„Soooo können Sie aber keine Filiale leiten“: Das erste, was ich zu hören bekomme, ist ein (freilich mit breitem Grinsen vorgetragener) Anpfiff, nachdem ich mich 15 Minuten später als verabredet aus dem Stau herausgequält und das Fahrzeug halsbrecherisch vor dem Knauber-Markt Pulheim in die Parklücke gezirkelt habe. „Marktleiter müssen pünktlich sein“, lacht Lars Thelen.
Der 41jährige sieht dem (Mon-)Tag und der neuen Woche aber ganz gelassen entgegen, obwohl der Terminkalender rappelvoll ist. Das macht die Erfahrung: Thelen ist seit über 16 Jahren in der Marktleitung beim Bonner Edel-DIYler unterwegs. „baumarktmanager“ begleitet ihn einen Tag durch den ganz normalen Wahnsinn.
8.50 Uhr: Dabei ist Lars Thelen selbst relativ spät am Start. Ihn hält die vor kurzem geborene Tochter noch anderweitig in Atem. Aber kurz bevor die gläsernen Schiebetüren durch den ersten Kunden des Tages fast eingerannt werden, ist er da und zieht zügig eine erste Runde durch die über 10.000 m² umfassende Verkaufsfläche.
Grüßt hier, gibt noch kurz eine Anweisung weiter, hört sich kurz noch eine Bitte vom Mann im Holzzuschnitt an. Einer von mindestens zwei Rundgängen am Tag. „Man darf, auch wenn viel Arbeit anliegt, nie den Kontakt zu den Leuten im Markt verlieren, das ist ganz wichtig“, sagt er. Und: „Man muss natürlich die besten Zeitpunkte abpassen, wenn man mit den Mitarbeitern reden will. Kurz vor Öffnung mit der ersten Schicht, kurz vor Mittag um 11 Uhr dann mit der zweiten“.
Und man muss schon mal ganz früh sein, wenn man den Warenverräumtrupp noch erwischen will. Denn die siebenköpfige Truppe, von einer erfahrenen Marktmitarbeiterin gelenkt, ist schon wieder von der Fläche verschwunden, wenn die Kunden ankommen. Idealerweise.
10.00 Uhr: Im schnellen Schritt geht’s weiter in einen Nebentrakt des Gebäudes. Dort lagert seit Frühjahr ein großer Teil des Sortiments aus dem Knauber-Online-Shops, den drei Kollegen um Jörn Scheuring betreuen. Lars Thelen ist der Mittelsmann „zur Fläche“, vertritt die Interessen seiner sechs Marktleiter-Kollegen. Denn dass in der kleinen Knauber-Welt wegen begrenzter Ressourcen alle viel stärker aufeinander angewiesen sind, steckt in der Natur der Dinge. In den nächsten 30 Minuten geht es um Lagerkapazität, Retouren in der Filiale, Verbuchung von Musterprodukten und vieles mehr. Man kennt sich, man versteht sich. Und man fragt Lars Thelen, ob er Handwerker für eine kleinere Baumaßnahme koordinieren kann. Kann er natürlich – Thelen ist Pulheimer, kennt quasi jeden vor Ort und weiß natürlich, wer die Zuverlässigen sind.
10.30 Uhr: Im Eilmarsch zurück in den Markt. Die nächste Verabredung hat die nette Bereichsleiterin Info/ Kasse schon telefonisch avisiert. Sie duzt Thelen. Ach? „Wäre auch blöd, wenn nicht, Wir kennen uns schon aus dem Sandkasten.“ Obwohl nur ein paar Kilometer vom Kölner Dom entfernt, geht es hier eher dörflich zu. Wobei auffällt, dass der Umgang unter allen Mitarbeitern – bei aller Professionalität und Autorität – öfters auch familiär ist. Führungsqualität a la Knauber. Das geht in der Branche auch anders.
