Im Auftrag des Landeswirtschaftministeriums analysiert das IFH Köln den Handelsstandort Nordrhein-Westfalen. Obwohl die Kundenfrequenz in den Innenstädten sinkt, hat der Handel großes Potenzial. Die Bevölkerung wünscht sich eine multifunktionale Nutzung der Innenstädte.
„Einzelhandel, Städte und Kommunen stehen vor großen Herausforderungen. Verbraucherinnen und Verbraucher in Nordrhein-Westfalen verbinden jedoch mit dem Handel in ihren Innenstädten, Quartieren, Orts- und Stadtteilzentren Lebensqualität, Wohnortattraktivität und Heimatgefühl und haben ein großes Interesse daran, Innenstädte als lebendige Begegnungsorte zu erhalten“, sagt NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) mit Blick auf die IFH-Analyse.
Die Studie zeige, „dass die Zentren in Nordrhein-Westfalen großes Potenzial haben, das es zu aktivieren gilt: mit kreativen Konzepten und dem Willen, Veränderung aktiv zu gestalten. Digitale Technologien, Medien und alternative Vertriebsformen können dabei helfen. Die Studie liefert hierfür wichtige Ideen, Ansätze und Handlungsempfehlungen: Digitale Alltagsbegleiter können beispielsweise Verbraucherinnen und Verbrauchern einen Mehrwert bieten. Ich bin überzeugt davon, dass innovative Standorte weiterhin viele Menschen anziehen werden.”
Der Onlinehandel konnte laut IFH in Nordrhein-Westfalen 2020 um mehr als 20 Prozent zulegen und hatte damit einen Anteil am Gesamthandel von knapp 13 Prozent. Dieser Wert könnte nach aktuellen Hochrechnungen der Forscher bis 2030 auf bis zu 26 Prozent steigen. Der Onlineboom zeige sich auch in den Besucherfrequenzen der Städte, die im vergangenen Jahr – auch coronabedingt – um 30 Prozent zurückgingen. Aber: In Nordrhein-Westfalen werde gerne stationär eingekauft. Die Bevölkerung setzt sich in weiten Teilen aus „selektiven Onlineshoppern“ (64 Prozent), die je nach Produkt und Situation zwischen Online- und Offlinekanälen wechseln, sowie nicht (gerne) im Internet einkaufenden „traditionellen Handelskäufern“ (18 Prozent) zusammen.
Der Handel „kann kein Garant für belebte Innenstädte sein“, so das IFH. Die Konsumenten wünschen sich die Kombination verschiedener Nutzungsarten: Handel, Gastronomie, Freizeit-, Kultur-, Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen. Ortsgrößenübergreifend wird zudem (konsumfreien) Verweil-, Freizeit- und Interaktionszonen und Wohnen eine hohe Bedeutung zugemessen.
„Die innerstädtischen Zentren in NRW müssen sich gemäß den Anforderungen, Interessen und Verhaltensweisen der Konsumentinnen und Konsumenten weiterentwickeln. Vielerorts ist dazu ein Paradigmenwechsel erforderlich: Weg von der Angebotsorientierung und hin zur Kundenzentrierung mit ihrer strikten Nachfrage- und Zielgruppenorientierung“, resümiert IFH-Chef Boris Hedde. „Gleichzeitig hat damit das Zeitalter für Erprobung neuer lokaler Geschäftsmodelle begonnen. Traut Euch, neue Wege zu gehen, möchte man allen Akteuren und Kommunen zurufen. Wichtig ist das Lernen und der offene Dialog zu Erfahrungen.“
