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Werkzeug mieten statt kaufen

Was in Baumärkten gut läuft, wobei wie zu anderen Services noch keine Nutzerzahlen nach außen dringen, sind Mietgeräte. Weit über die Hälfte der Baumarktkunden (61,9 %) interessieren sich dafür, genutzt haben den Verleih bereits 32,1% (IFH: 2016). Tendenz steigend.

Ansicht eines Werkzeugregals
Kunden die sich Werkzeug mieten, kommen öfter in den Baumarkt. Eine Chance für einen Zusatzkauf.
Foto: bmm

Sich Dinge auszuleihen, statt sie anzuschaffen, liegt im Trend – insbesondere bei der jüngeren Generation. „Sharing Economy“ heißt hier das Stichwort, Baumärkte sollten sich entsprechend aufstellen und den Bedarf nicht an sich vorbeiziehen lassen.

So bieten mittlerweile viele Ketten verschiedene Profi-Werkzeuge und Maschinen für ein paar Stunden, über das Wochenende oder auch mehrere Tage im Verleih an. Ausgeliehen werden können Baumaschinen, Elektrogeräte, Renigungsgeräte, Handwerkzeuge, Leitern und einiges mehr. Auch Gartenbesitzer sind dankbare Ausleiher für Geräte, die sie nur einmal im Jahr benötigen, wie etwa einen Vertikutierer oder eine Motorsäge.

Häufig holen sich die Marktleiter professionelle Hilfe für die Vermietung. Die Abwicklung des Verleihs, die Wartung und Reparatur sowie die Präsentation im Markt – darum kümmern sich Mietpartner wie der niederländische Anbieter „Boels/Rentpartner“ und der deutsche Verleiher „Rentas Mietgeräte“. Sie bringen gleich auch das Equipment aus ihrem Maschinenpark mit, so dass sich der Baumarkt um fast nichts kümmern muss. Im Unterschied zu Boels, die Markt-Mitarbeiter für die Abwicklung des Verleihs an den Kunden schulen, bringt Rentas eigenes Personal in die Märkte, was dem Kunden nicht weiter auffällt. Der Verleih soll bei beiden Partnern als Service des Baumarkts verstanden werden.

OBI, toom und HORNBACH sowie weitere Händler arbeiten mit Boels/Rentpartner zusammen, der auch in Willich eine Verwaltungszentrale eingerichtet hat. Ab acht Euro mietet man z. B. bei OBI ein Werkzeug für vier Stunden, die Reservierungsanfrage ist über ein Online-Formular möglich, der Vertragsabschluss folgt vor Ort. „Vermieten kann durchaus lukrativ sein“, sagt Jeroen Lauwers, Manager DIY Division bei Boels. „Ein Kunde, der mietet, kommt zwei Mal in den Markt. Einmal zum Ausleihen, einmal zum Abgeben. Da werden bei guter Beratung oft noch Dinge für sein Projekt dazu gekauft“, erklärt er. Lauwers hat die Erfahrung gemacht, dass der Wert des Warenkorbs so drei Mal höher sein kann, als bei einem normalen Baumarktbesuch. Ein Manko erkennt er in der Online-Buchbarkeit des Angebots. Viele Suchanfragen bei Google zu Mietgeräten landen nicht in den Baumärkten. Für 2018 plant das Unternehmen, dies zu ändern, indem Kunden ihr Mietgerät bereits online im Markt reservieren können.

Der Verleiher Rentas arbeitet u. a. mit Hagebau und Hellweg zusammen. Deren Maschinen werden zu 85 Prozent für einen Tag gemietet, gefolgt von Wochenendmieten. Stefan Trippler, Geschäftsführer von Rentas, rät seinen Partnern, die Mietgeräte professionell anzubieten, nicht nur nebenbei. „Unsere Dienstleistung lebt von der Beratung bei der Umsetzung eines Projektes“, sagt er. Hier muss der Baumarkt der verlängerte Arm des Mietpartners sein, den Service bewerben und ausreichend Fläche bereitstellen. „Viele Baumärkte machen zu wenig auf ihre Zusatz-Services aufmerksam, dabei können sie hiermit ihre Kunden langfristig binden und ihnen zeigen, dass man sie ernst nimmt“, erzählt er. „Nur ein Drittel der Kunden kommen wissend in den Baumarkt, alle anderen erwarten für ihre Problemstellung eine Lösung“, so Trippler.

Eigene Lösungen haben zum Beispiel die Knauber-Märkte geschaffen. Im Bonner Raum wir der Verleih dezentral von den jeweiligen Fachabteilungen organisiert. Die Geräte stammen aus dem eigenen Sortiment – sie werden für den Mietgeräteservice extra bereitgestellt. Gefällt einem das Produkt, kann man ein solches später auch kaufen. Was ausgeliehen wird, ist saisonabhängig. Derzeit ist es bei Knauber der Osmo Terrassenreiniger. Bei bauSpezi die Rüttelplatte, der Vertikutierer sowie der Mini-Bagger.

Neben Werkzeuge zu mieten, gibt es noch andere Services die sich der Kunde wünscht. Diese Zusatzservices werden bei den diesjährigen Kölner Gesprächen behandelt und sollen zeigen wie der Baumarkt seine Karten richtig ausspielen kann.

Zu den Kölner Gesprächen

31.08.2018