Das Sortiment um Pelargonie, Petunie und andere Pflanzen fürs Beet oder den Balkon ist im Wandel. Neue und verbesserte Sorten halten Einzug. Klassiker spielen nach wie vor die erste Geige. Doch auch in anderen Segmenten gibt es viel Interessantes zu entdecken.
Die zwei zurückliegenden Hitzesommer haben durchaus zu einem Umdenken bei den Züchtern geführt. Gattungen und Arten, die mit vergleichsweise weniger Wasser auskommen und die nicht unter vermehrter Sonneneinstrahlung leiden, bereichern das Sortiment. Und bei den etablierten Arten werden neue Sorten eben auch im Hinblick darauf gezüchtet, dass sie mit den veränderten Klimabedingungen besser klarkommen. Trotzdem darf man von den Balkonblumenklassikern keine Wunder erwarten. Sie müssen regelmäßig gegossen und gedüngt werden, sonst ist die Blütenfülle schnell dahin.
Der Deutschen liebstes Balkonkind ist und bleibt die Pelargonie, meist als Geranie bezeichnet. Das erklärt wohl auch die Vielfalt an Sorten, die auf dem Markt ist. Ob stehend oder hängend, gefüllt oder ungefüllt blühend, mit mehrfarbigem Laub oder aromatisch duftend, es bleibt kaum ein Wunsch offen.
Und so finden auch in der aktuellen Saison wieder zahlreiche neue Züchtungen ihren Weg in die Vermehrungsbetriebe und somit in den Handel. Diese zeichnen sich zum großen Teil dadurch aus, dass sie hitzetoleranter sind als viele alte Sorten. Auch bei den Blütenfarben wird darauf geachtet, dass sie bei hoher Sonneneinstrahlung nicht ausbleichen. Ein Beispiel hierfür ist die neue ‚Ivy League‘-Serie. Die zu Pelargonium peltatum gehörende Sortengruppe zeichnet sich laut Züchter durch herausragende Hitzetoleranz aus und präsentiert sich mit ihrem breitbuschigen Wuchs als ideale Ampelpflanze. Sie ist in vier klaren und kräftigen Farben erhältlich.
Pelargonien in der Hauptrolle
Auch hängende Geranien , die kaskadenartig über den Rand der Balkonkästen wachsen, sind ein beliebtes Objekt der Züchtung. Auch hier gibt es spannende Neuheiten, zum Beispiel die ‚Super Cascade‘-Serie , die etwas kompakter wächst, sich aber sehr gut verzweigt. Die Sorten besitzen ungefüllte Blüten in etlichen Rosa- und Lachstönen, die sich durch eine sehr gute Selbstreinigung auszeichnen.

Ständiges Ausputzen von Verblühtem entfällt also. Auch bei den aufrecht wachsenden Zonale-Hybriden gibt es zahlreiche neue Sorten. So zeichnet sich ‚Bunny Strawberry Ice‘ durch üppiges, recht dunkles Laub und halb gefüllte, weiße Blüten mit einem breiten pinkfarbenen Rand aus.
Immer wieder werden Pelargonien dafür kritisiert, dass sie den Insekten nichts zu bieten haben und damit ökologisch zumindest fragwürdig seien. Es stimmt auch, dass man in der Regel weder Bienen noch Hummeln an den Blüten sieht. Allerdings scheinen einige Schwebfliegenarten von ihnen angezogen zu werden. In den meisten Balkonkästen werden aber verschiedenste Arten miteinander kombiniert, viele davon auch „Bienenfutter“, sodass man diesen Aspekt durchaus im Kundengespräch zur Sprache bringen kann, aber eben auch nicht überbewerten sollte. Wie so oft gilt auch hier: Eine gute Mischung sorgt für Ausgewogenheit.
Petunie und Calibrachoa
Die kleine Schwester der Petunie, die Calibrachoa , hat eine steile Karriere hingelegt, denn ihre Blüten sind wetterfester. Zudem fallen sie nach dem Verblühen ab und müssen nicht ausgeputzt werden. Wegen ihrer zahllosen Blüten heißt sie ‚Million Bells‘ . Der botanische Name lautet Calibrachoa, wegen der engen Verwandtschaft zur Petunie wird die Pflanze häufig auch Zauberglöckchen oder Mini-Petunie genannt.
Die Pflanze kommt sehr häufig in Südamerika vor und wächst dort in freier Natur in einem Gebiet von Südbrasilien bis Peru und Chile. Ihre Blüten sind recht nektarreich und werden gerne von Bienen, Hummeln und Schmetterlingen besucht. Auch vor ihnen macht die Züchtung nicht halt, und so stehen unzählige Sorten zur Verfügung. Neu ist beispielsweise die ‚Cabrio‘-Serie , die sich durch einen recht kompakten, gleichmäßigen und runden Aufbau auszeichnet. So lässt sie sich sowohl in Töpfen als auch in Ampeln verwenden.
