Branche 2014-05-09T00:00:00Z Eurobaustoff – Das Interview mit Ulrich Wolf

Eine der beiden Riesen-Kooperationen in Deutschland hat ein bewegtes Jahrzehnt hinter sich – das verschmelzen der Alt-Verbünde ging nicht unbedingt geräuschlos ab.

Da brauchte es einen Chef, der „feinfühlig“ und „hemdsärmelig“ kann, und zur Not mal mit der Faust auf den Tisch haut – eben Ulrich Wolf. baumarktmanager sprach mit dem Top-Manager.

bmm: Sie sind seit 2005 für die Eurobaustoff quasi als Steuermann in der Zentrale tätig. Damit waren Sie zu Beginn noch mit dem schwierigen Einigungsprozess zweier unterschiedlicher Kooperationen beschäftigt. Sicherlich eine Kernerarbeit. Haben Sie aus heutiger Sicht diese Einigung positiv lenken können?
Lenken nein - beeinflussen und überzeugen ja! Solch ein Einigungsprozess nach einer Fusion lässt sich nur beeinflussen, sonst hat das Ganze keinen Bestand. Die Überzeugung - oder zumindest die Billigung der Fusion - muss bei jedem Einzelnen reifen. Dieser Reifungsprozess war möglich, da es ja genügend gute Gründe für die Fusion gab. Wir mussten die Fakten nur offen auf den Tisch legen. Heute können wir sagen: aufgrund der der Marktentwicklung haben wir damals den richtigen Zeitpunkt gewählt.

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So kennen Ulrich Wolf viele: Klare Kante am Rednerpult, auch wenn’s mal gewittrig wird. (Quelle: bmm)

An der einen oder anderen Stelle habe ich nach der Fusion sicher Einfluss nehmen können. Aber das war und ist auch meine Aufgabe, den Gesellschaftern immer wieder den Nutzen aufzuzeigen, den sie aus einem solchen Zusammenschluss ziehen können.
Das Wort „Alt-Kooperationen“ haben wir aus unserem Sprachschatz gestrichen. Die Eurobaustoff ist heute in unseren Köpfen fest verankert.

„Kann nicht Everybody‘s Darling sein“

bmm: Sie haben mehrfach bewiesen, dass Sie ein Freund klarer Worte sind und auch vor Konflikten nicht zurückschrecken. Wie oft, schätzen Sie, sind Sie in Ihrer Amtszeit so richtig angeeckt?

So richtig angeeckt noch nie. Aber bei 5oo individuellen, mittelständisch orientierten Gesellschafterhäuser mit den unterschiedlichsten Ausrichtungen, Umsatzgrößen und Aktionsräumen ist die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Interessen ein ständiger Prozess. Mal ist es ein Einzelner, der sich nicht mitgenommen fühlt, mal eine Region, mal eine Allianz oder eine Fachgruppe. Wichtig für mich ist, dass wir offen, ehrlich und der Sache dienend diskutieren und zu einem gemeinsamen Ergebnis kommen. Bei der Umsetzung erwarte ich dann später auch die Akzeptanz einer demokratischen Mehrheitsentscheidung.

Ich kann nicht Everybody‘s Darling sein. Die Mitarbeiter in der Zentrale sind für alle da. Entsprechend müssen wir auch für das Wohl aller kämpfen.

bmm: In einer so großen Kooperation läuft nicht immer alles rund. Da muss man auch Niederlagen einstecken. Nehmen Sie so etwas persönlich? Wie erden Sie sich anschließend wieder? Wobei können Sie entspannen?

Natürlich musste ich auch Niederlagen einstecken. Die lassen sich aber an einer Hand abzählen. Ich stelle mir hier die Frage: Ist eine nicht gewonnene Etappe gleich eine Niederlage, wenn ich später trotzdem das gelbe Trikot auf der Schlussetappe mit ins Ziel trage? Persönlich nehme ich solche Niederlagen nur dann, wenn man mich auch persönlich angreift oder mir etwas unterstellt, was nicht an dem ist. Das ist einfach unfair und ungerecht. Deshalb bin ich immer für Transparenz. Hier ist mein Gerechtigkeitsempfinden sehr ausgeprägt.

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So kennen ihn wenige: Ulrich Wolf privat. (Quelle: Eurobaustoffprivat)

Geerdet werde ich sicherlich immer wieder durch meine Frau und mein wunderschönes zu Hause. Dort tanke ich auf und dort finde ich Kraft. Entspannen und sehr gut abschalten kann ich am Wochenende bei der Gartenarbeit, bei einer Runde Golf oder in meinem Ehrenamt bei der Wittener Tafel. Mehr Zeit bleibt leider nicht.


bmm: Ist die Eurobaustoff heute auf dem Weg, auf dem Sie die Kooperation gern sehen würden?

