Bauwirtschaft Baugewerbe 2020 (Quelle: Pixabay)
Bauwirtschaft und Industrie droht Rezession. (Quelle: Pixabay)

Branche

25. April 2022 | Teilen auf:

Bauwirtschaft und Industrie blicken pessimistisch in die Zukunft

Laut den Ergebnissen der neuen Konjunkturumfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) schauen insbesondere die Bauwirtschaft und die Industrie pessimistisch in die Zukunft. Gründe für die verschlechterten Geschäftserwartungen der meisten Unternehmen für 2022 seien die hohen Energiepreise sowie Unsicherheiten infolge des Ukraine-Kriegs. Dagegen klettere die Dienstleistungsbranche aus dem Corona-Tief, so das IW.

Die Liste der Probleme der deutschen Wirtschaft ist lang: Die Preise – besonders für Energie – steigen weiter, China schottet ganze Metropolen von der Außenwelt ab, hohe Infektionszahlen sorgen für Personalausfälle und immer noch kommen wichtige Lieferungen mit großer Verspätung an oder bleiben ganz aus. Und: Der Krieg in der Ukraine sorgt für zusätzliche Unsicherheiten. Waren die Wachstumserwartungen für 2022 Anfang des Jahres noch zuversichtlich, kühlt der Krieg sie jetzt deutlich ab. Das ist das Ergebnis der IW-Konjunkturumfrage, für die fast 3.000 Unternehmen zwischen Anfang März und Mitte April befragt wurden.

Industrie und Bauwirtschaft im Abwärtstrend

Nur noch gut 30 Prozent der Unternehmen in der Bauwirtschaft rechnen laut IW mit einer Produktionszunahme im Jahr 2022. Hier stieg die Zahl der Pessimisten seit Herbst vergangenen Jahres um sieben Prozentpunkte und hält sich mit der Zahl der positiv eingestellten Unternehmen fast die Waage. Mehr Baufirmen rechnen außerdem mit sinkenden Investitionen und mit wenig Beschäftigungsimpulsen. Die Branche hat weiterhin mit Materialengpässen zu kämpfen.

Pessimismus hat sich verdoppelt

In der Industrie sind 28 Prozent der Unternehmen pessimistisch gestimmt – doppelt so viele wie im November 2021. Die Optimisten bleiben mit 37 Prozent zwar weiterhin dominierend, die Industrie befindet sich aber nahe an der Rezession. Besonders die hohen Energiepreise, die zuletzt durch den Krieg weiter gestiegen sind, machen der Industrie zu schaffen. Hinzu kommt die Angst vor zusätzlichen Material- und Lieferschwierigkeiten.

Optimismus im Dienstleistungssektor

Laut Ergebnissen der IW-Konjunkturumfrage haben Optimisten im Dienstleistungssektor mit fast 50 Prozent weiter die Oberhand. Hier erwarten viele Unternehmen durch das Ende der Corona-Einschränkungen bessere Geschäfte. Die überwiegende Mehrheit rechnet sogar mit steigenden Investitionen und zunehmender Beschäftigung.

Große regionale Unterschiede

Die Erwartungen sind regional sehr unterschiedlich. Unternehmen aus Bayern und Nordrhein-Westfalen sind überwiegend positiv gestimmt. Weil Lieferprobleme weiter die Automobilindustrie belasten, fallen die Erwartungen der Wirtschaft in Baden-Württemberg überschaubar aus. Stark getrübt ist die Stimmung vor allem im Norden: Hier sind die Pessimisten in der Mehrheit. Die geplatzten Kooperationen mit Russland – wie bei dem Pipelineprojekt Nord-Stream 2 – haben den Nord-Osten stark getroffen. Hier sehen über 40 Prozent der Unternehmen ein weiteres düsteres Jahr auf sich zukommen.

Ein Fünkchen Hoffnung

Trotz all der Belastungen durch den Krieg und die Pandemie bleibt bei knapp 40 Prozent der Unternehmen die Erwartung, dass sich das Jahr noch zum Besseren wendet. Verglichen mit der Umfrage im November vergangenen Jahres ist das zwar ein Rückgang von zehn Prozentpunkten, jedoch erwarten vor allem die Dienstleistungsunternehmen, dass die Bundesbürger das in der Pandemie angesparte Geld nun gerne ausgeben. Zudem wollen die Unternehmen ihre aufgeschobenen Investitionen nachholen, so die Hoffnung.

„Die optimistischen Produktionserwartungen der Unternehmen in Deutschland lassen insgesamt nicht auf eine Beschäftigungs- und Investitionskrise schließen“, sagt IW-Konjunkturexperte Michael Grömling. Aber: „Angesichts einer sich abrupt ändernden geopolitischen Lage kann sich die Stimmung der Unternehmen jedoch schnell ändern.“

zuletzt editiert am 25.04.2022