Der Trend zur zweifarbigen Blüte ist unübersehbar, oft sind ringförmige Schlundzeichnungen in kontrastierenden Farben oder sternförmige Schattierungen zu sehen. Bei der neuen, sehr aparten Sorte ‚Sweet Peach‘ sind die Blüten sogar dreifarbig: Zum gelben Schlund gesellt sich ein erdbeerroter Ring, die Grundfarbe ist ein sanftes Pfirsichrosa.
Bei der ‚Callie‘- Serie wurde kontinuierlich auf Wüchsigkeit und Hitzetoleranz gezüchtet, was sie zu einer guten Wahl für zukünftige Klima-Herausforderungen macht. Mit ‚Strawberry‘, ‚Eclipse Strawberry‘ und ‚Lavender‘ sind zur neuen Saison drei zusätzliche Blütenfarben hinzugekommen.
Allseits bekannt und für üppige Blütenkaskaden unentbehrlich ist die ‚Surfinia‘-Sortengruppe , von der inzwischen ein riesige Fülle an Sorten erhältlich ist. In den letzten Jahren haben vor allem Sorten der ‚Crazytunia‘ - Serie auf sich aufmerksam gemacht. Außergewöhnliche Farben und Farbkombinationen sowie Musterungen zielen vor allem auf einen jüngeren Käuferkreis. Die Sorten wachsen im Gegensatz zu den Surfinien eher kompakt.
Fuchsienvielfalt und mehr

Mit der ‚Jollies‘- Serie kommt seit ein paar Jahren viel Bewegung ins Fuchsiensortiment. Denn diese wurden auf Robustheit und Pflegeleichtigkeit gezüchtet. Sie wachsen kompakt und sind sowohl im Topf oder Kasten als auch im Beet ansprechende Pflanzen. Das Sortiment umfasst sowohl kleinblütige Sorten als auch solche mit ungewöhnlich großen Blüten, oftmals gefüllt und mit rüschigen Blütenblättern. Für Insekten sind vor allem die ungefüllten Sorten wertvoll. Dass sie von Insekten angenommen werden, kann man auch an den sich häufig entwickelnden Samenkapseln erkennen.
Das Sortiment der Beet- und Balkonblumen ist natürlich noch weitaus vielfältiger. Wandelröschen (Lantana-Hybriden) sind schon längst keine typischen Kübelpflanzen mehr, sondern ausgesprochen attraktive Sommerblumen mit tropisch-bunten Blüten. Die Blütenstände sind aus einzelnen Röhrenblüten zusammengesetzt und wechseln von der Knospe bis zur Vollblüte mehrmals die Farbe. Und sie sind ein Leckerbissen vor allem für Schmetterlinge, die den Nektar aus den Tiefen der Blütenröhren saugen.
Niedrige Dahlien, vor allem kleinblütige ungefüllte, erfreuen sich zunehmender Beliebtheit, zumal hier wirklich ganz aparte Sorten gezüchtet wurden. Ein Beispiel dafür ist ‚Orange Red Bicolor‘ aus der ‚Happy Days‘-Serie , deren lachsorange Blüten über dem dunkelbraunroten Laub geradezu leuchten.
Im Zuge des Klimawandels kommen auch die Portulakröschen zu neuen Ehren. Der Gattung mit den sukkulenten Blättern wurde mit neuen Sorten wie der gestreift blühenden ‚Muffin Pink & Creme‘ eine Frischzellenkur verpasst. Die hitzetoleranten und genügsamen Pflanzen eignen sich sehr gut für die Ampelbepflanzung oder als Solitär im Topf.
Beim Zweizahn (Bidens) stehen inzwischen auch sehr kompakt wachsende Sorten zu Verfügung. Die Sorte ‚Interceptor‘ gehört dazu. Sie punktet zudem mit sehr großen, halbgefüllten Blüten, die aber immer noch genügend Nektar produzieren und daher von Bienen geliebt werden.
Immer noch viel zu unbekannt sind die Köcherblümchen (Cuphea). Ihr zierlicher, schleierartiger Habitus und ihre ungewöhnlich geformten Blüten dürften alle Romantiker ansprechen. Die neue Sorte ‚Pink Shimmer‘ ist eine echte Bereicherung des Sortiments und kommt besonders gut als Solitär im Topf zur Geltung, wo sie sich in alle Richtungen ausbreiten kann. Dazu ist sie insektenfreundlich und kommt bestens mit heißen, sonnenexponierten Standorten zurecht.
Beet- und Balkonpflanzen 2020