronavirus geprägt. „Nach einem sehr guten Januar und Februar endete das erste Quartal auf Vorjahresniveau. Da die Händlergeschäfte in einer Reihe von Ländern geschlossen sind, gehen wir von einem nennenswerten Rückgang im zweiten Quartal aus. Mittelfristig bleiben wir optimistisch“, so der Stihl Vorstandsvorsitzende.

International heterogene Entwicklung

International betrachtet ergibt sich für 2019 ein sehr heterogenes Bild. Positiv entwickelte sich der Absatz in Westeuropa und in Osteuropa ohne Russland. Nordamerika, das viele Jahre Wachstumstreiber für die Stihl Gruppe war, verzeichnete einen leichten Rückgang. Diese Entwicklung ist vor allem auf die Kälte und Nässe zu Beginn der Gartensaison zurückzuführen. In Asien erzielte das Unternehmen ein leichtes Absatzwachstum. Insbesondere Indien entwickelte sich mit einem zweistelligen Plus sehr positiv. Der Absatz in Afrika, wo das Unternehmen in Südafrika und seit 2017 in Kenia mit einer zweiten Tochtergesellschaft vertreten ist, lag auf Vorjahresniveau. Sein weltweites Händlernetz hat Stihl Im vergangenen Jahr auf 53.000 Fachhändler ausgebaut.

Leichtes Umsatzplus im Stammhaus

Das deutsche Stammhaus, die Andreas Stihl AG & Co. KG, erzielte 2019 einen leichten Umsatzanstieg um 0,8 Prozent auf 1,21 Milliarden Euro (Vorjahr: 1,2 Milliarden Euro). Zu diesem Plus hat auch eine Verschiebung im Produktmix beigetragen. So wurden im vergangenen Jahr mehr höherwertige Produkte verkauft als im Vorjahr. Der Absatz im Stammhaus ist hingegen gesunken. Dennoch investiert das Familienunternehmen weiterhin stark in den Standort Deutschland. 134 Millionen Euro und damit zehn Milliarden Euro mehr als im Vorjahr, wurden hierfür 2019 veranschlagt. Der Großteil der Investitionen floss hier in die Erweiterung des Logistikzentrums in Ludwigsburg, die Aufstockung des Produktionslogistikzentrums in Waiblingen-Neustadt, die Modernisierung des Stammsitzes und den Bau der Stihl Markenwelt in Waiblingen. Auch die Belegschaft der Andreas Stihl AG & Co. KG wuchs um 1,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahresstichtag. Zum 31. Dezember 2019 waren 5.090 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Stammhaus beschäftigt, davon 3.626 in Waiblingen, 247 in Ludwigsburg, 395 in Fellbach, 755 in Weinsheim und 67 in Wiechs am Randen.

Gedämpftes erstes Quartal  

Weltweit war das erste Quartal des laufenden Jahres stark durch die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus geprägt. So begann das Jahr 2020 für die Waiblinger zunächst mit einem Absatz- und Umsatzplus. Allerdings wirkte sich die Ausbreitung des Coronavirus ab März dämpfend auf das Geschäft aus. Für 2020 rechnet Stihl daher insgesamt mit einem Absatzrückgang, der jedoch nicht weiter beziffert wurde. Auch seien die Auswirkungen der Maßnahmen zur Eindämmung der Covid-19 Pandemie aufgrund der sehr dynamischen Entwicklung aktuell noch nicht konkret absehbar. Gravierende Lieferengpässe zeichneten sich jedoch nicht ab, auch dank der zahlreichen Fertigungsstandorte und guten Fertigungstiefe von Stihl, die bei etwa 50 Prozent in Deutschland liegt. „Wir können dank unserer hohen Flexibilität kurzfristig auf Änderungen in den Märkten reagieren. Mittel- und langfristig bleiben wir optimistisch“, betonte Kandziora. So geht Stihl nach Bewältigung der Coronakrise auch wieder von zunehmender Dynamik in den Märkten und steigenden Absatzzahlen aus.

Neues E-Commerce-Angebot

Nicht zuletzt war das Corona-Szenario ausschlaggebend für den vorgezogenen Start von Stihl direct, dem neuen Online-Shop von Stihl, am 20. März. Über die Plattform können nahezu alle Geräte der Waiblinger online bestellt und direkt nach Hause geliefert werden. Auch der servicegebende Fachhandel soll durch das neue E-Commerce-Angebot gestärkt werden. Seit Mitte April ist so auch die Option Click & Collect in den Shop integriert. Diese lässt Kunden die Wahl, bestellte Produkte beim Fachhändler ihrer Wahl abzuholen und so dort für Frequenz zu sorgen. Für die Bereitstellung von Beratung und professionellem Service vor Ort erhält der benannte Fachhändler beim Kauf eines Gerätes im Netz eine Vergütung. Insgesamt wird der Shop laut Stihl sehr gut angenommen, obwohl erst allmählich das gesamte dafür vorgesehene Sortiment dort verfügbar ist.

Wachstumssegment Akku

Gleichwohl sieht man sich, nicht zuletzt vor dem anhaltenden Pandemie-Geschehen, einer Reihe von Herausforderungen gegenüber. Neben der Weiterführung des Geschäftsbetriebs unter erheblichen Einschränkungen für Fertigung und Vertrieb während der Pandemie nennt Kandziora hier den zunehmenden Wettbewerb im Akku-Segment. Derzeit trägt diese Sparte mit 15 Prozent zum Gesamtumsatz von Stihl bei. Mit reinen Akku-Lieferanten will man sich nicht vergleichen, jedoch sei diese Quote für einen Kombi-Anbieter recht gut. Gestärkt wird das Geschäftsfeld seit 2019 auch durch eine eigene Akkuproduktion am Standort Waiblingen, die laut Martin Schwartz, Stihl Vorstand für Produktion und Materialwirtschaft, einen erste Option in der Industrialisierung der Akku-Fertigung darstellt. Jedoch werden hier lediglich professionelle Akkus gepackt. Tatsächlich beobachtet man eine zunehmende Substitution von Benzin-Produkten durch Akku-Produkte. Während der Absatz von Akku-Geräten stieg, sank bereits 2019 die Nachfrage nach Produkten mit Benzin-Antrieb. Insgesamt blieb der Absatz jedoch stabil. Auch werde es insbesondere im professionellen Bereich immer Bedarf an Benzinmodellen geben, versicherte Kandziora.

Perspektive für 2020

Darüber hinaus seien 2020 schwache weltwirtschaftliche Rahmenbedingungen zu erwarten. Stihl tritt diesen mit einer Reihe von Projekten zur Effizienzsteigerung und Kostenreduzierung entgegen. Dass dies zu meistern sein wird, steht für den Vorstand außer Frage: „Stihl hat in seiner über 90-jährigen Geschichte schon einige Krisen gemeistert. Ich bin zuversichtlich, dass wir auch diese weltweite Coronakrise meistern werden. Als Familienunternehmen tragen wir in der Coronakrise ein hohes Maß an Verantwortung gegenüber unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Dazu gehört auch, dass wir versuchen, Arbeitsplätze zu sichern und, soweit es möglich ist, weiter zu produzieren und unsere Händler zu beliefern."

29.04.2020