Und während ich darüber nachsinne, kriege ich „Marktleiter-Azubi“ schon den nächsten Hieb zwischen die Hörner. Über einen weggeworfenen Zettel bin ich glatt drübergestiegen. Thelen nicht. „Das dürfen Sie nicht machen, Weggeworfenes liegen lassen.“
10.40 Uhr: Besondere Form von Arbeitsalltag, die, sagt mir Lars Thelen, immer wieder vorkommt. Ein Mann, der den Verlag der Gewerkschaft der Polizei vertritt, wirbt verkrampft und ungeschickt um eine Anzeige für eine Festschrift. Thelen muss überlegen, findet das Angebot teuer – auch sein Budget ist begrenzt. Kommt so was oft vor? „Ja klar, minimum zweimal die Woche“. Da muss man schon ein bisschen selektieren. Aber das Ganze ist wichtig, sagt der 1,90-Mann, der wie gesagt jeden kennt. „Alles Kunden“. Und so dürfen sich viele Vereine über Zuwendungen aus dem Hause Knauber freuen – besonders die Jugend hat Thelen gern im Verteiler. Aber auch Karnevals-Jecken. Warum dass? „Das ist in unserer Regionalität begründet. Wir machen schließlich mit Karnevalszubehör einen ganz schönen Umsatz“. Ebenso brauchtümlich wie praktisch gedacht.
10.50 Uhr: Kleiner Zwischensprint. Der Klimaanlagentechniker muss ins Allerheiligste des Gebäudes – wo auch die Servertechnik steht, und hier gibt’s nur zwei Schlüssel. Und da Thelens Stellvertreter im Urlaub ist, joggt eben der Chef die zwei Treppen, um den Spezialisten ans Schrauben zu bringen.
10.55 Uhr: Schnell an den PC und ein Excel-Sheet öffnen. Thelen ist gut organisiert, strukturiert seine und die Mitarbeiter-Aufgaben in To-Do-Listen. Das Excel-Sheet verrät, was zu besprechen ist. Denn um…
11:00 Uhr kommen die Bereichsleiter zur Besprechung, wie jeden Montag. Die Zeiten von vielen, einzelnen Abteilungsleitern etc. ist bei Knauber schon geraume Zeit vorbei – heute sorgen in den Filialen jeweils Bereichsleiter für die Sektoren DIY (in den großen Filialen mit zwei Leuten besetzt), Kreativ, Garten und Kasse/Info für die Umsetzung in operativen Geschäft. „Sie genießen volles Vertrauen und verantworten – in Absprache mit mir – auch Planung und Sortimente“. Und stehen dafür auch regelmäßig bei den „großen Chefs“ Dr. Ines Knauber und Dr. Nektarios Bakakis gerade.
11.05 Uhr: Jetzt tun sie das allerdings erst einmal bei Lars Thelen. Doch auch hier ist der Ton zwar professionell, aber sehr umgänglich. Auf dem Bildschirm an der Wand prangt das Excel-Sheet mit dem, was zu besprechen ist. Da möchte die Kollegin, die den Kreativ-Bereich verantwortet, doch noch ein bisschen länger den Sonderaufbau zum Schulbeginn stehen lassen – die Umsätze waren prima. Doch die Zeit drängt. Gerade der Herbstbeginn ist bei Knauber voll mit Aktionen – und der Platz nun mal begrenzt. Herbst im Garten – dann kommt schon das Halloween-Thema und dann direkt der Weihnachtskatalog, der entsprechend auch auf der Fläche umgesetzt werden will. Da wird viel geräumt. Und das muss vernünftig koordiniert werden.
11.30 Uhr: Mittendrin statt nur dabei. Lars Thelen muss aktiv steuern. Welcher Bereichsleiter geht wann zum Führungskräfte-Tausch in anderen Filialen, wann kommen die Urlaubslisten, und noch ein dringlicher Appell, das Vorschlagswesen im Intranet mehr zu befeuern. „Ich hätte gern, dass die Mitarbeiter das aktiv nutzen – das ist wichtig“.
12:00 Uhr: Alles besprochen, die Mannschaft strömt auseinander. Nur nicht die Bereichsleiterin Kasse/Info. Denn die hat Personalsorgen. Zwei erfahrene Kräfte werden in diesen Tagen aufhören, es muss dringend Ersatz ran. Also beugt sie sich mit Thelen über die vorliegenden Bewerbungen. Kandidatin 1 hat keinen ihrer letzten Jobs über sechs Monate behalten. Kein gutes Zeichen, die Mappe wandert nach unten. Die nächste Bewerbung macht dafür einen guten Eindruck. „Mach mir doch mal einen Termin für ein Gespräch in den nächsten Tagen“, bittet er.
>>> Den ganzen Artikel lesen Sie in Heft 12.2013 ab Seite 24. <<<
