Zahlenvergleiche ergeben bei der diesjährigen Halbjahresbilanz wegen der Vorjahres-Lockdownphasen ein verzerrtes Bild. Die Verunsicherung der Verbraucher durch Inflation und steigende Preise zeigt sich in der Kaufzurückhaltung.
In Deutschland stieg der Umsatz in den ersten sechs Monaten 2022 um 14,9 Prozent und erreichte einen Wert von 11,52 Milliarden Euro. Der sehr hohe zweistellige Anstieg aus dem ersten Quartal, der aus dem direkten Vergleich zu Lockdown-Phasen in Deutschland 2021 resultierte, relativiert sich im 2. Quartal deutlich und weist damit eine Quasi-Stagnation (+0,4 Prozent) auf, wie der BHB betont.
Auch in Österreich und der Schweiz ist die Zurückhaltung der Verbraucher spürbar. Bei einem Bruttoumsatz von 1,61 Milliarden Euro bleibt in Österreich ein Rückgang von minus 0,4 Prozent für die ersten sechs Monate zu verzeichnen. Effekte der harten Lockdowns (jeweils rund um die Jahreswechsel) bleiben hier ebenfalls nicht aus. In der Schweiz hingegen setzten die Bau- und Gartenfachmärkte im Halbjahr 1,96 Milliarden Schweizer Franken um, was einem Rückgang von minus 8,9 Prozent gleichkommt. Auch hier bleiben aber direkte Vergleiche zum Vorjahreszeitraum durch verschiedene, zeitl. versetzte, Lockdownmaßnahmen im Land schwierig.
Mit Blick auf die kommenden Monate zeigt sich der BHB-Hauptgeschäftsführer Dr. Peter Wüst besorgt: „Die Zahlenvergleiche liefern in allen drei Ländern angesichts der unterschiedlichen Lockdowns derzeit ein verzerrtes Bild. Aber überall zeichnen sich nun deutlich bereits die ersten Auswirkungen von Inflation und der aus den unterschiedlichsten Gründen gestörten Lieferketten ab.“
Auch BHB-Vorstandssprecher Franz-Peter Tepaß ist sicher, dass „die Unsicherheit der Menschen angesichts der volatilen Entwicklungen" die kommenden Monate bestimmen werden. Positiv stehe zu Buche, so der Vorstandssprecher, dass die Branche mit ihrem ausgesprochen vielfältigen Produktportfolio immer die wichtigste Anlaufstelle für Menschen bleibe, "die ihre Wohnungen vor dem Winter noch energetisch renovieren, verbessern oder mit zusätzlichen Dämm- und Heizmöglichkeiten ausstatten wollen." Mehr noch: Das gesamte Thema Energieeinsparung bilden die Baumärkte in jeder gewünschten Breite und Tiefe ab, darauf weist Franz-Peter Tepaß hin.
Wichtig sei aber besonders, dass der Handel nicht erneut durch politische Restriktionen in seiner Systemrelevanz behindert werde. „Dabei sind wir uns aber auch einer gewissen Vorbildfunktion durchaus bewusst“, so Tepaß, der auf umfangreiche Maßnahmen des DIYHandels verweist: So komme besonders im Bereich der Beleuchtung und der Verbrauchssteuerung bereits fast flächendeckend neueste Technik zum Einsatz, Um- und Neubauten bekommen mehr und mehr energetisch wirksame Ausstattungen.
