Als einen „Innovativ-Pilotmarkt“ bezeichnet Bauvista sein Eichhorn Bauzentrum in Birstein. Dort werden neue Wege der Digitalisierung am PoS getestet, um sie anschließend auf weitere Märkte auszurollen. Eines dieser Projekte läuft seit November.
Seit November 2019 ist eine elektronische Preisauszeichnung im Bauzentrum flächendeckend im Einsatz. Die Verkaufsfläche umfasst rund 4.000 Quadratmeter und weist 35.000 bis 40.000 Preisetiketten auf. Für das Projekt hat das Bauzentrum in Zusammenarbeit mit Bauvist alle Preisetiketten elektronisch umgerüstet. „Die Umrüstung auf die neue Technologie ist schon aufwendig, denn es müssen auch die Warenträger an die Gegebenheiten angepasst werden, mit anderen Worten: komplett ausgetauscht werden, zumindest was die hängende Ware betrifft. So eine Umrüstung im laufenden Betrieb dauert schon mehrere Wochen“, sagt Ingo Wolter, Bereichsleitung Strategie und Zukunft bei der Bauvista.
Frühe Startphase
Vorbereitet wurde das Projekt rund ein Jahr lang. Im Pilotmarkt testeten die Projektpartner insbesondere den Umbau der Wände auf andere Hakensysteme, da die Fähnchenhaken anders aufgebaut werden mussten. Mit zehn Testlieferanten startete im Mai 2019 dann die Erprobung. Zunächst wurde rund ein Drittel des Baumarktes umgerüstet. Nach dem erfolgreichen Abschluss des Tests wurde der Pilotmarkt bis November vollständig umgerüstet. „Durch unsere gute technische Infrastruktur war letztendlich die tatsächliche Umsetzung eher unproblematisch“, erzählt Stephan Eichhorn, Vorstandsmitglied der Eichhorn AG.
Das Unternehmen setzt auf eine Vernetzung seiner Baumärkte und hat unabhängig von der elektronischen Preisauszeichnung auch in Infoterminals, Kunden-WLAN, Digitale Sortimente und eine Eichhorn-App investiert. „Es ist wichtig, die Vernetzung der einzelnen Bausteine sicherzustellen, sonst macht so ein Projekt nur bedingt Sinn. Im Konzept der Eichhorn AG ist eine hundertprozentige Vernetzung gewährleistet“, so Wolter. Und Stephan Eichhorn ergänzt: „Mit den elektronischen Preisetiketten schaffen wir eine neue Dimension des vernetzten Baumarkts. Kunden können nun problemlos Zusatzdienste wie NFC-Schnittstellen; Kunden-WLAN oder neue Services wie „Eichhorn bringts“ nutzen.“
Scannen der Preisetiketten

Mit der Kamera des Smartphones kann der Kunde die neuen Preisetiketten scannen. Dadurch erhält der Nutzer Zusatzinformationen wie Anwendungsbilder, Videos oder textliche Produktinformationen. Kunden, die kein Smartphone haben, die NFC-Etiketten scannen können, können im Markt auf vorhandene Preisscanner-Stationen zurückgreifen. Sie können an großen Monitoren Produkte unter den Scanner halten und erhalten Preis- und Zusatzinformationen. Im Markt sind zudem an allen gut frequentierten und sichtbaren Stellen Hinweisschilder auf das Kunden-WLAN angebracht, das kostenlos und ohne Authentifizierung zur Verfügung steht. Darüber können Kunden die Eichhorn-App und die NFC-Funktionen der elektronischen Preisetiketten nutzen.
Unterschiedliches Kundennutzen
Die Kundenresonanz fällt bisher unterschiedlich aus, wie Stephan Eichhorn erzählt: „Gelobt werden die größer dargestellten Preise vor allem im Gegensatz zu den alten Papieretiketten.
Eher jüngere Kunden nutzen die NFC-Funktionen der neuen Etiketten. Für viele Kunden ist das elektronische Etikett aber oft unbemerkt.“ Einen absoluten Rückgang gebe es bei der Anzahl der Beschwerden über falsche oder missverständliche Preisauszeichnungen. „Dieses Thema gibt es nicht mehr“, so Stephan Eichhorn.
Vorteile bringe die neue Technik nicht nur für die Kunden, sondern auch für die Mitarbeiter. Diese würden von lästigen Routinearbeiten entlastet und erhielten mehr Zeit für die Beratung. „Außerdem werden die Baumärkte durch die Modernisierung und Zusatzdienste volldigitale moderne Arbeitsplätze, die auch wieder jüngere Mitarbeiter ansprechen.“
Flexible Preisanpassung in Echtzeit
Durch die Umrüstung ist das Unternehmen zudem in der Lage, dem Wettbewerb durch Onlineportale mit neuen Preisstrategien zu begegnen. Ist zum Beispiel Lagerdauer oder Warenbestand zu hoch, dann setzt das System anhand von automatischen Preisvergleichen mit Preisportalen im Internet innerhalb von Margenvorgaben automatisiert Aktionspreise. Die Auszeichnung im Baumarkt erfolgt dabei über die elektronischen Preisetiketten in Echtzeit. „Die neue Technik ermöglicht eine feingliedrige Preis- und Absatzsteuerung als jemals zuvor. Die Umsetzung und auch rasche Veränderung der Preisstrategien ist nun ohne Probleme möglich“, sagt Stephan Eichorn.
Basis für diese Dienste ist die Anbindung an Preisvergleichsportale und eine moderne EDV-Infrastruktur. Aus diesem Grund hat die Eichhorn AG Anfang 2019 ihre komplette IT-Infrastruktur gegen ein modernes ERP-System der Firma Allgeier ausgetauscht.
System wird ausgerollt
Bis zum Ende des ersten Quartals 2020 will die Eichhorn AG alle Standorte auf elektronische Preisetiketten umrüsten. Die technische Infrastruktur ist laut dem Vorstandsmitglied dafür bereits vorhanden. Und auch die Bauvista plant einen Rollout der neuen Technik auf weitere Gesellschafter. „Wir haben einen Baufachmarkt unseres Gesellschafters Capital Baustoffe in Berlin ebenfalls mit der elektronischen Preisauszeichnung ausgestattet. Weitere werden dieses Jahr folgen“, so Wolter.
Als nächster Schritt steht im Pilotmarkt zudem eine Instore-Navigation mittels „Eichhorn-App“ und digitalisiertem Marktplan auf dem Programm, wie der Bereichsleiter erklärt. „Im Laufe dieses Jahres wird die Instore-Navigation funktionieren und eingeführt.“