Es ist Bewegung im deutschen Handwerk: Nicht nur ist die Branche von den aktuellen Herausforderungen wie hohe Materialkosten und Lieferengpässe betroffen, auch der demografische Wandel beschäftigt die Betriebe. Viele Handwerker werden in den kommenden Jahren in Rente gehen, und die jüngere Generation rückt nach.
Die Suche nach geeigneten Nachfolgern gestaltet sich jedoch nicht leicht. Der Fachkräftemangel ist spürbar, und die Anforderungen vieler jüngerer Handwerker, wie der Wunsch nach flexiblen Arbeitsmodellen, werden derzeit oftmals (noch) nicht erfüllt.
Auch in puncto Digitalisierung steckt die Branche noch in den Kinderschuhen. Eine Tatsache, die insbesondere im Hinblick auf die jüngere Generation problematisch werden könnte. Denn mit dem demografischen Wandel ändert sich auch der Arbeitsalltag. Nahezu jeder der Befragten nutzt mindestens ein digitales Gerät im beruflichen Alltag. Von denjenigen, die im Berufsalltag ein Smartphone verwenden, geben sogar drei Viertel an, dieses mehrmals täglich für betriebliche Zwecke zu nutzen. Das zeigt die dreiteilige Studienreihe „Wie tickt das deutsche Handwerk in Zeiten der Digitalisierung?“ von ECC KÖLN in Zusammenarbeit mit dotSource. Vor allem von den unter 30-Jährigen werden auch Social-Media-Plattformen bereits vielfach im beruflichen Kontext genutzt, und zwar sowohl zu Informations- als auch zu Kommunikationszwecken.
Bei der Beschaffung von Materialien und Produkten, die im Handwerk zum Arbeitsalltag gehört und neben dem zeitlichen Aufwand auch einen großen Anteil der Betriebskosten ausmacht, bleibt der klassische Fach- und Großhandel die erste Anlaufstelle. Doch gerade für spontane Ad-hoc-Käufe suchen 39 Prozent der befragten Handwerker am ehesten einen Baumarkt auf. Dabei sind die Erwartungen an die verschiedenen Anbieter insgesamt hoch: Die große Mehrheit erwartet, dass Anbieter den Arbeitsalltag erleichtern, indem sie innovative Services anbieten. Mehr als die Hälfte weiß teilweise gar nicht, welche Services im Baumarkt zur Verfügung stehen, die größte Unwissenheit darüber besteht bei den jüngeren Handwerkern unter 30 (82 Prozent).
Viele Baumärkte platzieren ihr Serviceangebot offensichtlich nicht präsent genug oder auf den falschen Kanälen und schöpfen damit ihr Potenzial bei einer wichtigen Zielgruppe nicht vollständig aus. Hier stellt sich die Frage: Wie kann das besser gelingen? Als Erstes gilt es, das eigene Serviceangebot zu prüfen, auf allen Kanälen sichtbar zu machen und wenn nötig zu erweitern. Bau-
märkte sollten (innovative) Services etablieren, die für Handwerker spannend sein könnten. Ein paar Ideen: Abholstationen auch außerhalb der Öffnungszeiten, Lieferservices zur Baustelle, Kundenprogramme für Handwerksunternehmen, Anmietung von Co-Working-Spaces, Möglichkeiten zur Partnerschaft oder auch Eventformate. Und: Neue digitale Möglichkeiten und Social-Media-Kanäle bewusst erschließen und vor allem die jüngere Generation da abholen, wo sie unterwegs ist. Dies kann zum Beispiel in Form einer eigenen App für Handwerker, Videoformaten oder schneller WhatsApp-Kommunikation passieren. Da wird in der Branche schon viel gemacht, aber es ist noch viel Platz nach oben.
