Wer in diesen Wochen durch die Baumärkte streift, sieht: Die Grills stehen wie immer bereit. Doch hinter den kulinarischen Sehnsuchtsbildern aus Sommer, Rauch und Geselligkeit wirken die wirtschaftlichen Realitäten schwer. Denn der Grillmarkt kämpft. Und er kämpft nicht erst seit gestern. Das zeigt eine Studie „Branchenbericht Grillen“ vom IFH Köln in Zusammenarbeit mit dem Industrieverband Garten (IVG).
Die deutsche Wirtschaft schwächelt. Eine nachhaltige Erholung? Vorerst nicht in Sicht. Zu groß sind die Herausforderungen: geopolitische Spannungen, Handelskonflikte, strukturelle Verschiebungen, demografischer Wandel, Investitionsunsicherheit sowie eine nachhaltig schlechte Konsumstimmung. All das zieht sich wie ein grauer Schleier über viele Konsumbereiche – auch über den deutschen Grillmarkt.
Ein Markt im Minus – trotz Grillwetter
Selbst stabile, freundliche Witterungsbedingungen im Frühjahr konnten das Bild im Jahr 2025 nicht retten: Geräte, Brennstoffe und Zubehör landeten insgesamt im Umsatzminus. Besonders bemerkenswert: Der Grillmarkt entwickelt sich inzwischen schlechter als der Gartenmarkt insgesamt – und das bereits im dritten Jahr in Folge. Ein klares Zeichen dafür, dass die Marktsättigung, welche im Grillgerätemarkt herrscht, weiterhin ihre Wirkung zeigt. Viele Haushalte sind ausgestattet, Ersatzkäufe werden verschoben, und die Lust auf größere Investitionen bleibt verhalten.
Konsum unter Druck – mit einer einzigen Ausnahme
2026 bleibt der Blick auf die privaten Konsumausgaben gedämpft. Höhere Lebenshaltungskosten verschieben Budgets in Richtung Wohnen, Energie und Gesundheit. Der Kauf langlebiger Konsumgüter – inklusive Grillgeräten – wird entsprechend vorsichtig angegangen.
Impulse, die dem Markt für Grillgeräte neuen Schub verleihen könnten, sind momentan nicht in Sicht. Die Prognosen bleiben deshalb bewusst konservativ.
Distribution: stark fragmentiert und trotzdem stabil
Wer allerdings glaubt, die Branche stünde auf wackeligen Beinen, verkennt die Struktur des Marktes. Gerade die Distribution zeigt sich robust – und vielfältig. Die enorme Heterogenität der Grillgeräte sowie ihre Preisbandbreite sorgt für eine starke Fragmentierung in den Frühjahrs- und Sommermonaten. Dazu kommen die verschiedensten Brennstoffe, die ihre ganz eigenen Logistik- und Verfügbarkeitsthemen mitbringen.
Doch ein Fundament steht fest: Der stationäre Handel bleibt der wichtigste Vertriebskanal. Auch künftig wird der Kauf von Grillgeräten und Grillzubehör bevorzugt vor Ort stattfinden. Vor allem die Brennstoffe sichern diese Position, denn Gasflaschen & Co. sind und bleiben typische Pfand- und Austauschprodukte. Der Trend zu Gasgrills verstärkt diesen Effekt sogar noch.
Bau- und Heimwerkermärkte – inklusive ihrer Onlineshops – bleiben deshalb Anlaufstelle Nummer eins im gesamten Grillkosmos.
Brennstoffe: der überraschend dynamische Treiber
Ein Blick auf die Hauptwarengruppen seit 2019 zeigt ein erstaunliches Bild: Grillbrennstoffe entwickeln sich am dynamischsten. Gas, Holzkohle und ähnliche Produkte legen eine Konstanz an den Tag, die im Gerätebereich kaum noch vorzufinden ist. Diesen Trend gab es schon vor 2019 – und er setzt sich ungebrochen fort.
Fazit
Der Grillmarkt 2026 bewegt sich in herausforderndem Fahrwasser. Während sich die Gesamtwirtschaft nicht erholt und die Konsumlust gedämpft bleibt, fehlen dem Markt derzeit die Impulse für Wachstum. Gleichzeitig zeigt sich: Er steht auf einem stabilen Distributionsfundament, und bestimmte Sortimentsbereiche – allen voran die Brennstoffe – trotzen dem Gegenwind.
Der Markt ist nicht in der Krise. Er ist in der Neujustierung. Und vielleicht ist genau das der Moment, in dem Innovation und Handel gemeinsam die Glut am Leben halten.
Die komplette Studie kann im IFH Shop erworben werden.
