HDH-Hauptgeschäftsführer Denny Ohnesorge
HDH-Hauptgeschäftsführer Denny Ohnesorge bezeichnet die neue EU-Verordnung als „noch nicht stark genug für eine Nachhaltigkeits-Wende am Bau“. (Quelle: HDH)

Branche 2024-05-06T07:27:52.941Z HDH: Bauproduktenverordnung nicht ausreichend

Nach Ansicht des Hauptverbands der Deutschen Holzindustrie und Kunststoffe verarbeitenden Industrie (HDH) reicht die im April vom Europaparlament verabschiedete Bauproduktenverordnung (BauPVO) nicht für eine Nachhaltigkeits-Wende am Bau aus. Der Verband warnt zudem vor Lasten für den Mittelstand.

Die kürzlich vom Europaparlament verabschiedete Bauprodukten-Verordnung, kurz BauPVO, setzt künftig den Rahmen für Zulassungen von konventionellen Bauprodukten auf Basis fossiler Rohstoffe sowie Bauprodukte aus nachwachsenden Rohstoffen. Das Potenzial zur Vermeidung von Abfall und von Treibhausgas-Ausstoß ist immens und bietet wichtige Ansatzpunkte, um dieses Potenzial zumindest teilweise zu heben, heißt es in einer Mitteilung. „Allerdings darf diese Konstruktion nicht dazu führen, dass die EU-Kommission ohne Rückkopplung mit Fachleuten aus Branchen und Mitgliedstaaten praxisferne Regelungen erlässt“, kritisiert HDH-Hauptgeschäftsführer Denny Ohnesorge.

Die novellierte Verordnung legt beispielsweise fest, dass die erfassten Produkte künftig mit einem digitalen Produktpass versehen sein müssen, so dass auf der Baustelle Anleitungen und Informationen über Hilfsmittel wie einen QR-Code direkt abgerufen werden können. „Was sich praktisch anhört und auch sein kann, dürfte für Anbieter allerdings auch zu Mehraufwand führen, denn egal ob digital oder analog – die Liste der beizubringenden Angaben verlängert sich tendenziell gegenüber den bisherigen Regelungen“, so Ohnesorge. Die neue Regelung dürfe aber nicht zu noch mehr Belastungen für die Branche führen. „Wichtig ist es, sich auf Kernmerkmale zu fokussieren, die für Sicherheit und Umweltauswirkungen entscheidend sind“, mahnt Ohnesorge.

Schlanke Anforderungen angemahnt

Für Abnehmer müsse die Quintessenz in Sachen Klima- und Umweltbilanz der Produkte auf Basis des Produktpasses schnell und transparent ersichtlich sein. Immerhin würden für mehr Nachhaltigkeit auf dem Bau Umweltanforderungen aufgeführt, die die Hersteller künftig in ihren Leistungs- und Konformitätserklärungen angeben müssen. Hier mahnt der Verband zu schlanken Anforderungen in den einzelnen Produktvorschriften, die sich auf das Wesentliche fokussieren.

„Zu einer fairen Umweltbilanz gehört, die Graue Energie endlich sichtbar zu machen“, fordert der HDH-Hauptgeschäftsführer. Die Graue Energie sei bei den Umweltindikatoren zur BauPVO aber noch nicht verankert. „Für eine Nachhaltigkeits-Wende am Bau ist die neue Verordnung daher noch nicht stark genug“, resümiert Ohnesorge. Die Einzel-Regelungen könnten aber perspektivisch zielführende Möglichkeiten bieten. 2039 wird die aktuelle BauPVO aus 2011 komplett zurückgezogen – sechs Jahre früher als von der EU-Kommission ursprünglich vorgeschlagen.

zuletzt editiert am 06. Mai 2024
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