Die Inventurdifferenzen im deutschen Einzelhandel sind 2025 erneut gestiegen. Vor allem Ladendiebstähle, aber auch Delikte von Mitarbeitenden, Lieferanten und Servicepersonal verursachen Milliardenverluste. Eine aktuelle EHI-Studie zeigt zudem: Trotz steigender Sicherheitsbudgets bleiben die meisten Diebstähle unentdeckt.
Inventurdifferenzen bleiben für den deutschen Einzelhandel ein gravierendes wirtschaftliches Problem. Nach aktuellen Zahlen des EHI Retail Institute sind die Verluste im Jahr 2025 im Vergleich zum Vorjahr weiter gestiegen. Hauptursache sind Diebstähle, die überwiegend von Kundschaft, aber auch von Beschäftigten sowie externen Dienstleistern ausgehen.
Laut der EHI-Studie erhöhten sich die Inventurdifferenzen von 4,95 Milliarden Euro im Jahr 2024 auf 5,11 Milliarden Euro im Jahr 2025. Das entspricht einem Anstieg von 3,2 Prozent, während der Branchenumsatz im gleichen Zeitraum lediglich um 2 Prozent zunahm. Der größte Teil der Verluste entfällt auf Diebstähle durch Kundschaft, Mitarbeitende, Lieferanten und Servicepersonal, die zusammen 4,33 Milliarden Euro ausmachen.
Mit 3,05 Milliarden Euro wird der größte Warenverlust der Kundschaft zugeschrieben – ein Plus von 3,4 Prozent. Beschäftigten des Handels werden Verluste in Höhe von 910 Millionen Euro angelastet, Lieferanten und Servicefirmen 370 Millionen Euro. Weitere 780 Millionen Euro gehen nicht auf strafbare Handlungen zurück, sondern auf organisatorische Mängel, etwa Erfassungs-, Buchungs- und Bewertungsfehler. Der daraus resultierende volkswirtschaftliche Schaden durch entgangene Umsatzsteuer wird auf rund 590 Millionen Euro pro Jahr geschätzt.
Branchenbetrachtung
Die Entwicklung verläuft je nach Branche unterschiedlich. Im Lebensmitteleinzelhandel sind die durchschnittlichen Inventurdifferenzen spürbar gestiegen. Der Bekleidungshandel verzeichnet eine leichte Verschlechterung, Drogeriemärkte überwiegend Anstiege. In Baumärkten zeigt sich ein nahezu ausgeglichener Trend, während andere Branchen im Mittel leichte Verbesserungen melden.
Auf Basis der gemeldeten Fälle und der per Inventur festgestellten Schäden kommt das EHI zu dem Ergebnis, dass jährlich etwa 24,8 Millionen Ladendiebstähle im Handel unentdeckt bleiben. Pro Fall wird ein Warenwert von durchschnittlich 123 Euro angenommen. Damit bleiben über 98 Prozent der Diebstähle unerkannt und werden folglich nicht angezeigt. Hinzu kommt nach Einschätzung des Handels eine wachsende Zurückhaltung bei Anzeigen, die unter anderem mit unzureichender Strafverfolgung begründet wird.
Höhere Sicherheitsbudgets
Um Diebstählen vorzubeugen, investieren Handelsunternehmen zunehmend in Sicherheitsmaßnahmen. Im Durchschnitt aller Branchen liegt der Anteil der Sicherheitsausgaben bei etwa 0,33 Prozent des Umsatzes. Dazu zählen Artikelsicherungen, Kameraüberwachung, Detektiveinsätze, Testkäufe, Schulungen sowie diebstahlhemmende Verkaufsträger und datenbasierte Analysetools. Die Ausgaben für Prävention stiegen 2025 auf 1,7 Milliarden Euro, was das EHI auch auf inflationsbedingte Kostensteigerungen zurückführt.
Zusätzlich entstehen interne Aufwände, etwa durch das Anbringen und Entsichern von Warensicherungen, Bestandskontrollen, Schulungen, Datenanalysen, Kameraüberwachung und die Bearbeitung von Diebstahlanzeigen. Diese internen Kosten schätzt das EHI konservativ auf weitere 1,6 Milliarden Euro. Insgesamt summieren sich die Aufwendungen zur Diebstahlsprävention damit auf rund 3,3 Milliarden Euro pro Jahr.
Organisierte Kriminalität
Eine besondere Herausforderung sieht der Handel in der organisierten und gewerbsmäßigen Kriminalität. Bandendiebstähle verursachen laut Studie etwa ein Drittel der Ladendiebstähle und werden mit rund 1 Milliarden Euro beziffert. Daneben macht der Handel eine Zunahme des alltäglichen Kundendiebstahls aus, die unter anderem mit steigenden Lebenshaltungskosten infolge der Inflation in Verbindung gebracht wird.
