Laut einer Umfrage unter den Mitgliedern des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie (HDB) hat sich die Lage in der Bauwirtschaft weiter verschärft. Preissteigerungen und Lieferengpässe sorgen bereits für die Rückstellung von Projekten.
„Mittlerweile ist fast jedes Unternehmen direkt oder indirekt von den Folgen des Krieges in der Ukraine betroffen“, sagt HDB-Hauptgeschäftsführer Tim-Oliver Müller. Die befragten Unternehmen berichten unisono, dass Materiallieferanten nur noch tagesaktuelle Preise geben. Über 80 Prozent gaben sogar an, dass Lieferanten überhaupt keine Preiszusagen mehr geben würden. Bisher sei es nur mit rund einem Drittel der Auftraggeber gelungen, sogenannte Preisgleitungen zu vereinbaren, damit die Unternehmen die Risiken nicht allein schultern müssen. In der Konsequenz würden mehr als 30 Prozent der Bauunternehmen keine neuen Angebote mehr abgeben.
Zum Preis-, Material- und Energierisiko komme auch ein Nachfragerisiko hinzu. So stellen nach HDB-Angaben rund 40 Prozent der Auftraggeber Projekte zurück, 30 Prozent der Auftraggeber stornieren Projekte. Müller: „Die Situation ist absurd. Vor Wochen hat die Branche noch händeringend um Arbeitskräfte geworben, heute müssen wir uns Gedanken machen, wie wir die halten, die wir haben. Wir stellen uns darauf ein, dass Unternehmen bald Kurzarbeit anmelden müssen.“
Kaum noch Preiszusagen
Mehr als 300 Unternehmen haben an der Umfrage teilgenommen, davon beziehen 27 Prozent Baumaterial aus Russland oder aus der Ukraine. Die Ergebnisse der Umfrage im Detail:
- 91 Prozent sind von direkten oder indirekten Auswirkungen betroffen. Davon gaben 84 Prozent an, dass die genannten Probleme stark, beziehungsweise sogar sehr stark ausgeprägt sind.
- 90 Prozent der Umfrageteilnehmer (nicht der Betroffenen) klagten über Preissteigerungen bei Baumaterial und 80 Prozent über Lieferengpässe (Vorumfrage: 79 Prozent beziehungsweise 64 Prozent).
- 85 Prozent gaben an, dass die Lieferanten nur noch tagesaktuelle Preise geben, 84 Prozent gaben sogar an, dass überhaupt keine Preiszusagen mehr gemacht werden. 81 Prozent klagten über Preissteigerungen beim Transport. 49 Prozent beklagten Logistikprobleme und 13 Prozent einen Fachkräftemangel wegen fehlender Arbeitskräfte aus den betroffenen Regionen.
- Die Lieferengpässe und Preissteigerungen betreffen überwiegend Dieselkraftstoff und Stahl: 78 Prozent beziehungsweise 76 Prozent der Umfrageteilnehmer gaben dies an. 57 Prozent berichteten von Lieferengpässen und Preissteigerungen bei Bitumen und Asphalt, 42 Prozent bei Holz, 55 Prozent bei Zement/Beton und 28 Prozent bei Spundwänden. 71 Prozent berichteten von steigenden Energiekosten.
- 71 Prozent der Betroffenen berichteten von Verzögerungen bei laufenden Bauprojekten.
- Bei 89 Prozent der Betroffenen hatten die Probleme Auswirkungen auf die Angebotsabgabe.
- 40 Prozent gaben an, dass der Auftraggeber sein Projekt zurückgestellt hat.
- 29 Prozent der Betroffenen berichteten, dass sie von Auftragsstornierungen betroffen seien.
