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Studie: Geringer Kaufkraftgewinn in 2017

Die Korn Ferry Hay Group hat branchenübergreifend Löhne und Gehälter in Deutschland untersucht. In diesem Jahr steht den Arbeitnehmern der geringste Kaufkraftgewinn seit sechs Jahren bevor. Handel steht vor großen strukturellen Herausforderungen.

Thomas Gruhle
Thomas Gruhle: „Der Handel hat große strukturelle Herausforderungen vor sich – dementsprechend vorsichtig ist man da bei Lohnsteigerungen.“
Foto: Ferry Hay Group

Die Löhne und Gehälter in Deutschland sind im Jahr 2017 durchschnittlich um 2,4 Prozent gestiegen. Aufgrund einer Inflationsrate von 1,7 Prozent bleibt den Menschen jedoch nur ein Plus von 0,7 Prozent. Das Jahr 2018 verspricht eine leichte Steigerung der realen Kaufkraft: Bei einer erwarteten nominalen Gehaltserhöhung von durchschnittlich 2,5 Prozent und einer prognostizierten Inflationsrate von 1,6 Prozent bleibt am Ende erneut nur ein Anstieg von 0,9 Prozent übrig. Das hat die aktuelle Untersuchung der deutschen Gehaltszahlen über alle Branchen und Berufe hinweg der weltweit größten Personal- und Organisationsberatung Korn Ferry Hay Group ergeben.

„Die Reallohnsteigerung des Jahres 2017 bleibt damit sogar noch 0,3 Prozentpunkte hinter unserer letztjährigen Prognose zurück“, sagt Thomas Gruhle, Vergütungsexperte bei Korn Ferry Hay Group. Im vergangenen Jahr hatten die Wirtschaftsforschungsinstitute noch mit einer Inflation von 1,5 Prozent gerechnet, die nominale Erhöhung war von uns mit 2,5 Prozent prognostiziert.

Im Jahr 2016 sind die Reallöhne immerhin noch um 2,2 Prozent gestiegen. Thomas Gruhle sagt: „Auch 2018 werden die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer kaum Kaufkraft gewinnen. Zwar wird sich nach aktueller Prognose die Inflation leicht auf 1,6 Prozent abschwächen. Gleichzeitig planen die Unternehmen aber wie im Vorjahr eine nominale Lohnerhöhung um 2,5 Prozent. Die Menschen werden dadurch nur 0,9 Prozent mehr in der Geldbörse haben.“Die Prognose kann sich zudem noch signifikant ändern. Denn 40 Prozent der Unternehmen haben angegeben, noch nicht sicher zu sein, ob und in welchem Maße sie ihre Löhne und Gehälter anheben werden.

Einzelhandel ist Schlusslicht

Die höchsten Nominalerhöhungen in den Branchen konnten im Jahr 2017 die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in der Chemie (2,7 Prozent), im Gesundheitssektor (Health & Life Sciences, 2,6 Prozent) sowie in der Hochtechnologie (2,6 Prozent) verzeichnen. Schlusslichter sind Versorger (1,8 Prozent), Öl und Gas (2,0 Prozent) und der Einzelhandel (2,1 Prozent). Im Jahr 2018 plant der Gesundheitssektor die höchste Steigerung (2,7 Prozent), gefolgt von Chemie, produzierender Industrie und Dienstleistungen (je 2,6 Prozent).

„Versorger, Energie und Handel haben große strukturelle Herausforderungen vor sich“, sagt Thomas Gruhle. „Dementsprechend vorsichtig sind sie bei den Lohnsteigerungen auch bereits in den vergangenen Jahren gewesen. Bei leicht sinkendem prognostizieren Wirtschaftswachstum für das Jahr 2018 (BIP: 1,6 Prozent) bleiben sie bei der Aussicht auf Gehaltserhöhungen auch im Folgejahr bescheiden. Vor allem den Handel bedrücken die geringen Kaufkraftzuwächse. Trotzdem müssen auch diese Branchen schauen, dass sie für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im ‚War for Talents’ attraktiv bleiben.“

11.10.2017