Selbst gemachte Möbel, Kleidung oder Schmuck, kreative Mode- und Wohnaccessoires, originelle Geschenke und Verpackungen – „Crafting“ macht vor nichts mehr Halt. Denn der englische Begriff für Basteln bedeutet mehr: Er steht für einen modernen DIY-Trend, der Frauen wie Männer, Jung und Alt gleichermaßen gepackt hat.

Die Deutschen basteln und handarbeiten immer weiter. Die Initiative Handarbeit (Salach) stellte nach Eigenerhebungen im Jahr 2013 zweistellige Umsatzzuwächse fest: So erzielte der Gesamtmarkt für Handarbeitsbedarf insgesamt 1,35 Mrd. Euro (2012 im Vergleich: 1,2 Mrd. Euro). Mit einem Umsatzplus von 20 Prozent (auf 520 Mio. Euro) im Vergleich zum Vorjahr sind die Handstrick- und Häkelgarne das größte Einzelsegment, dicht gefolgt von Stoffen mit einem Umsatz von 430 Mio. Euro in 2013. Und auch die Nachfrage an Anleitungen, DIY-Büchern und Special-Interest-Zeitschriften stieg von 43 Mio. Euro (2012) um 28 Prozent auf 55 Mio. Euro an. Nicht unbeteiligt daran ist das Internet, das eine neue Generation von Kreativen hervorgebracht hat. Über 3 Mio. „Garnkünstler“ treffen sich inzwischen im Onlinenetzwerk „Ravelry“ oder sie bieten ihre Produkte auf den E-Commerce-Websites „Etsy“ oder „DaWanda“ an.
Potenzial für die DIY-Branche
Das Internet dient bei der Umsetzung der kreativen Ideen zwar oft als Ideenquelle. Material kaufen die Hobbybastler dann aber lieber im Fachhandel. Denn dort können sie Garne, Stoffe und Zubehör direkt ansehen, fühlen und sich bei Auswahl und Menge beraten lassen. Eine Chance für die DIY-Branche, denn klassische Handarbeitsgeschäfte oder Kurzwarenabteilungen gibt es in vielen Städten immer weniger. Do it yourself steht aber heute nicht einfach nur für Crafting oder etwas mit den Händen schaffen. Sondern die neue Lust am Handarbeiten spiegelt auch eine gesellschaftliche Haltung wider. Vor allem beim „Yarnbombing“ gehen die Hobbykünstler bewusst nach draußen und umstricken, legal oder illegal, Objekte im öffentlichen Raum. Handarbeiten als Statement und Ausdruck von Lifestyle. „Die modernen Kreativen schaffen heute nur noch selten für die Ewigkeit“, weiß Anne Fuchs-Potthoff, Sortimentsleiterin Basteln/Spielwaren bei Knauber. „Ihre Produkte geben sie durchaus weg, verkaufen oder verschenken sie. Aufwendig und individuell verpackt, personalisiert. Bestempelt, bedruckt, verziert.“ Knauber ist einer der wenigen Retailer der Branche, wenn nicht sogar der einzige, der das Thema Basteln und Spiele professionell betreibt. Die Expertin Fuchs-Potthoff betreibt in den Knauber-Märkten mit viel Know-how und dem „Ohr an der Zielgruppe“ seit Jahren das Thema Spielen, Basteln und Künstlerbedarf erfolgreich auf der Großfläche. Wer das Sortiment Basteln und Spielen gewinnbringend bedienen wolle, der müsse sich zunächst ganz klar entscheiden, wie: als Spotgeschäft oder differenziertes Sortiment, selbsterklärend oder mit ausgebildetem Fachpersonal, auf kleiner oder großer Fläche. „Bei Knauber gehören diese Produkte von Anfang an zum Gründungssortiment“, erklärt Fuchs-Potthoff. Dafür brauche es einen langen Atem. „Kaum jemand hat anfangs in einem Baumarkt Produkte rund ums Basteln oder Spielen erwartet. Heute wissen unsere Kreativkunden, dass ihnen bei Problemen geholfen wird.“
GW
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