Während die Online-Umsätze mit Waren insgesamt im zweiten Quartal 2023 gegenüber dem Vergleichsquartal des Vorjahres nach den aktuellen Zahlen des BEVH um 12,2 Prozent zurückgingen, verzeichnete die Warengruppe DIY und Blumen nur einen leichten Rückgang um 0,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Im ersten Quartal 2023 lag das Minus in diesem Warensegment noch bei 16,1 Prozent.
Wie der BEVH weiter mitteilt liegen die bisher aufgelaufenen Umsätze auf das gesamte erste Halbjahr gesehen zur Jahresmitte (Q1 + Q2) sogar rund 13,7 Prozent unter dem Vergleichswert von 2022. Verglichen mit dem gesamten ersten Halbjahr 2019, also vor Ausbruch der Corona-Pandemie, schlägt allerdings weiterhin ein Plus von 14,7 Prozent zu Buche.
Im Vergleich der großen Branchen-Cluster im Onlinehandel gab es laut BEVH im zweiten Quartal nur Verlierer: Abermals am stärksten verloren haben die Cluster Unterhaltung (-14,7 Prozent), Einrichtung (-14,3 Prozent) und Bekleidung (-14,1 Prozent). Mit Blick auf einzelne Branchen stehen der Handel mit Schmuck und Uhren (-17,4 Prozent), Computer/Zubehör/Spiele (-16,9 Prozent) und Haushaltswaren & -geräte (-16,1 Prozent) aber auch Auto- & Motorradzubehör (-15,9 Prozent) besonders unter Druck. Das Cluster Freizeit, zu dem auch DIY und Blumen gehört , verzeichnete hingegen insgesamt leichtere Verluste von minus 6,9 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Auffällig sei, so der BEVH, dass mit Beginn der Sommer- und Urlaubszeit im zweiten Quartal die Erholung bei digitalen Dienstleistungen (+8,5 Prozent auf 3.6 Mrd. Euro) nachgelassen hat. In dieses Segment fallen insbesondere Reise- und Konzertbuchungen. Nach den Einbrüchen der Corona-Hochphase hatte es hier zuletzt noch deutlich zweistellige Zuwächse gegeben. Von dem Ausgaben-Niveau aus dem zweiten Quartal 2019 (4,8 Mrd. Euro) ist das aktuelle Niveau weit entfernt.
Befragung: Planziele wurden nicht erreicht
In die gleiche Richtung wie die Branchenumsätze zeigen die Ergebnisse der aktuellen Mitgliederbefragung, die der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel in der ersten Juliwoche durchgeführt hat. Zwei von drei antwortenden Unternehmen geben demnach an, dass sie ihre geplanten Umsätze im zweiten Quartal nicht erreicht haben; im ersten Quartal berichtete dies nur jeder zweite Teilnehmer. Zwar gibt nur rund jeder zweite Befragte (51,4 Prozent) an, im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahr Umsatz verloren zu haben (erstes Quartal 23: 45,6 Prozent). Allerdings erfolgt die leichte Verschlechterung auf einem obendrein bereits vom Ukraine-Krieg geprägten schwachen Vorjahresquartal. Ging im ersten Quartal noch jeder vierte Befragungsteilnehmer davon aus, im Jahresverlauf die Krise hinter sich zu lassen, zeigen sich nun nur noch wenig mehr als 20 Prozent entsprechend optimistisch.
Die Unternehmen stemmen sich mit Macht gegen die Krise. Aber sie müssen erkennen, dass sich die Konsumentinnen und Konsumenten auch durch starke Angebote kaum noch zum Kauf bewegen lassen. Im ersten Quartal sprach noch jeder Dritte Onlinehändler von entsprechend erfolgreichen Kampagnen – nun ist es nicht einmal mehr jeder Vierte“, erläutert Martin Groß-Albenhausen, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes.
Prognose revidiert
Die pessimistischen Geschäftserwartungen der Händler und anhaltend schlechte Wirtschaftsdaten für Deutschland geben wenig Hoffnung auf eine Besserung der Geschäftslage im weiteren Jahresverlauf. Die zu Jahresbeginn angestellte Prognose von 4,8 Prozent Wachstum für die Gesamtbranche ist somit nicht haltbar. Nach eigenen Schätzungen geht der Verband stattdessen von einer deutlichen Korrektur und einen Rückgang der Umsätze von mehr als fünf Prozent zum Jahr 2022 aus. Denn: "Selbst bei einer derzeit nicht absehbaren Verbesserung der Konsumstimmung im zweiten Halbjahr wären die bisherigen Rückgänge kaum aufzuholen“, befürchtet Martin Groß-Albenhausen. „Die von uns befragten Konsumentinnen geben zudem nicht an, in den kommenden Monaten mehr online einkaufen zu wollen – sie verharren im Sparmodus."
