Euromünzen in einem Kassenfach
Die gesamtwirtschaftliche Kaufkraft erstarkt wieder, so die Prognose des Ifo-Instituts. (Quelle: Pixabay)

Handel 2023-10-31T06:43:40.029Z Ifo-Institut sieht Lichtblicke für die deutsche Konjunktur

Die Konjunktur in Deutschland habe im Sommer die Talsohle erreicht, mit dem Herbst gehe es langsam wieder aufwärts, so kommtiert das Ifo-Institut die Meldung des Statistischen Bundesamtes, dass die Wirtschaftsleistung im dritten Quartal 2023 um 0,1 Prozent gesunken sei.

„Der Ifo Geschäftsklimaindex ist im Oktober zum ersten Mal seit April gestiegen. Vor allem der Ausblick auf die kommenden Monate hat sich aufgehellt, aber auch die gegenwärtige Lage schätzen die Unternehmen etwas besser ein“, sagt Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser  und ergänzt: „Nach unseren Schätzungen dürfte die Wirtschaftsleistung im laufenden vierten Quartal um 0,1 Prozent zulegen.“

Die Erholung dürfte aus Sicht des Wirtschaftsforschungsinstituts durch das Wiedererstarken der gesamtwirtschaftlichen Kaufkraft eingeleitet werden. Bis zum Ende des laufenden Jahres dürften die Terms-of-Trade wieder das Niveau von vor Ausbruch der Coronakrise erreichen, heißt es. Zum einen seien die Preise der meisten Importgüter, allen voran Energie, kräftig gesunken. Zum anderen konnten die Exporteure die gestiegenen Produktionskosten weitergeben. Solche Terms-of-Trade-Gewinne erhöhen den Verteilungsspielraum und ermöglichen bei gegebener Produktivitätsentwicklung höhere Nominallohnzuwächse, ohne den heimischen Preisauftrieb zusätzlich zu befeuern, teilt das Ifo-Institut mit. Daher würden die Einkommen der privaten Haushalte stärker als die Preise, so dass mit einem Kaufkraftplus und einem allmählichen Anstieg des privaten Konsums zu rechnen sei, so die Ökonomen. Die Inflationsrate wird ihren Abwärtstrend fortsetzen. Viele Verbraucherpreise steigen bereits jetzt im Verlauf nur noch wenig, manche sinken bereits.

Konjunktur im Wohnungsbau bleibt abgekühlt

Die Industrie wird aus Sicht des Instituts von den Terms-of-Trade-Gewinnen und dem Aufleben der Konsumkonjunktur profitieren. Die Nachfrage nach deutschen Waren dürfte wieder zulegen, auch weil der globale Zinszyklus seinen Höhepunkt erreicht hat. Die Konjunktur im Wohnungsbau wird ihre Abkühlung hingegen fortsetzen. Zwar ist der kräftige Anstieg der Preise für den Neubau von Wohngebäuden mittlerweile fast gestoppt und die Marktpreise für neuerstellte Wohnimmobilien (also Gebäude inklusive Grundstücke) sinken seit einem Jahr. Allerdings scheint aus Sicht der Bauherren diese Entlastung noch nicht auszureichen, um die spürbar gestiegenen Finanzierungskosten zu kompensieren. Darauf deuten zumindest die anhaltenden Auftragsrückgänge und Stornierungen bei den Bauunternehmen hin.

Risiko durch Eskalation des Konflikts im Nahen Osten

Ein bedeutendes Risiko für die konjunkturelle Entwicklung sehen die Wirtschaftsforscher in einer weiteren Eskalation des Konflikts im Nahen Osten. Das zumindest zeige die Erfahrung aus dem Jahr 1973, als die arabischen Ölförderstaaten als Reaktion auf den Jom-Kippur-Krieg ein Ölembargo verhängten. In der Folge verfünffachte sich der durchschnittliche Erdölpreis binnen weniger Monate von 2,70 US-Dollar auf 13 US-Dollar, was in den damaligen Industrieländern schwere Rezessionen und kräftige Inflationsanstiege auslöste. Bislang, so das Ifo-Institut, sind Erdölpreise seit Ausbruch des Konflikts nur um etwa 6 Prozent gestiegen. Aber die weitere Entwicklung ist unsicher und hängt vom Verhalten der arabischen Ölförderstaaten in der Region ab.

zuletzt editiert am 31. Oktober 2023
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