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Stefan Lohrberg: „Wir fahren auf Sicht, das aber mit Hochtouren“

Die aktuelle Debatte um die Durchführung von Großveranstaltungen wirft auch im Umfeld geplanter Branchenmessen Fragen auf. Stefan Lohrberg, Director spoga+gafa bei der Koelnmesse, erklärt im Interview seine Sicht zur geplanten Veranstaltung, die vom 6. bis 8. September 2020 in Köln stattfinden soll.

Stefan Lohrberg
Stefan Lohrberg zeigt sich derzeit noch zuversichtlich, was die Durchführung der spoga+gafa 2020 betrifft.
Foto: Koelnmesse

Herr Lohrberg, vor dem Hintergrund der Covid-19-Pandemie wurde im Februar die Myplant & Garden gekippt bzw. auf September verschoben. Die für Ende Juni geplanten Messen Tendence und Gardiente wurden abgesagt. Dazu noch die Absage des Oktoberfestes Ende September. Das wirft natürlich die Frage auf, wie es um die spoga+gafa bestellt ist. Bekommen Sie als zuständiger Director der Messe nicht langsam kalte Füße?

Stefan Lohrberg: Die gegenwärtige Lage gibt natürlich zu denken. Und auch wir verfolgen die Entwicklungen genau, denn die Gesundheit aller Messeteilnehmer hat für uns natürlich oberste Priorität. Gegenwärtig haben wir jedoch keinen Grund, an der Veranstaltung zu zweifeln. Im Gegenteil. Wir arbeiten weiter auf Hochtouren an den Vorbereitungen zur spoga+gafa 2020.

Das heißt, die Messe findet Anfang September wie geplant statt?

Lohrberg: Stand heute ja.

Im Grunde war diese Antwort zu erwarten, jedenfalls nach dem, was die Koelnmesse zuletzt zur spoga+gafa veröffentlicht hat. Dennoch beinhaltet sie per se eine Einschränkung, nämlich die des zeitlichen Horizonts. Immerhin kann niemand wissen, wie lange die Einschränkungen noch anhalten. Das birgt eine ziemliche Unsicherheit. Welche Deadline haben Sie sich für eine mögliche Absage der spoga+gafa gesetzt?

Lohrberg: Die Skepsis ist, nüchtern betrachtet, natürlich nachvollziehbar. Man kann es aber auch anders sehen. Viele Wochen lang blieben wir alle im Ungewissen darüber, ob Veranstaltungen wie Messen in absehbarer Zeit erlaubt sein werden oder nicht. Jetzt haben wir Sicherheit: Bis zum 31. August dürfen in Deutschland keine Großveranstaltung stattfinden. Das heißt im Umkehrschluss, dass sie ab dem ersten September wieder erlaubt sind.

Wobei sich das noch ändern kann. Und dass die Beschränkungen zum Schutz vor Covid-19 anhalten ist ja nun leider nicht ausgeschlossen. Immerhin hat auch die Koelnmesse gerade die Gamescom abgesagt. Und die war für Ende August geplant.

Lohrberg: Das ist richtig. Vorweg sei gesagt, dass die Gamescom nicht abgesagt wurde. 2020 findet sie online statt. Die Branche und die Gamer der Welt können sich somit auf ein anderes, diesmal digitales, dafür aber ebenso spannenderes Megaevent freuen. Schauen wir auf die spoga+gafa. Diese ist nicht mit einer Endverbrauchermesse wie der Gamescom zu vergleichen. Die Spielemesse zieht als Publikumsmesse, ebenso wie das Oktoberfest, inklusive City-Fest viele hunderttausende Besucher an. Die spoga+gafa als reine Fachmesse erwartet 40.000 voll registrierte Eintritte, die sich über 230.000 Quadratmeter und drei Tage verteilen. Das ist ein deutlicher Unterschied. Hier kann der Mindestabstand gewahrt werden.

Sehen das Ihre Aussteller ebenso zuversichtlich?

Lohrberg: Die Aussteller honorieren unsere transparente und, so glauben wir, faire Umgangsweise mit der aktuellen Herausforderung. Sollten sich die aktuellen Tendenzen umkehren und wir müssten, wovon wir heute nicht ausgehen, doch verschieben und ein Aussteller geht das neue Datum nicht mit, erhält er 100 Prozent der uns geleisteten Zahlungen retour. An der Gesamtsituation hat sich in den letzten Tagen erstmal nichts geändert. Wir planen, fünf Monate vor der Messe, mit Hochdruck auf den 6. September hin. Die spoga+gafa findet, Stand heute, statt. In der Ausstellerschaft ist es ruhig. Die Aussteller sehen, dass wir sehr sorgsam, transparent und in deren Sinne mit der Situation und somit unseren Partnern umgehen: Aktuell gibt es keine nennenswerte Vertragsauflösung. Im Jahresvergleich liegen wir sogar weiterhin vorne. Auch durch die Absage anderer Messen verzeichnen wir einen erhöhten Zulauf. Wir sind ehrlich, wenn wir sagen, dass uns dieser Zulauf nicht freut. Lieber hätten wir es gesehen, wenn die anderen Messen ebenfalls stattfinden. Der Markt braucht die Vielzahl an guten Formaten.

Wann also ist Ihre Deadline?

Lohrberg: Ende Juni, Anfang Juli bewerten wir die Situation neu. Wir können versichern, dass wir die Messe nur dann durchführen, wenn sie für alle Beteiligten die Chance hat, erfolgreich zu werden. Sollten wir also absehen können, dass zwar alle Aussteller kommen, ein relevanter Anteil von Besuchern aber, ob Gefahren oder Verboten, im September fern bleibt, werden wir im Sinne aller Partner handeln.

Wir sehen keine erkennbare Besucherwerbung. Auch das könnte man als Negativ-Zeichen deuten.

Lohrberg: Per Mai starten wir unsere Besucherwerbung. Wir waren und sind gut beraten, uns die Märkte, deren enormen Herausforderungen, Chancen auf Alltagsnormalisierung und somit die bald wiedererstarkte Möglichkeit auf Reisen besonnen anzuschauen. Das Letzte, was die Welt in den vergangenen Wochen und auch in Teilen heute noch gebraucht hätte, wäre unsere Besucherwerbung. Peu a peu kommen wir nun aber wieder langsam in die Lage, den Besuchern die spoga+gafa als Ort für Lösungen, Ideen zur Lage-Bewältigung und als Ort für Wege raus aus der Krise, rein in neue Chancen anzubieten. Wir wissen um den Bedarf unserer Besucher wieder in einen persönlichen Kontakt mit ihren Lieferanten, und andersrum, zu treten. Wir versprechen der Branche, dass sie dafür bei uns in besten und sorgsamen Händen sein wird.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Lohrberg. 

24.04.2020