Den rund 150 Teilnehmenden des 9. BHB-GardenSummit, der traditionell den Abschluss der Gartenlifestyle-Messe spoga+gafa in Köln bildete, wurde einiges geboten. Am Ende stand neben vielen erhellenden Erkenntnissen, verblüffenden Zahlen und unterhaltsamen Aussagen die wichtige Botschaft, dass die Branche mutig, agil und optimistisch sein darf und trotz aller herausfordernder Rahmenbedingungen „das Glas immer halbvoll sein sollte“, wie es ein Referent formulierte.
Nach den einleitenden Worten von BHB Hauptgeschäftsführer Dr. Peter Wüst, setzte René Haßfeld gleich zur Eröffnung des Vortragsreigens einen ersten durchaus nachhallenden Impuls. Unter dem Titel „Nachhaltigkeit, Lifestyle, Erholungsort: Garten als Umsatzträger für die DIY-Branche“ berichtete der Vorsitzende der Geschäftsführung von Toom, der zugleich BHB-Vorstandmitglied ist, vom Garten als bestem Umsatzträger im Baumarkt. Dabei gehe es nicht mehr nur um Pflanze, Topf oder Dünger, sondern der eigene Garten sei für viele Menschen zur Wohlfühloase und zu einem Rückzugsort geworden mit einer hohen emotionalen Basis, die aber starken Veränderungen unterworfen sei. Wichtig seien in Zukunft noch kundenfreundlichere Produkte für noch anspruchsvollere Kunden. In diesem Zusammenhang nannte er das Beispiel Mähroboter. „Wir brauchen mehr solcher Innovationen!“

Seitenhieb in Richtung EU
Der Kunde erwarte zudem nachhaltige Systeme, sei aber nicht bereit, mehr Geld dafür auszugeben: „Hier haben wir eine Menge Hausaufgaben zu machen. Wir müssen immer auch den Mehrwert der nachhaltigen Produkte darstellen.“ Zum Abschluss kommentierte er den Ausgang der kürzlich erfolgten Europawahlen und konnte sich einen Seitenhieb in Richtung EU nicht verkneifen: „Wir haben mit einem Bürokratisierungswahn zu kämpfen und dadurch einen eklatanten Nachteil gegenüber anderen Kontinenten. Das muss ein Ende haben!“. Er habe allerdings Zweifel, dass sich in Zukunft daran etwas ändern werde. „Die EU hat ihren Sinn für Pragmatismus verloren. Wir werden uns wehren müssen, wenn sich da nichts tun wird“, so seine Forderung in Richtung Brüssel. Dennoch sollte die Branche positiv nach vorne schauen: „Der Garten ist in der Masse grün und grün ist bekanntlich die Farbe der Hoffnung. Auch wenn vieles nicht rosig ist und wir eine ganze Weile mit einigen Themen kämpfen werden, müssen wir bereit sein, positiv zu denken und hier werden uns insbesondere Innovationen nach vorne bringen“, endete Haßfeld mit versöhnlichen Worten.
Gartensortimente sind Umsatztreiber
Von einer sich fortsetzenden Achterbahnfahrt berichtete Sascha Kehrstephan, Director Retail Partnership bei GfK/Nielsen IQ, in seinem zahlenbasierten Vortrag „Verändertes Nachfrageverhalten versus Effizienzgewinne im Handel“. Die frischen Zahlen aus diesem Jahr zeigten im ersten Quartal einen Anstieg der Privatausgaben um 3,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal. Hier steche der Bereich Lebensmittel/Drogerie mit plus 4,6 Prozent hervor, während die Baumärkte in Deutschland lediglich einen Anstieg von 0,1 Prozent verzeichneten. „Hier sind die Gartensortimente ganz klar der Wachstumstreiber für die Baumärkte und die Gartencenter“, so Kehrstephan.

