Ein großes rotes Hagebaumarkt-Gebäude mit einem Parkplatz und einem Transporter im Vordergrund.
Hagebaumarkt in Mülheim an der Ruhr. (Quelle: Hagebaumarkt)

Handel 2026-04-17T07:57:13.892Z Baumarktschließungen: Aktuelle Insolvenzverfahren zeigen die Probleme

Mehr und mehr trifft die anhaltende Krise der Baumärkte auch mittelständische Betreiber. Dies zeigt das Beispiel von Hagebaumarkt Mülheim an der Ruhr GmbH. Für die beiden Standort in Mülheim und Ratingen hat Geschäftsführer Hartmut Buhren einen Insolvenzantrag beim zuständigen Amtsgericht gestellt. Zwar läuft der Geschäftsbetrieb an beiden Standorten vorerst weiter, aber betroffen sind 75 Mitarbeiter, BaumarktManager berichtete. Was die Situation zum einen über die aktuelle Lage der Baumärkte hierzulande aussagt und welche Hebel es gilt in Bewegung zu setzen, um drohende Schließungen zu verhindern, das erklärt Dr. Philipp Hoog, Partner bei der BBE Handelsberatung.

Von „strukturell hohen Standortkosten“, die man „nicht dauerhaft ausgleichen“ könne hatte Geschäftsführer Hartmut Buhren noch im Februar gesprochen. Heute macht er gegenüber der WAZ deutlich, dass die anhaltende Kaufzurückhaltung der Konsumenten, die ihre potenziellen Sanierungs-Projekte zurückhalten, die Lage derzeit kennzeichnet. Eine Entwicklung, die sich nach dem Ende des durch Corona verursachten DIY-Booms Jahr für Jahr fortgesetzt hat, mittlerweile verzeichnet die Branche im dritten Jahr in Folge ein Minus.

Gegenüber der WAZ unterstreicht Philipp Hoog, dass Baumärkte derzeit eine „regelrechte Belastungsprobe“ durchmachen, besonders nach dem Corona-Boom. Zudem wirke sich die Baukrise und die damit einher gehende Konsumzurückhaltung negativ aus, denn die klassischen Selbermacher-Tätigkeiten, die Häuslebauer normalerweise gerne erledigen, fallen weg. Und damit bricht eine substantielle Zielgruppe weg. Hoog spricht gar von einem „Strukturbruch für die Baumärkte“. Zudem erschwere der zunehmende Wettbewerb durch Discounter wie Aldi, Lidl, Action und JYSK sowie durch Online-Marktplätze wie Amazon, Temu & Co den Baumärkten das Geschäft. Der Experte sieht ein weiteres Problem: Sehr große Standorte auf der grünen Wiese ohne ein besonderes Setting hätten es besonders schwer. Wer in den „guten“ Jahren nicht in Onlinehandel und Modernisierung der Fläche investiert hätte, leide nun unter dem Versäumnis.

Wege aus der Krise

Philipp Hoog weiß, wo Baumärkte ansetzen müssen, um sich aus der Krise herauszuarbeiten. Vorausgesetzt sie entwickeln ihr Geschäftsmodell weiter. Im Einzelnen sieht er folgende Aspekte, die entscheidend sein werden:

  • Weg vom reinen „Regal-Füller“ hin zum projektorientierten Problemlöser für Kundinnen und Kunden
  • Mehr Spezialisierung statt Austauschbarkeit: klare Profile, kompetente Begleitung von Renovierungs‑, Sanierungs- und Modernisierungsprojekten
  • Verzahnung von stationär, digital und Service – vom Online-Impuls bis zur vor Ort begleiteten Umsetzung
  • Standortportfolios schonungslos überprüfen: Welche Märkte werden modernisiert, welche verkleinert, ergänzt durch Gastronomie, Shop-in-Shop-Konzepte oder frequenzstarke Untermieter – und welche man konsequent aufgeben muss

Wer den Wandel hin zum Projektpartner der Kundinnen und Kunden schafft und an Standort- und Digitalstrateige dreht und feilt, der könne trotz aller Herausforderungen gestärkt aus der Krise hervorgehen, so das ermutigende Signal von Philipp Hoog.

zuletzt editiert am 17. April 2026