Das DIW-Konjunkturbarometer liegt im Juni bei 92,5 Punkten und muss damit im Vergleich zum Mai einen Rückschlag hinnehmen. Nach mehreren Anstiegen in Folge ist durch den Einbruch die neutrale 100-Punkte-Marke, die für ein durchschnittliches Wachstum der deutschen Wirtschaft steht, wieder weiter entfernt, teilt das Institut mit.
„Die verhaltene Erholung der deutschen Wirtschaft, die wir seit Jahresbeginn beobachten, dürfte sich nun aber immerhin Stück für Stück fortsetzen und an Fahrt gewinnen“, sagt Geraldine Dany-Knedlik, Leiterin des Bereichs Prognose und Konjunkturpolitik. Positiv wirke sich die anziehende Binnennachfrage aus, die durch die niedrigere Inflation und die höheren Löhne angeschoben wird. Auch die Anfang Juni von der Europäischen Zentralbank beschlossene Leitzinssenkung stütze die Entwicklung, heißt es in einer Mitteilung.
Weltwirtschaft kommt allmählich in Schwung
Die Weltwirtschaft, die zuletzt unterdurchschnittlich expandiert hat, werde nun allmählich in Schwung kommen, was die zuletzt kräftig gestiegenen deutschen Ausfuhren im Laufe des Jahres stützen dürfte. Ein Risiko für den Außenhandel sei neben den Kriegen und geopolitischen Konflikten insbesondere der Handelsstreit zwischen der Europäischen Union und China.
Die Fußball-EM dürfte insgesamt nur geringe positive Effekte auf die deutsche Wirtschaft haben. Aufgrund des Hochwassers in einigen Regionen Deutschlands kam es zu vereinzelten Produktionsstörungen, die aber gesamtwirtschaftlich nur wenig ins Gewicht fielen, berichtet das DIW.
In der Industrie blieben die Aussichten verhalten, wenngleich die Talsohle wohl durchschritten sei. Das Geschäftsklima sei aber nach wie vor gedämpft, die Geschäftserwartungen gingen zuletzt sogar wieder etwas zurück – ein kräftiger Aufschwung sei demnach nicht zu erwarten. „Die Auftragslage der deutschen Industrie ist weiterhin angespannt – der Auftragsbestand sinkt und die Neuaufträge haben sich bis jetzt kaum berappelt“, sagt Konjunkturexpertin Laura Pagenhardt.
Kauflaune verbessert sich
Leichte Anzeichen für eine weitere Erholung gebe es derweil bei den Dienstleistungen. Umfragen legten nahe, dass sich die Kauflaune der Menschen verbessert hat. Die Einzelhandelsumsätze erholten sich aber erst zaghaft von ihren Tiefständen des vergangenen Winters.
Angesichts der bisherigen Konjunkturschwäche sei die Lage auf dem Arbeitsmarkt alles in allem weiterhin bemerkenswert gut. „Die deutsche Wirtschaft dürfte nach der Energiekrise und dem Inflationsschub der letzten zwei Jahre zwar das gröbste überstanden haben, Euphorie ist aber noch nicht ausgebrochen“, betont DIW-Konjunkturexperte Guido Baldi.