Als klare Handlungsempfehlung für Baumärkte präsentierte Kehrstephan das Beispiel „Pick & Go“. Das kontaktlose und digitale Einkaufen ohne Kasse breitet sich im Lebensmittelhandel immer mehr aus. Immens wichtig sei auch das frühzeitige Erkennen von Innovationen. Hier nannte Kehrstephan das Beispiel Mähroboter ohne Begrenzungskabel. In diesem Bereich habe sich der Umsatz 2024 um 44,5 Prozent erhöht, insbesondere im höheren Preissegment über 800 Euro.
5 Megatrends der Branche
Sehr farbenfroh wurde es dann beim Beitrag von Michael Hermes. Der Bereichsleiter Marketing bei der Landgard Service GmbH stellte das aktuelle Trendbook 2024/25 vor und erläuterte, wie die Megatrends für die Branche übersetzt und nutzbar gemacht werden können. Die aktuellen fünf Megatrends seien „Biophilic Boost“, „Beloved Fluffiness“, „Ethno Expressions“, „What‘s Poppin“ und „Solid Essentials“. Hermes präsentierte dem Publikum Beispiele aus der Praxis, bei denen diese Megatrends bei Verkaufsaktionen für den Retailbereich umgesetzt wurden.
Interne Kommunikation hat oberste Priorität
Danach folgte Jan Hatje, Head of Operations bei der Agentur I*AM in Hamburg, der zunächst ein zur Hälfte leer getrunkenes Kölsch-Glas zeigte und ins Plenum fragte, wer was darin sehe. Der Einstieg in seinen Vortrag mit dem Titel „Mut, Marke, Mensch – Resilienz im Marketing“ glückte, denn die optimistisch gefärbte Assoziation zum „halbvollen Glas“ war naheliegend. „Das Glas sollte immer halbvoll sein“ – dieser Leitgedanke zog sich durch den Vortrag, in dem es darum ging, wie sich Marken und damit auch Unternehmen in Dürrezeiten widerstandsfähiger machen können. Höchste Priorität habe die interne Kommunikation. Hatje: „Die Beschäftigten sind das Wichtigste. Chefs sollten Vertrauen und Nähe aufbauen. Wenn Mitarbeitende wahrgenommen werden, sind sie besser drauf und resilienter und machen auch die Marken resilienter!“ Nur wenn Mitarbeitende Vertrauen spürten, könne der Funke auch überspringen. Ganz besonders wichtig sei Optimismus, um das Glas nicht halbleer, sondern eben halbvoll zu sehen.

Zukunftsszenarien
Best- und Worst-Case-Szenarien bis zum Jahr 2033 erhielten die Gäste aus erster Hand von Jürgen Hanke. Der COO von Marketmedia24 stellte den kostenpflichtigen „Sales Performance-REPORT Gartenbranche 2033“ in Grundzügen vor. Auf Basis von Umsatzentwicklungen, Marktanteilen, Trendanalysen und Erfahrungen aus den Jahren 2013 bis 2023 ließe sich eine Methodik entwickeln, die zwar keine genaue Prognose oder Vorhersage zuließe, „aber aufgrund dieses Material können wir zumindest vorausdenken“, sagte Hanke und ließ gleich aufhorchen: „Das Trendszenario als Orientierung lässt für deutsche Baumärkte bis zum Jahr 2033 ein plus von acht Prozent zu, für den deutschen Gartenmarkt sehen wir im besten Falle sogar ein plus von 24 Prozent.“ Zahlen, die natürlich für Gesprächsstoff und Diskussionen sorgten. Zudem werde, so Hanke, der Online-Handel als Vertriebsweg um drei Prozent zulegen, womit natürlich andere Vertriebswege geschwächt würden.
So tickt die Generation Z
Abschließend wollten die Zuhörer und Zuhörerinnen von Hartwin Maas wissen, wie die Generation Z wirklich tickt. Und der Vorstand des Instituts für Generationenforschung aus Augsburg lieferte viele Fakten, aber auch amüsante Anekdoten und Erlebnisse rund um die Lebenswelt der Generation Z und nannte zugleich Herausforderungen und Potenziale für die Gartenhandelsbranche. Arbeitgeber müssten in der Lage sein, die Generation Z mit all ihren Eigenheiten und Widersprüchen zu verstehen, die auch aus der Erziehung durch ihre Eltern herrührten. Firmen würden merken, dass massive Wissenslücken, auch bedingt durch die Corona-Krise, bestünden, und die Generation nicht mit Konflikten und Kritik umgehen könne. Zudem nähmen die Extreme zu. Klar sei auch: „Die junge Generation möchte Freiheit innerhalb einer klaren Struktur. Sie fordert Regeln und fordert, dass es Konsequenzen geben muss, wenn Menschen sich nicht an diese Regeln halten.“ Diese Erwartungen müssten erfüllt werden, dann sei die Generation Z auch bereit, Führung und Verantwortung zu übernehmen.