Unter dem Motto „Fit für den Wandel“ diskutierten Branchenvertreter beim IVG Forum Gartenmarkt im Maritim Hotel am Düsseldorfer Flughafen über Transformation, Plattformökonomie und Künstliche Intelligenz. Im Fokus standen der Appell des scheidenden BHB Geschäftsführers Peter Wüst, strategische Defizite der Grünen Branche und Beispiele gelungener Erneuerung.
Zum Auftakt appellierte der scheidende BHB Hauptgeschäftsführer Peter Wüst in seinem Grußwort an die Geschlossenheit der Branche: „Dinge gehen nur gemeinsam.“ Er erinnerte daran, dass sich die Baumarkt- und Gartenbranche seit den 1960er Jahren stark gewandelt haben. Seit 2003 seien viele neue Sortimente, Dienstleistungen und Prozesse hinzugekommen. Doch es bleibe die Frage, so Wüst, wie die große Transformation aussehen könnte, die die Unternehmen wirklich zukunftsfähig macht.

Mit Blick auf die Verbändelandschaft forderte Wüst mehr Kooperation. Es gebe zu viele kleine Verbände, nur gemeinsames Handeln könne die notwendigen Prozesse anstoßen. Die Branche sei „geil“, habe sich aber strategisch zu lange ausgeruht, so sein Fazit.
Geopolitik, Reformstau und KI
Volkswirtschaftler Prof. Gunther Schnabl skizzierte die aktuelle ökonomische Lage. Er verwies auf eine aufgeheizte Geopolitik, überdimensionierte Industriekapazitäten und auf China, dessen Wachstumszenit nach seiner Einschätzung überschritten ist. Die Märkte würden nur noch durch Subventionen stabilisiert, Ukraine und Irankrieg verschärften die Lage zusätzlich. China falle als Wachstumsmotor der Weltwirtschaft zunehmend aus. Für Deutschland und Europa diagnostizierte Schnabl einen massiven Reformstau. Die marktwirtschaftlichen Prinzipien seien nach und nach ausgehebelt worden. Während Künstliche Intelligenz weltweit als Wachstumstreiber wirke, fänden die entscheidenden Impulse aus seiner Sicht vor allem in den USA statt. In Europa dominiere die Debatte über Regulierung, nicht über Wachstum. Die Kaufkraft in Deutschland werde unter Druck bleiben, solange es keine substantiellen Reformen gebe.
Plattformen, Temu und Agentic Commerce
Alexander Graf, Herausgeber von Kassenzone und Serienunternehmer, legte den Fokus auf die Mikroökonomie des Handels und das Spannungsfeld „Plattformen gegen den Rest“. Er erläuterte, warum sogar Amazon Temu ernst nehmen müsse und zeigte am Beispiel des US Händlers Chewy, dass viele E Commerce Modelle trotz hoher Umsätze nur geringe Ertragskraft aufweisen. Monatlich verschwänden zahlreiche Logos vom Markt, während es in der Grünen Branche im Vergleich dazu „noch Party“ sei. Als Ausblick schilderte Graf neue Modelle wie Agentic Commerce, etwa über Sprachassistenten wie Alexa. Sein Fazit zur internationalen Wettbewerbsfähigkeit brachte er zugespitzt auf den Punkt: „Made in China is the better Made in Germany.“

Ein besonderes Element des Forums war ein Netzwerkspiel, in dem vorher eingeteilte Gruppen Angriffs- und Verteidigungsszenarien mit KI durchspielten. Beispielhaft wurde etwa ein hypothetischer Angriff eines chinesischen Herstellers auf die Marke Makita analysiert. IVG Geschäftsführerin Anna Hackstein erklärte, man habe den Teilnehmenden mit dem Spiel „etwas Handfestes mit auf den Weg geben“ wollen.
Best Practice und Handelsperspektive
Wie ein gelungener Transformationsprozess aussehen kann, zeigte Julia Hitschler, Mitgeschäftsführerin von Hitschler International. „Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit“, sagte sie und schilderte, wie sie 2017 in ein Unternehmen mit roten Zahlen einstieg. Not habe erfinderisch gemacht, die Firma setze seither auf kreative Ideen und Social Media. Die Community sei in der Firmenstrategie das zentrale Element, produziert werde, was die Fans wollten und zwar vollständig inhouse. Zurückhaltung habe noch niemanden nach vorne gebracht, betonte Hitschler.
Aus Handelssicht ordnete Jochen Ludwig, Chief Commercial Officer von Obi, die Entwicklung im Gartenmarkt ein. Die Rahmenbedingungen im Gartenbereich seien „traumhaft“, würden aber noch nicht ausreichend monetarisiert. Die Branche schaffe es weiterhin nicht, die Saisonverläufe optimal zu nutzen. Ludwig rechnet mit einer Konsolidierung des Marktes in Deutschland. Nach dem Partnering Service sieht er aus Obi-Sicht das Profi Geschäft als nächsten wichtigen Transformationsschritt, auch mit Blick auf den Gartenbau.
Als Keynote Speakerin hatte der IVG Dr. Antje von Dewitz, Geschäftsführerin von Vaude, gewinnen können. Sie referierte in leidenschaftlicher und äußerst authentisch-überzeugender Weise, wie sie ihr Unternehmen auf den Kurs Richtung echter transparenter Nachhaltigkeit gebracht hat. Über die genauen Einzelheiten dieser Keynote berichtet der BaumarktManager in einer der kommenden Ausgaben und online noch ausführlich.