Dietrich Alberts, DIY-Lifetime Award
Dietrich Alberts erhielt die Auszeichnung DIY-Lifetime-Award für seine besonderen Verdienste um die Branche. (Quelle: RM Handelsmedien)

Branche 2023-11-30T07:19:29.772Z DIY-Lifetime-Award für Dietrich Alberts: Ein Pionier der Branche

Im Rahmen eines feierlichen Galaabends auf der MS Rheinenergie erhielt Unternehmer und HHG-Ehrenpräsident Dietrich Alberts gestern den DIY-Lifetime-Award. Laudator Reinhard Wolff, selbst Unternehmer mit Familienbetrieb und Präsident der internationalen Herstellervereinigung HIMA, nannte den Preisträger einen Baumeister und Pionier der Branche. Einer seiner Verdienste sei es, „dass wir heute so konstruktiv miteinander sein können.“ Im Gespräch mit BaumarktManager sprach Dietrich Alberts über aktuelle Themen der Branche und warum er sie wie eine große Familie empfindet.

Herr Alberts, der BHB schreibt in einer Mitteilung aus Anlass der Verleihung des DIY-Lifetime-Award, Sie hätten sich „über viele Jahre sehr engagiert für die Belange der Branche eingesetzt“. Können Sie ein oder zwei Beispiele nennen?

Hier möchte ich jeweils ein Beispiel auf nationaler und eines auf internationaler Ebene geben: Ziel war es immer, die Basis des HHG auf breite Beine zu stellen. Damit meine ich, dass alle Branchen in unserem Verband vertreten sind: Farbe, Holz, Sanitär, Tapete, Werkzeug, Eisenwaren und viele mehr. Das ist uns auch gelungen - durch direkte Ansprache einerseits, aber auch durch einen guten Ruf. Der Mix aus Fach- und Brancheninformationen bietet einen erkennbaren Mehrwert für alle und beschert unseren Versammlungen regelmäßig hohe Teilnahmequoten. International sehe ich die „Europäisierung“ als zentrales Thema. Die Zusammenarbeit der nationalen Verbände in Europa wurde durch EDRA und HIMA erfolgreich auf die europäische Ebene gehoben, was sich unter anderem im Global DIY Summit manifestiert, den wir gemeinsam veranstalten. Früher gab es eine Handels- und eine Industrieveranstaltung, die unabhängig voneinander stattfanden. 

Es heißt Sie hätten die Branche stets wie eine große Familie empfunden. Was macht die Branche genau aus, warum ist das so?

Das liegt für mich daran, dass vor allem die Lieferantenseite und auch der Handel noch aus Familienbetrieben bestehen, die mittelständisch geprägt sind. Oftmals hat dies längere Firmenzugehörigkeiten zur Folge und das sorgt für lange Beziehungen und Vertrauen - wie in einer Familie. Selbst bei Wechseln beobachte ich, dass dieselben Gesichter dann wieder woanders in der Branche auftauchen - man kennt sich.

Gibt es, außer dass Sie der Ur-Enkel des Firmengründers sind, einen ganz persönlichen Hang zur DIY-Branche, indem Sie etwa ein Herz fürs Selbermachen haben?

Ich bin auf dem Land groß geworden und das allein setzt eine gewisse Fertigkeit rund um Haus und Garten voraus. Früher habe ich meinem Vater geholfen, wenn etwas zu richten war, wenn ich jedoch auf meine Familie blicke, dann muss ich sagen, war der wahre Bastler und Alleskönner mein Schwiegervater. Er hat mit meinen Kindern viel Zeit in der Werkstatt verbracht und dort vor allem mit Holz gearbeitet. Teilweise gibt es diese Arbeiten auch noch bei uns zuhause. Ich denke da an ein kleines Fußbänkchen, wofür er natürlich auch unsere Produkte verwendet hat.

Sie haben sich immer für eine konstruktive Zusammenarbeit von Handel und Industrie eingesetzt. Dies wird in diesen Tagen immer wichtiger. Sind wir da auf einem richtigen Weg? Wo sehen Sie positive Entwicklungen und wo knirscht es noch?

Wir, also BHB, IVG und HHG, tauschen uns regelmäßig aus, auch jetzt wieder. Das ist eine sehr positive Entwicklung: Dass es diesen regelmäßigen Austausch zwischen Industrie und Handel gibt, ist zur erfreulichen Routine geworden, niemand zweifelt an der Sinnhaftigkeit - ganz nach dem Motto: Information schafft Vertrauen. Dabei werden die Themen durchaus kontrovers besprochen. Aktuell geht es vor allem darum, gemeinsam die Sensibilität für Nachhaltigkeit, stabile Lieferketten und die Versorgungssicherheit bei unseren Kunden zu erhöhen. Das bedeutet, dass der Endverbraucher bereit sein muss, mehr für diese Themen auszugeben.

Der DIY-Handel wie auch die Industrie wird auch im Bereich Nachhaltigkeit sehr gefordert. Worauf kommt es aus Ihrer Sicht bei diesem wichtigen zukunftsweisenden Thema an?

Wünschenswert ist ein qualitatives Wachstum: Durch Innovationen, Marken, die Qualität und den Service. Das Wachstum abkoppeln von reinem Mengenwachstum - leichter gesagt, als getan. Wir streben als europäische Industrie an, die Defizite im Bereich der Nachhaltigkeit außerhalb Europas zu reduzieren. Das bedarf großer Anstrengungen der Industrie, des Handels und der Endverbraucher. Noch mehr als bisher müssen den Worten auch Taten folgen.

Vor gut einem Jahr wurde viel über das Thema Lieferketten geredet und gefordert, dass sich viele Unternehmen breiter aufstellen müssten und sich von Abhängigkeiten befreien sollten. Hat sich aus Ihrer Sicht seither einiges verändert? Welche Strategie befürworten Sie?

Ja, es hat sich viel verändert, vor allem, weil alle Anspruchsgruppen bei der Bewertung eines Unternehmens Gewicht auf die Nachhaltigkeit - in Umwelt- und Sozialbelangen - legen. Beispielsweise fragen die Banken ganz konkret nach dem Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz. Unsere Strategie ist klar: Wir versuchen, durch unsere eigene Produktion in Herscheid, am Standort festzuhalten und die Abhängigkeit von labilen Lieferketten zu minimieren. Man ist als Unternehmen auch zum Eigenschutz darauf bedacht, Abhängigkeiten - und negative Presse - zu vermeiden. Was außerdem ganz wichtig ist: Dass man sich auch persönlich, durch Besuche vor Ort, von der Einhaltung sozialer und ökologischer Standards überzeugt.

Herr Alberts, haben Sie vielen Dank für das Gespräch.

zuletzt editiert am 01. Dezember 2023
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