Nach positiver Bewertung der EFSA, der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit, über den Wirkstoff Glyphosat erwartet Vertreiber Scotts Celaflor grünes Licht für die Zulassungsverlängerung seines Herbizids Roundup Mitte 2016.
Der Wirkstoff Glyphosat stand 2015 u. a. deshalb oftmals im Fokus der deutschen Öffentlichkeit, weil Deutschland mit der turnusmäßigen Überprüfung betraut ist. „Es ist Usus, dass die Behörde mit der größten Expertise die Nachprüfung nach zehn Jahren übernimmt“, sagte Dr. Thoralf Küchler, Corporate Engagement Lead Germany, Austria & Poland bei Monsanto, in einem Hintergrundgespräch mit „markt in GRÜN“. Deutschlands Behörden hatten auch die Erstzulassung des Wirkstoffes genehmigt.
Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC), eine Unterorganisation der Weltgesundheitsorganisation (WHO), stufte Glyphosat im März 2015 als „wahrscheinlich“ krebserregend ein. Nun folgte die Bewertung der EFSA, der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit, nach der der Stoff nicht als karzinogen einzuordnen sei. Die EFSA stimmt hier mit der Einschätzung des Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) überein, das die Unbedenklichkeit von Glyphosat bei sachgemäßer Anwendung auch nach der Einschätzung von IARC verteidigt.
Beurteilungsbasis unterschiedlich
Die unterschiedlichen Bewertungen von IARC und EFSA/BfR führen zur öffentlichen Diskussion, ob den untersuchenden Stellen sämtliche Unterlagen und Studien vorliegen, ob diese aussagekräftig und bewertungsrelevant sind und ob alle zur Bewertung herangezogen werden.
Dr. Thoralf Küchler erklärte die unterschiedliche Herangehensweise der Behörden: „Die IARC untersucht, ob generell ein theoretisches Gefährdungspotential für den Menschen besteht. Die EFSA oder das BfR betrachtet das tatsächliche Risiko, also auch die praktische Exposition, der jemand beispielsweise bei der Anwendung eines Stoffes ausgesetzt ist.“ Dazu ergänzte Bettina Wenger, Brand Manager Central Europe Roundup: „Außerdem wird ein hoher Puffer bei der Dosierung eingebaut. Die Werte für den Rückstands-Höchstgehalt sind so niedrig angesetzt, dass selbst eine geringfügige Überschreitung keine Auswirkung auf die Gesundheit hat. Denn zum Schutz der Verbraucher sind hohe Sicherheitsfaktoren eingerechnet, bei Pflanzenschutzmitteln ist das der Faktor 100. Zum Vergleich: Beim Autofahren gilt die Regel, den halben Tachostand in Metern als Sicherheitsabstand zum Vordermann einzuhalten. Bei 120 Stundenkilometern sind das 60 Meter. Legte man den Sicherheitsfaktor 100, der für Pflanzenschutzmittel-Rückstände gilt, zugrunde, müsste man sechs Kilometer Abstand einhalten.“
Großer Marktanteil für Glyphosat
Die Entscheidung der EFSA ist eine Voraussetzung für die EU-weite Wirkstoffgenehmigung, die die Basis für die nationalen Zulassungsbehörden ist, die sich auch mit der Bestätigung der Zulassung des Produktes Roundup befassen werden. Die Bereichsuntersuchung ist umfangreich und umfasst u. a. Toxikologie, Umweltverträglichkeit, Rückstände, Wirksamkeit, ökologische Befunde.
Insgesamt sieben Firmen in Deutschland haben eigene Zulassungen für glyphosathaltige Produkte, von denen eines Roundup ist. Hersteller Monsanto vertreibt es in der Landwirtschaft, Scotts Celaflor kümmert sich um den Vertrieb der Kleinpackungen für den Haus- und Kleingartenbereich. Beide sind zuversichtlich, die Verlängerung der Zulassung zu bekommen.
Denn beide sind überzeugt von der Sicherheit ihres Produktes bei sachgemäßer Anwendung.
