Zwei Männer in Anzügen stehen vor einem Eurobaustoff-Logo.
Die Eurobaustoff-Geschäftsführung am Messestand auf der Bau in München (v. l.): Jörg Hoffmann und Dr. Eckard Kern (Vorsitzender). (Quelle: Eurobaustoff)

Handel 2025-01-17T07:20:24.361Z Eurobaustoff auf der Bau: „Erste Anzeichen einer Bodenbildung“

Die Eurobaustoff ist auf der diesjährigen Bau, Weltleitmesse für Architektur, Materialien, Systeme, die vom 13. bis 17. Januar in München stattfindet, bereits zum neunten Mal als Aussteller vertreten. Die Einkaufskooperation zeige mit dem Messestand auf der Bau wieder „Flagge für die Branche“, wird Geschäftsführer Dr. Eckard Kern in einer Mitteilung zitiert.

Im traditionellen Pressetalk am Messestand gab die Eurobaustoff Geschäftsführung Einblicke in ihrer Einschätzung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Mit Blick auf die aktuelle Lage der Bauwirtschaft habe sich die im Jahr 2023 begonnene Durststrecke auch in 2024 fortgesetzt. Das zeige bereits ein Blick auf die jüngst veröffentlichten Baugenehmigungszahlen: Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden im Oktober 2024 in Deutschland der Bau von 18.600 Wohnungen genehmigt, 18 Prozent weniger als im Oktober 2023. Von Januar bis Oktober 2024 wurden insgesamt 22,2 Prozent weniger Wohnungen als im Vorjahreszeitraum genehmigt. „Zahlen, die eine große Verunsicherung auf Seiten der Bauwilligen widerspiegeln und gleichzeitig zeigen, dass es nach wie vor an einer langfristig orientierten Wohnungsbaupolitik mit stabilen Rahmenbedingungen, einem vereinfachten, länderübergreifenden Baurecht sowie einer verlässlichen Wiederbelebung der Neubauförderung fehlt, um die aktuelle Baukrise zu überwinden und bezahlbaren Wohnraum zu schaffen“, führte der Vorsitzende der Eurobaustoff Geschäftsführung in München aus.

„Auch die Eurobaustoff mit ihren 444 Gesellschaftern und 1.716 Standorten (Stand 12/24) konnte sich im Geschäftsjahr 2024 den von Dr. Kern bereits kurz skizzierten Rahmenbedingungen nicht entziehen: Zum 31. Dezember 2024 verzeichnete die Kooperation einen leichten Rückgang des zentral abgerechneten Einkaufsvolumens um 2,8 Prozent auf 7,5 Mrd. Euro im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Eine Entwicklung, die sich auch in den einzelnen Warenbereichen mit unterschiedlichen Ausprägungen widerspiegelt“, erläuterte Geschäftsführer Jörg Hoffmann.

Erste Anzeichen einer Bodenbildung

„Dennoch sehen wir zum Jahreswechsel erste Anzeichen einer Bodenbildung. Die Baugenehmigungen sind zwar weiter rückläufig, aber die Bauzinsen haben sich stabilisiert und bewegen sich seitwärts, was zu einer leichten Belebung der Neukreditvergabe führt. Andererseits steht der vom Bevölkerungswachstum getriebenen Nachfrage eine nach wie vor geringe Bautätigkeit gegenüber. Auch im Sanierungsmarkt zeichnet sich eine Erholung ab. Für das Jahr 2025 gehen wir davon aus, dass dieses wichtige Marktsegment, insbesondere die energetische Sanierung, wieder an Fahrt gewinnt. Vor diesem Hintergrund blicken wir wieder etwas optimistischer auf das neue Geschäftsjahr. Sorgen bereiten uns allerdings die Insolvenzwelle, die auf die Branche zurollt, und die Finanzlöcher in den kommunalen Haushalten, die die aufkeimende Nachfrage erneut lähmen könnten“, sagt Dr. Kern.

Das Ende der Ampel-Koalition und die anstehenden Neuwahlen stimmen die Eurobaustoff Geschäftsführung hingegen positiv.  Denn ein Blick auf die Zahlen spricht eine deutliche Sprache und zeigt, „dass es der Ampelregierung unter Bundeskanzler Scholz nicht gelungen ist, die Wohnungsnot in Deutschland zu lindern, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen und somit den sozialen Sprengstoff, der sich dahinter verbirgt, zu entschärfen“, so Dr. Kern. In diesem Zusammenhang verwies er auch auf eine aktuelle Studie, die der BDB am Eröffnungstag der Bau zum Thema Wohneigentum schützt vor Altersarmut vorgestellt hatte. Darüber hinaus sei die Krise im Wohnungsbau auch ein volkswirtschaftliches Desaster. Der Vorsitzender der Geschäftsführung zitierte dazu aus einer aktuellen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Danach führt der Einbruch beim Wohnungsneubau zu volkswirtschaftlichen Verlusten in Milliardenhöhe und zu erheblichen Steuerausfällen für den Staat. So entfallen nach Studienangaben allein auf den Wohnungsbau immerhin 17 Prozent der gesamten Steuereinnahmen in Deutschland. Vor diesem Hintergrund sei Bauen kein Kostenfaktor, sondern für die Politik eine Zukunftsinvestition, die sich mehr als rechne, wenn jeder siebte Steuer-Euro aus der Bauwirtschaft komme und die Menschen wohnen wollen und müssen.

zuletzt editiert am 04. Februar 2025
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