Eindeutig ja – wobei wir sicherlich noch Luft nach oben haben. Oder wie ich immer sage: Wir haben noch Potenzial! 2005 bin ich angetreten mit vier Schlüsselpunkten für die zukünftige Arbeit. Diese Fixpunkte waren Kostenführerschaft, Belassen der Bonusquote zugunsten des Tagespreises, Ausbau der Dienstleistungen und Verbindlichkeit. In den ersten drei Punkten stehen wir gut dar, die Verbindlichkeit in der Kooperationsarbeit habe ich abgehakt. Das entspricht weder der Mentalität vieler Gesellschafter noch dem Zeitgeist.


„…keine nationale Dachmarke“

bmm: Sie sind ja der Verfechter eines Markendaches. Wird denn der Kooperationsbegriff Eurobaustoff künftig eine solche Dachfunktion übernehmen sollen/können?

Jetzt wollen Sie mich aber kitzeln und mir etwas entlocken. Sie sind da schon seit Jahren sehr hartnäckig. Ich wiederhole mich aber gern noch mal für Sie und stelle es ein für alle Mal klar: Eurobaustoff ist und wird keine nationale Dachmarke. Die Stärke unserer Gesellschafter ist der Name des jeweiligen Gesellschafters in der Region. Das ist und bleibt unsere Philosophie und ist vor allem der Wille unserer Gesellschafter.

bmm: Der Versuch, eine Dachmarke Eurobaustoff zu etablieren, ist vor einigen Jahren gescheitert. Und auch die Marke i&M Bauzentrum aufzubauen, klappt nur bedingt. Sind Sie manchmal nicht ein bisschen neidisch auf einen durchgehenden Markenauftritt, wie ihn zum Beispiel der hagebaumarkt hat?

Es gab nie einen Versuch Eurobaustoff als Dachmarke zu etablieren. Von daher kann ich hier kein Scheitern erkennen. Seit der Fusion im Jahr 2004 haben wir uns als Kooperation zur Marke i&M Bauzentrum bekannt. Da hier in den letzten Jahren ein CD und CI Wildwuchs entstanden ist, haben wir im letzten Jahr einen Relaunch vorgenommen und ein neues Bekenntnis der i&M Markennutzer eingefordert. Dieser Prozess ist noch nicht abgeschlossen. Bis heute haben sich ca. 80 Gesellschafter, die ihren Schwerpunkt im Einzelhandel haben, zu der neuen Ausrichtung bekannt.
Deswegen kann ich nicht erkennen, auf wen und worauf ich neidisch sein sollte. Wir sind im Großhandel/Fachhandel aktiv, nicht in der Baumarktszene. Der Einzelhandel macht bei uns ca. 10 % des Einkaufsvolumens aus. Und weil wir anders aufgestellt sind, müssen wir uns auch anders präsentieren. Bei uns sind Professionalität, Kompetenz und Kundennähe gefragt. Dafür stehen unsere Gesellschafter mit ihren Namen in der Region. Wir arbeiten im Hintergrund als deren Dienstleister.


bmm: Als Chef der Zentrale müssen Sie sich sehr viel mit Gesellschaftern abstimmen. Wie viele Tage, Stunden und Kilometer sind Sie im Jahr als Vermittler „on the road“?
Wenn nötig 365 Tage im Jahr, 24 Stunden am Tag und jeden Kilometer, den die Autobahn hergibt. So kommen schnell im Jahr zwischen 75.000 und 80.000 Kilometer zustande. Aber jede Arbeit die von unseren Mitarbeitern und von mir geleistet wird, ist eine Vermittlungsarbeit für unsere Gesellschafter. Wir sind Dienstleister für alle Fachhändler und entsprechend ist auch unser Einsatz.

„Die Erbse kullert eben immer“

bmm: Was machen Sie auf langen Autofahrten? Musik? Hörbücher? Oder arbeiten und telefonieren während der Fahrt?


Im Auto habe ich grundsätzlich das Radio ausgeschaltet und höre auch keine CD´s. Das Telefonieren überwiegt sicherlich. Aber ich denke über viele neue Zukunftsthemen der Kooperation nach und wäge nochmals das Für und Wieder von getroffenen Entscheidungen ab. Die ´ Erbse ´ kullert eben immer.


bmm: Welches Ziel möchten Sie noch erreichen – persönlich und mit der Eurobaustoff? Und wie lange möchten Sie dafür noch bleiben?


Mein persönliches Ziel ist es natürlich, gesund zu bleiben und weiterhin ein bodenständiges Leben zu führen. Mein Vertrag bei der Kooperation geht noch bis Ende 2017. Weiter sollte man auch nicht planen. Mein Hauptziel für die Kooperation und deren Gesellschafter ist die Stärkung des Mittelstandes und der inhabergeführten Unternehmen. Herausforderungen gibt es mehr als genug und die Ideen, da bin ich mir sicher, gehen Aufsichtsrat und Geschäftsführung auch in den nächsten vier Jahren nicht aus.


bmm: Nach all diesen Erkenntnissen heißt Ihr Lebensmotto…?

Geht nicht – gibt’s nicht. Und wie wir im Ruhrgebiet sagen: Immer Mensch bleiben!!!

Das Interview führte Jörn Brüningholt

zuletzt editiert am 24. Juni 2021
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