„75 % aller eingesetzten Herbizide sind glyphosathaltig“, sagte Bettina Wenger, „die übrigen 25 % entfallen auf Säuren.“ „Unkraut- bzw. Wildkraut ist ein großes Thema, nicht nur im Haus- und Kleingartenbereich“, führte Florian Kittemann, Leiter Fachberatung bei Scotts Celaflor, aus, „die sichere und vor allem wurzeltiefe Wirkung sowie die einfache Anwendung von Roundup sind bei Kunden seit mehr als 40 Jahren bekannt: Es wirkt nur über die grünen Pflanzenteile. Und der Anwender bekommt intensive Beratung, bei der wir das geschulte Personal im Handel mit umfangreichem Infomaterial unterstützen.“
Gezielter und sparsamer mit Gel
Im Laufe von 40 Jahren Produktgeschichte hat sich auch Roundup weiterentwickelt: Brandaktuell ist Roundup ® Gel, das für 2016 in Deutschland auf den Markt kommt. Positiv wurde es bereits in u.a. Großbritannien und in Norwegen angenommen, in diesem Sommer wurde die Zulassung für das Gel auch in Deutschland erteilt. „Mit einem handlichen Gel Applikator wird der Wirkstoff auf das Grün aufgetragen“ - Bettina Wenger erläuterte Anwendung und Vorteile - „Das Produkt ist anwendungsfertig, man kann keine (Dosierungs-) Fehler machen. Das Gel kann punktgenau ausgebracht werden, es gibt keine Abdrift. Und es tropft nichts ab, weil das Gel am Blatt haftet. Das Produkt enthält generell weniger Wirkstoff. Der Anwender kann den Einsatz selbst kontrollieren.“ Deshalb ist Scotts Celaflor überzeugt, dass die Markteinführung auch in Deutschland erfolgreich wird. Es soll sogar neue Kundengruppen ansprechen, weil seine Sparsamkeit, seine gezielte Anwendungsweise und seine geringere Konzentration auch diejenigen überzeugen könnte, die zuvor noch kein Herbizid verwendet haben.
„Wer Genaueres über Glyphosat und Roundup-Produkte wissen möchte, kann sich an verschiedenen Stellen informieren“, sagte Dr. Thoralf Küchler: „Die umfangreichste Literatur findet man unter www.glyphosat.de, sie reicht vom einfachen Infoblatt bis zu kompletten Studien. Darüber hinaus gibt es für den Fachhandel Infoblätter mit Verkaufsargumenten und für den Kunden vor Ort Filmmaterial zur Anwendung.“
Marktforschung zeigt eine hohe Kundenzufriedenheit
Es gibt inzwischen einige Gartencenter, die auf Glyphosat generell verzichten.
Dazu sagt Florian Kittemann, „Produkte der Roundup Familie sind behördlich zugelassene Pflanzenschutzmittel und für den Handel uneingeschränkt verkehrsfähig. Die Mittel erfüllen vollumfänglich die behördlichen Anforderungen und Auflagen für die Zulassung im Haus und Kleingartenbereich und stellen bei bestimmungsgemäßer Anwendung keine Gefahr für den Anwender, sowie Tier und Umwelt dar. Ungeachtet der Diskussionen um Glyphosat zeigt die Marktforschung eine hohe Kundenzufriedenheit und die Bereitschaft zum Wiederkauf von Roundup. Durch die (Wieder-) Aufnahme von Roundup bzw. die Aufnahme von Roundup Gel ins Portfolio können Kunden diese Nachfrage bedienen. Insbesondere das Roundup Gel mit seiner innovativen Formulierung eignet sich für einen Neueinstieg, da es zurzeit kein nachhaltigeres, präziseres Produkt auf dem Markt gibt.“
Ute Roggendorf
markt in GRÜN, zum aktuellen Stand der Zulassung von Glyphosat, nach Telefonkonferenz mit Monsanto und Scotts Celaflor am18.11.15
